TU Darmstadt Schwerer Rassismusvorwurf gegen Biologie-Dozent

Er soll Schwule als "krank" bezeichnet und NS-Literatur empfohlen haben: Ein Dozent der TU Darmstadt ist wegen rassistischer und homophober Aussagen aufgefallen. Nun wurde ihm laut Asta vorläufig die Lehrerlaubnis entzogen.

Residenzschloss Darmstadt, in dem Teile der TU untergebracht sind (Archiv)
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Residenzschloss Darmstadt, in dem Teile der TU untergebracht sind (Archiv)


"Neger, das darf man ja so jetzt leider nicht mehr sagen..." Über Monate haben Studierende der TU Darmstadt über solche und weitere Aussagen eines Biologie-Dozenten Protokoll geführt und diese an den Asta weitergleitet. Nun wurde dem Mann laut der Studienvertretung vorläufig die Lehrerlaubnis entzogen.

Der Dozent, der Lehramt-, Körperpflege- und Biologiestudierende in Biologiedidaktik unterrichtet haben soll, ist demnach bereits seit Längerem wegen rassistischer, sexistischer und homophober Aussagen aufgefallen. Homosexuelle Menschen habe er als "krank" oder "behindert" bezeichnet, Frauen soll er aufgefordert haben, sich um ihre "Mutterinstinkte" statt um ihr Studium zu kümmern und als Lektüre soll er unter anderem einschlägige NS-Literatur zu "Rassentheorien" empfohlen haben.

Der Asta habe das Präsidium der TU über die Vorwürfe bereits vor einem Dreivierteljahr informiert. Nun habe das Präsidium die Entscheidung gefällt, dem Mann die Lehrerlaubnis vorläufig zu entziehen, sagte eine Sprecherin der Studierendenvertretung. Das sei ein "Zwischenstand", der ihnen von einem Ansprechpartner aus dem Umfeld des Präsidiums gegeben worden sei.

Die TU selbst will das weder bestätigen noch dementierten. Zu laufenden Verfahren äußere man sich grundsätzlich nicht, sagte Universitätssprecher Jörg Feuck. Erst wenn alle Vorwürfe geprüft und entsprechend bestätigt oder entkräftet worden seien, treffe das Präsidium eine Entscheidung. Feuck rechnet damit, dass diese in den kommenden Wochen falle. Das Semester beginnt an der TU Mitte Oktober, Lehrveranstaltungen des umstrittenen Dozenten finden zurzeit nicht statt.

Auch an der Universität Kassel gab es zuletzt Beschwerden über einen Biologen. Studierende forderten wegen eines homophoben Interviews des Biologieprofessors Ulrich Kutschera eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

sun



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