Tüftelei eines Professors Turbo-Gustav und sein Gegenwindfahrrad

Draufsetzen, entspannen, der Wind erledigt die Arbeit - ein Traum für alle Radler. Seit 16 Jahren tüftelt ein Flensburger Professor an einem Fahrrad ohne Pedalen, das nur der Gegenwind antreibt. Allerdings: Wegen der kolossalen Turbine ist die Erfindung nicht straßentauglich.


Gegen den Wind fahren und zugleich mit dem Wind, das wollte Gustav Winkler schon immer. Am Freitag hat der Professor der Fachhochschule Flensburg ein sogenanntes Gegenwindfahrrad vorgestellt.

"Der Wind treibt eine Turbine an und die Turbine das Rad", erklärt Winkler das Prinzip. Vor das Rad ist eine Turbine mit einem Durchmesser von gut zwei Metern gespannt. Wegen dieser Ausmaße dürfen Radfahrer jedoch nicht auf Erleichterung hoffen. Für den Radweg sei die Entwicklung wegen der großen Turbine zu breit, sagt Maschinenbaustudent Andreas Borowski aus Winklers FH-Team - "und für die Straße ist es nicht zugelassen".

"Es ist sehr interessant, gegen den Wind zu fahren. Es ist erstaunlich leichtgängig und funktioniert auch bei wenig Wind", erzählt Borowski. Bereits 1992 hatte Winkler das wohl weltweit erste Gegenwindfahrrad entwickelt. Darin sieht er ein Lehrstück für seine Ingenieurstudenten und will sie dazu bewegen, über die Anwendbarkeit des Hochschulwissens nachzudenken und es am Beispiel auszuprobieren.

Mit der Weiterentwicklung will ein Team um Winkler Ende August auf dem Aeolus Race in Den Helder in den Niederlanden gegen fünf andere Hochschulteams aus Europa antreten - und siegen. Denn Winkler glaubt fest an einen Erfolg seiner Konstruktion. "Wir werden gewinnen. Schließlich haben wir 16 Jahre Vorsprung", sagte der Tüftler.

Emeritus mit windigen Gefährten

"Ich bin schon als Zehnjähriger darauf gekommen, habe es aber erst 45 Jahre später umgesetzt", so Winkler. Ein Freund habe ihm vor 16 Jahren eine selbstgebaute Turbine gezeigt. "Ich wusste sofort: Daraus kann man ein Gegenwindfahrrad bauen." Mit Maschinenbau-Studenten machte er weiter, die heutige Konstruktion hat eine weit größere Turbine als die von 1992. Pedalen braucht es nicht, allein der Wind soll es in Bewegung setzen.

Die Geschwindigkeit ist Winkler dabei nicht wichtig. "Wir schaffen weniger als die halbe, aber mehr als ein Drittel der Windgeschwindigkeit", sagte er SPIEGEL ONLINE. Von Fragen nach dem Tempo des Gefährts zeigt er sich genervt. "Wir leben in einem Zeitalter des Geschwindigkeitsrausches", so der Tüftler, "das ist kein Fortbewegungsmittel, noch nicht einmal ein Sportgerät."

Der emeritierte Professor hat seit 2006 nur noch einen Lehrauftrag an der Hochschule in Flensburg. Eigentlich kommt er aus der Industrie. Bei einem Motorenhersteller entwarf der Ingenieur Turbinen für die Turbolader von Schiffs- und Lkw-Motoren. Der Spitzname von damals ist heute noch Teil seiner E-Mail-Adresse. "Sie nannten mich Turbo-Gustav", erklärt der Gelehrte launig.

Für die Studenten sei es der Einstieg in größere Projekte wie Windkrafträder, betont Winkler. Dass eine Lokalzeitung ihn als Daniel Düsentrieb titulierte, behagt ihm gar nicht. Er sieht keine Parallelen zu dem verrückten Forscher aus den Mickey-Mouse-Comics. Und vor allem: "Anders als bei Düsentrieb funktioniert meine Erfindung."

cht/dpa



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