Türkisches Kopftuchverbot Erdogans Töchter studieren in den USA

An türkischen Universitäten sind Kopftücher strikt verboten. Das setzt Recep Tayyip Erdogan persönlich unter Druck: Die beiden Töchter des islamischen Ministerpräsidenten sind zum Studium ins Ausland gegangen, auch seine Frau trägt Kopftuch. "Ich bin ein leidender Vater", sagt Erdogan.


Zwischen Islam und Europa: Regierungschef Erdogan
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Die Türkei ist seit 80 Jahren ein laizistischer Staat und hat, ähnlich wie Frankreich, das Kopftuch als religiöses Symbol in öffentlichen Einrichtungen untersagt. Das führt regelmäßig zu Konflikten vor allem mit islamischen Studentinnen, die sich manchmal mit kleinen Tricks behelfen, um das Verbot zu umgehen - sie tragen zum Beispiel Perücken oder andere seltsame Kopfbedeckungen.

Für den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist das Kopftuchverbot ein politisches wie auch persönliches Problem. Seit dem Wahlsieg Ende 2002 steht er bei seinen frommen Anhängern im Wort, etwas dagegen zu unternehmen. Aber der Staatspräsident, die Armee und die Justiz halten dagegen, weil sie das Kopftuch als Symbol der Fundamentalisten sehen. Zugleich will Erdogan der Türkei den Weg nach Europa ebnen. Die Verhandlungen mit der EU können noch viele Jahren dauern, und welche Fallstricke lauern, zeigte jüngst der Konflikt um den Ehebruch als Straftatbestand - in anderen EU-Ländern und in der Türkei selbst gab es eine kleine Rebellion, der Regierungschef musste die Initiative stoppen.

Ein Regierungschef in der Zwickmühle

Den Kopftuchstreit kennt Erdogan, der in Istanbul Wirtschafts- und Politiwissenschaften studierte, aus dem eigenen Haus. Seine Töchter sind ins Ausland ausgewichen und studieren in den USA. Mit Kopftuch wären sie an türkischen Universitäten nicht zugelassen worden. "Ich bin ein leidender Vater. Meine zwei Töchter absolvieren ihr Universitätsstudium ganz einfach deshalb im Ausland, weil sie es in der Türkei nicht können, wenn sie ihren eigenen Glauben achten wollen", sagte Erdogan am Mittwoch dem französischen Nachrichtensender LCI. "In den USA ist das erlaubt."

Haben auch zu Hause Ärger mit dem Kopftuch: Premier Erdogan, Vize Gül
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Auch Erdogans Frau Emine trägt, wann immer es geht, Kopftuch mit bodenlangem Gewand, etwa bei Auslandsreisen. An Staatsempfängen indes kann sie häufig nicht teilnehmen. Vor einigen Monaten kam Erdogan bereits in die kuriose Situation, das Kopftuchverbot verteidigen zu müssen: Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg stritten strenggläubige Musliminnen für das Recht auf Kopfbedeckung.

Zu den Klägerinnen zählte zunächst auch Hayrünnisa Gül, die Frau des Vizepremiers und türkischen Außenministers Abdullah Gül. Sie war wegen ihres Kopftuch an der Universität abgewiesen worden und zog später die Klage zurück. Der Gerichtshof kam Ende Juni zu einem klaren Urteil und bestätigte die Rechtslage in der Türkei - das Verbot bedeute keine Verletzung der Glaubens- und Religionsfreiheit; der Staat habe das Recht, sich gegen fundamentalistische Strömungen zu wehren.

Nach der bemerkenswert deutlichen Straßburger Entscheidung hatte Erdogan dafür plädiert, das Kopftuchverbot zu lockern und auch Kopftuchträgerinnen die Möglichkeit einer akademischen Ausbildung zu geben. Das an staatlichen Universitäten verbotene Kopftuch könne zumindest an Privathochschulen erlaubt werden. Am Mittwoch sagte er allerdings, eine Änderung der türkischen Gesetze stehe "derzeit nicht auf der Tagesordnung". In der Türkei strebe man nach sozialer Aussöhnung und wolle Spannungen vermeiden.

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