Privathochschule Turbo-Student muss Semestergebühren nachzahlen

Studieren an einer Privathochschule kostet viel Geld. So weit, so normal. Allerdings gelang Marcel Pohl Erstaunliches: In knapp zwei Jahren schaffte er einen Doppel-Abschluss und stellte fortan das Gebührenzahlen ein. Nun entschied ein Gericht: Der Turbo-Student muss nachzahlen.

Von

Kein Nachlass für Turbo-Studenten: Marcel Pohl unterlag vor Gericht
DPA

Kein Nachlass für Turbo-Studenten: Marcel Pohl unterlag vor Gericht


Blitz-Student Marcel Pohl hat im Rechtsstreit um nichtgezahlte Studiengebühren gegen seine ehemalige Hochschule verloren. Das Amtsgericht Arnsberg entschied, dass Pohl trotz seines verkürzten BWL-Studiums an der privaten Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM) die gesamten Kosten tragen muss. Seine vorzeitige Kündigung des Studienvertrags sei nicht zulässig.

Pohl, 22, hatte im Team mit zwei Freunden Erstaunliches geleistet: Das auf sieben Semester angelegte Teilzeitstudium mit dem Ziel BWL-Bachelor gelang ihm mit Zustimmung der Studienleitung bereits nach zwei Semestern. Einen anschließenden Masterabschluss erreichte er in zwei statt der vorgesehenen vier Semester.

Daraufhin kündigte Pohl die Verträge mit der FOM. Seine monatlichen Ratenzahlungen von 295 Euro für den Bachelor-Studiengang und 350 Euro für den Master-Studiengang stellte Pohl im Spätsommer 2011 ein. Die FOM verlangte von dem Studenten nun eine Nachzahlung von insgesamt 2.580 Euro.

Pohl war der Auffassung, dass die Exmatrikulation der Fachhochschule (FH) nach seinem Abschluss einer Kündigung gleichkomme und er nun nicht mehr verpflichtet sei, weiter seine Raten zu zahlen. Die FOM beharrte dagegen auf den vertraglich vereinbarten Studiengebühren für das Bachelor- und Master-Studium, insgesamt 22.370 Euro.

Das Amtsgericht Arnsberg stellte jetzt fest: Die Hochschule und der Student hätten "keine Semestergebühren vereinbart, sondern einen verbindlichen Gesamtpreis". Der zuständige Richter wies auf die vertragliche Vereinbarung hin und machte deutlich, dass es ausschlaggebend sei, dem Studenten "die Gelegenheit zum Studium und zum Abschluss" zu geben.

Ausgeklügelten Lernplan verfolgt

Dass ein Student die Regelstudienzeit unterbietet, sei laut FOM in diesem extremen Ausmaß bisher noch nicht vorgekommen. "Wir freuen uns über jeden Studenten, der frühzeitig fertig ist, aber Verträge müssen eingehalten werden", sagt FOM-Rektor Burghard Hermeier. Man könne keine schnelleren Studenten bevorzugen.

Möglich wurde Pohls Blitz-Studium in einer Art Teamleistung, sagt der Schnell-Student. Gemeinsam mit zwei Freunden habe er einen ausgeklügelten Lernplan verfolgt: Tagsüber absolvierten die drei Freunde ihre Lehre, abends und am Wochenende besuchten sie Seminare an verschiedenen Standorten ihrer privaten Fachhochschule. Die Studenten rechneten sich aus, dass jeder von ihnen so nur ein Drittel der Kurse besuchen müsse.

Weil bei dem dualen Studiengang keine Anwesenheitspflicht besteht, absolvierte das eilige Trio in 20 Monaten 60 Prüfungen und sammelte je 300 Leistungspunkte. Auch das sah das Gericht als Beleg für die erbrachte Leistung der Privathochschule FOM: Der schnelle Abschluss sei nur deshalb möglich, weil die drei Prüfungen an verschiedenen Niederlassungen ablegen konnte. "Bei einer Beschränkung auf den Standort Dortmund hätte das Studium nicht in so kurzer Zeit absolviert werden können", heißt es in der Begründung des Gerichts.

Laut Pohl wollten die drei Freunde die Geschichte ihres außergewöhnlichen Studiums gemeinsam mit der privaten FH publik machen. Sie hätten der FOM angeboten, dass die Hochschule mit ihnen werben könne, sagt Pohl. Das habe die FOM jedoch abgelehnt, genauso wie das Angebot Pohls, als Dozent an der FH zu arbeiten.

"Es ist eine extreme Leistung, so schnell zu studieren, aber ich würde es nicht zur Nachahmung empfehlen", sagt FOM-Chef Hermeier. Ein Studium, das nur auf einen schnellen Erfolg ausgelegt sei, halte er für problematisch.

Erst ein Master, jetzt ein "Doctor"

Pohl ist sich sicher, bei seinem Express-Studium auch etwas gelernt zu haben. Dank "Schnell-Lern-Methoden" sei auch langfristig eine Menge hängengeblieben. Und eine wissenschaftliche Karriere plane er ohnehin nicht. Trotzdem besucht Pohl derzeit an der englischen University of Gloucestershire das berufsbegleitende DBA-Programm. Das Ziel: ein "Doctor of Business Administration", zu rund 4200 Euro Studiengebühren pro Jahr.

Auch hier gelte, wie für seinen Bachelor- und Master-Coup: Es geht immer um einen direkten Nutzen für den Beruf. Die Lehre hat Pohl mittlerweile beendet und arbeitet derzeit als Bankberater bei seinem ehemaligen Ausbilder. Nach dem Arnsberger Richterspruch kündigte Pohl an, er werde das schriftliche Urteil des Amtsgerichts Arnsberg abwarten und gegebenenfalls in Berufung gehen. Insgesamt schulde er der FOM nämlich rund 11.000 Euro Studiengebühren.

Hat das Urteil Bestand, könnte Pohl trotzdem um diese Schulden herumkommen. Nachdem die Hochschule nicht mit den Studenten werben wollte, suchten sie sich andere Wege und stießen beim Wirtschaftsmagazin "Brand Eins" auf Interesse. Dort erschien im März ein wohlwollender Artikel über den Kraftakt der drei Studenten.

Die Geschichte über ihren "Flotten Dreier" schickten die Freunde anschließend an mehrere Redaktionen, mit dem Hinweis, doch auch über ihr schnelles Studium zu berichten. Im Juli griffen mehrere Medien dann Pohls juristische Auseinandersetzung mit der FH um die ausstehenden Studiengebühren auf. Tenor der Texte: Ein Student wird fürs zu schnelle Studieren bestraft.

Pohl sagt, das positive Medienecho habe mehrere Unternehmer aus Arnsberg auf den Plan gerufen. Mindestens sechs private Spender böten an, Pohls Schulden bei der Fachhochschule zu übernehmen. Sollte es so kommen, will Pohl das Geld allerdings nicht annehmen. Gemeinsam mit seinen Freunden wolle er damit lieber eine Stiftung gründen - zur Förderung hochbegabter Studenten.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 289 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
matthias_b. 18.07.2012
1. Verständlich
So wie ich das verstanden habe, hat der Justin-Bieber-Gedenkfrisurträger ein Gesamtleistungspaket erworben, nämlich Bachelor und Master. Dass er so schnell war, hat damit nix zu tun. Oder ähnlich: Wenn ich im Restaurant ein 6-Gänge-Menü bestelle, aber darauf bestehe, dass sie alles gleichzeitig auftischen und dann auch alles durcheinander verschlinge, muss ich trotzdem den vollen Preis zahlen. Also, was will er dann?
zynik 18.07.2012
2. Leben im Karriereplaner
Zitat von sysopDPAStudieren an einer Privathochschule kostet viel Geld. So weit, so normal. Allerdings gelang Marcel Pohl Erstaunliches: In knapp zwei Jahren schaffte er einen Doppel-Abschluss und stellte fortan das Gebührenzahlen ein. Nun entschied ein Gericht: Der Turbo-Student muss nachzahlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,844928,00.html
Irgendwie finde ich derartige junge Menschen extrem bizarr und gruselig. Ob der junge Mann mal mit dem "echten Leben" in Kontakt gekommen ist?
aquarelle 18.07.2012
3. Wer lesen kann...
Auch hier gilt: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Dafür muss man nicht mal hochbegabt sein. Wenn ein Vertrag mit der FH geschlossen wurde, entlastet einen eben so ein Turbostudium nicht. "Laut Pohl wollten die drei Freunde die Geschichte ihres außergewöhnlichen Studiums gemeinsam mit der privaten FH publik machen. Sie hätten der FOM angeboten, dass die Hochschule mit ihnen werben könne, sagt Pohl. Das habe die FOM jedoch abgelehnt, genauso wie das Angebot Pohls, als Dozent an der FH zu arbeiten". Ich frag mich, was das für ein arroganter Pinsel ist. Als Dozent. Ja nee, ist klar. Geht manchmal eben nicht so, wie man sich das ausgedacht hat.
Ingmar E. 18.07.2012
4.
Zitat von matthias_b.So wie ich das verstanden habe, hat der Justin-Bieber-Gedenkfrisurträger ein Gesamtleistungspaket erworben, nämlich Bachelor und Master. Dass er so schnell war, hat damit nix zu tun. Oder ähnlich: Wenn ich im Restaurant ein 6-Gänge-Menü bestelle, aber darauf bestehe, dass sie alles gleichzeitig auftischen und dann auch alles durcheinander verschlinge, muss ich trotzdem den vollen Preis zahlen. Also, was will er dann?
Aufmerksamkeit. Ich stimme ihnen zu. Ich bin in der gleichen Situation wie der Milchbubi im Artikel, bezahle Studiengebühren und werde aller Vorraussicht nach deutlich schneller fertig werden. Aber deswegen brauch ich ja genau die gleichen Ressourcen wie ein langsamerer Student. Ich finds ziemlich frech was der macht. Schlau wäre es auch gewesen, das Studium nach der Ausbildung zu machen, weil man es dann von der Steuer absetzen könnte.
Turbofan1 18.07.2012
5. Also:
Zitat von sysopDPAStudieren an einer Privathochschule kostet viel Geld. So weit, so normal. Allerdings gelang Marcel Pohl Erstaunliches: In knapp zwei Jahren schaffte er einen Doppel-Abschluss und stellte fortan das Gebührenzahlen ein. Nun entschied ein Gericht: Der Turbo-Student muss nachzahlen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,844928,00.html
wenn der Herr doch BWL STUDIERT hat, sollte er doch auch ein klein wenig über Verträge mitbekommen haben, oder?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.