Schavans Doktorarbeit Plagiatsprüfung dauert noch Monate

Seit Monaten gibt es Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan - und es wird wohl noch Monate dauern, bis sie geklärt sind. Die Uni Düsseldorf meldet, man werde noch lange weiter prüfen, denn die Arbeit sei ein sehr aufwendiger Fall.

Bundesministerin Schavan (CDU): Hat sie wirklich abgeschrieben - und wie viel?
dapd

Bundesministerin Schavan (CDU): Hat sie wirklich abgeschrieben - und wie viel?


Hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben - und wenn ja, wie viel? Vermutlich werde es noch Monate dauern bis der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf darauf eine Antwort gibt. "Wir arbeiten mit Hochdruck", sagte ein Sprecher der Hochschule am Mittwoch. "Aber es dauert."

Vor 32 Jahren hatte Schavan ihre Promotion an der Uni Düsseldorf eingereicht. Über 300 Seiten schrieb sie zum Thema: "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung". Es sei sehr aufwendig, die über 30 Jahre alte Arbeit zu überprüfen, sagte der Sprecher. Viele Quellen seien in der Bibliothek nicht auf Anhieb verfügbar, sondern müssten einzeln bestellt werden. Das nehme viel Zeit in Anspruch.

Gegen die Arbeit tauchten Anfang Mai Plagiatsvorwürfe in dem Blog Schavanplag auf. Der aktuelle Stand der Vorwürfe: Auf 84 Seiten soll Schavan Übernahmen nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht haben. Wer hinter dem Blog steht, ist nach wie vor unklar. Der Initiator tritt unter dem Pseudonym "Robert Schmidt" auf.Er ist auch Mitglied bei den Plagiatsjägern von VroniPlag, die bereits etliche Doktorarbeiten von Politikern und Wissenschaftlern untersucht und dabei mehrere Plagiatoren überführt haben.

"Mit Anonymität kann ich nicht umgehen"

Die Uni Düsseldorf reagierte zunächst schnell auf die Vorwürfe, mit der Prüfung der Arbeit lässt sich der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät nun reichlich Zeit. Das Prüfgremium besteht aus sieben Mitgliedern, darunter Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Den Vorsitz hat Stefan Rohrbacher, Prodekan der Philosophischen Fakultät und einer von zwei Vorsitzenden des Fakultätsrats. Der Fakultätsrat entscheidet laut aktueller Promotionsordnung über die Ungültigkeit einer Promotion und das Entziehen eines Doktorgrads.

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Schavan im Prüfungsstress: "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen"
Schavan hat sich bislang nicht direkt zu den Vorwürfen geäußert. Sie hatte lediglich gesagt, sie wolle die Bewertung der Hochschule abwarten. Kurz nach Bekanntwerden des Verdachts sagte sie, sie wolle mit dem Urheber der Vorwürfe über ihre Doktorarbeit sprechen. Und schob hinterher: "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen."

fln/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
fjhdx 15.08.2012
1. Aussitzen
Das klingt nach feigem Aussitzen bis zur Bundestagswahl...
mr.verloc 15.08.2012
2.
Plagiate hin oder her, Frau Dr. Schavan hat sich anscheinend seinerzeit die Mühe gemacht, verschiedene Bibliotheken zu besuchen oder die Fernleihe zu benutzen. Respekt!
einsteinalbert 15.08.2012
3. bei anderen Schummlern
gings weitaus schneller . . . ruck-zuck und weg war Doktortitel. Frau Schavan weiss wohl ob sie getrickst hat oder nicht. Solange sie sich nicht einmal heimlich schämt . . . hält sie sich für unschuldig. Wie lange das wohl noch funktioniert ?
Vox libertatis 15.08.2012
4. “Mit Anonymität kann ich nicht umgehen.”
Anonymität ist ein wichtiger Faktor in der wissenschaftlichen Arbeit. Es gehört z.B. zum Prinzip von respektierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften, dass Beiträge anonym beurteilt werden, u.a. um Kungelei auf ein Minimum zu reduzieren. Wer damit nicht umgehen kann, sollte sich nicht im Wissenschaftsbetrieb tummeln. Vielleicht sollte Frau Schavan ihren Rücktritt erwägen.
peos 15.08.2012
5. Falsches Spiel wird gepielt
Frau Shavan hat Prof. Schuh an der RWTH-Aachen abgesägt, nachdem er sich für die CDU engagiert hat. Nun wird Druck auf die Uni Düsseldorf erzeugt, damit Ruhe bestehen bleibt. Das ist unehrenhaftes Vorgehen.
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