Ungläubiger Theologe Lehrstuhl bleibt verloren

Ein Professor, der sich offenkundig vom Glauben abgewendet hat, kann nicht mehr der theologischen Fakultät einer staatlichen Hochschule angehören. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht im Fall des Göttinger Theologen Gerd Lüdemann.


Der heute 58-jährige Lüdemann war 1983 an die Universität Göttingen berufen worden. 1998 bezeichnete er sich öffentlich als "nicht mehr Glaubender". In mehreren Veröffentlichungen sagte er sich vom christlichen Glauben los und bezeichnete die Auferstehung Jesu als "Humbug". Nach mehrjährigem Streit zwischen Lüdemann und der evangelischen Landeskirche Hannover entzog die Universität dem Theologen sein Fach "Neues Testament". Stattdessen bekam Lüdemann das Fach "Geschichte und Literatur des frühen Christentums", das für angehende Theologen und Religionslehrer kein Prüfungsfach ist.

Querdenker: Theologe Lüdemann
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Querdenker: Theologe Lüdemann

Lüdemann blieb mit seiner Klage gegen die Änderung seines Lehrauftrags in allen Instanzen ohne Erfolg. Die Professur an einer theologischen Fakultät sei ein "konfessionsgebundenes Amt", befanden die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig in ihrem Urteil (Aktenzeichen: BVerwG 2 C 31.04). Seinen Lehrstuhl für Neues Testament habe er zu Recht verloren. Lüdemann bleibt aber Professor, er darf weiterhin Doktoranden und Habilitanden betreuen.

Die theologische Fakultät diene "der Ausbildung des theologischen Nachwuchses der evangelischen Kirche wie auch der Vertiefung und Übermittlung von Glaubenssätzen", präzisieren die Richter. Hierzu seien nur Professoren mit "entsprechendem Bekenntnis" geeignet. Die Universität sei daher berechtigt, ihren Lehrbetrieb nach den Anforderungen der Kirche zu organisieren.

Kein Beleg für Auferstehung

In seinem Buch "Der große Betrug" schrieb Lüdemann, das Neue Testament sei nach Ergebnissen seiner Forschung nicht mehr als Grundlage für den Glauben geeignet. Er vertritt - wie andere Theologen vor ihm - die Auffassung, dass es keinen historisch haltbaren Beweis für die leibliche Auferstehung Jesu gebe, ein Affront gegen die Vertreter der traditionellen Auslegung.

Lüdemann hatte sich bei der Begründung seines Revisionsanliegens auch auf die Verfassung berufen. Sie garantiere jedem Deutschen, dass ihm wegen seines Glaubens keine Nachteile bei der Ausübung eines öffentlichen Amtes widerfahren dürfe.

Große Resonanz bei den Studenten findet der Fall Lüdemann nicht mehr. In seinen Veranstaltungen verliert sich meist nur eine Handvoll Hörer.

Berger darf weiter lehren

Im Fall des umstrittenen Neutestamentlers Klaus Berger zeigte sich dagegen die Universität Heidelberg kulant. Berger kann weiter an der evangelischen Fakultät der Universität Heidelberg lehren, obwohl er kürzlich zugegeben hatte, nie aus der katholischen Kirche ausgetreten zu sein. Die Universität sehe nach Prüfung des Sachverhalts keinen Anlass für dienstrechtliche Maßnahmen, teilte die Hochschule heute mit.

Berger sei 1968 in die evangelische Kirche eingetreten und habe zur Bestätigung am Abendmahl teilgenommen. Dies belege eine Urkunde des "Landeskirchenamtes der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate" vom November 1968.

"Ob und inwieweit dieser Übertritt von innerer Überzeugung getragen war und ob sich Professor Berger in seinem Innersten der römisch-katholischen Kirche noch immer verbunden fühlt, muss er mit seinem Gewissen, seinen Kollegen und seinen Studierenden abmachen", teilte die Hochschule mit. "Die Glaubwürdigkeit als akademischer Lehrer und Kollege kann und darf nicht Gegenstand dekanaler und rektoraler Aufsicht sein."

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