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06. November 2013, 17:36 Uhr

Plagiatsvorwurf

Uni Bochum stellt Verfahren gegen Lammert ein

Verfahren eingestellt: Die Uni Bochum wird kein Plagiatsverfahren gegen Norbert Lammert einleiten. Der Bundestagspräsident habe nicht betrogen, seine Arbeit weise lediglich handwerkliche Schwächen auf.

Die Universität Bochum wird kein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnen. Das beschloss das Rektorat der Hochschule auf der Grundlage einer eingehenden Prüfung, wie die Ruhr-Universität am Mittwoch mitteilte. "In der Dissertation finden sich zwar vermeidbare Schwächen in den Zitationen, die aber den Verdacht des Plagiats oder der Täuschung keineswegs rechtfertigen", heißt es in der Mitteilung.

Das Rektorat der Uni Bochum hatte endgültig in der vergangenen Woche entschieden, kein Verfahren gegen Lammert einzuleiten. Öffentlich gemacht hat sie diese Entscheidung aber erst an diesem Mittwoch, zuvor wurde Lammert informiert.

Ende Juli hatte ein anonymer Blogger mit dem Pseudonym "Robert Schmidt" verdächtige Stellen in der Doktorarbeit von Norbert Lammert veröffentlicht. Die Aufregung war groß, der Bundestagspräsident beteuerte, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben, er ließ seine Dissertation auf seiner Website veröffentlichen und bat die Uni Bochum um Prüfung der Vorwürfe.

Lammert wurde von den Vorwürfen damals völlig überrascht, er erfuhr erst durch eine Zeitungsanfrage davon. Politiker aller Parteien mahnten in der Folge zur Zurückhaltung und warnten vor Vorverurteilungen, neben Koalitionsabgeordneten auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck.

Die Uni Bochum teilte mit, die Entscheidung gründe sich auf dreierlei: Zum einen habe der zuständige Ombudsmann die Vorwürfe gegen Lammert geprüft. Zum anderen habe es eine juristische Überprüfung gegeben und zum dritten sei ein davon unabhängiges Gutachten eines externen Sozialwissenschaftlers eingeholt worden.

In der Mitteilung heißt es weiter: "Hinsichtlich der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis bewertet der Gutachter, ebenso wie der Ombudsmann, die nachweislichen Fehler in der Dissertation von Dr. Norbert Lammert als handwerkliche Schwächen." Eine Sprecherin kündigte an, es werde voraussichtlich noch ein ausführlicher Bericht zu den Vorgängen veröffentlicht.

Erst am Dienstag hatte die Uni Gießen einen anderen prominenten Politiker entlastet: Sie hat die Plagiatsvorwürfe gegen den SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zurückgewiesen. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, teilte die Uni mit.

Die Plagiatsvorwürfe gegen Steinmeier waren Ende September bekannt geworden. Auslöser war ein Bericht des Magazin "Focus", wonach der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz "umfangreiche Plagiatsindizien" in Steinmeiers Promotion ausfindig gemacht hatte.

fln/otr/dpa

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