Plagiatsvorwurf Uni Bochum stellt Verfahren gegen Lammert ein

Verfahren eingestellt: Die Uni Bochum wird kein Plagiatsverfahren gegen Norbert Lammert einleiten. Der Bundestagspräsident habe nicht betrogen, seine Arbeit weise lediglich handwerkliche Schwächen auf.

Norbert Lammert (CDU): Uni Bochum entlastet den Bundestagspräsidenten
DPA

Norbert Lammert (CDU): Uni Bochum entlastet den Bundestagspräsidenten


Die Universität Bochum wird kein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnen. Das beschloss das Rektorat der Hochschule auf der Grundlage einer eingehenden Prüfung, wie die Ruhr-Universität am Mittwoch mitteilte. "In der Dissertation finden sich zwar vermeidbare Schwächen in den Zitationen, die aber den Verdacht des Plagiats oder der Täuschung keineswegs rechtfertigen", heißt es in der Mitteilung.

Das Rektorat der Uni Bochum hatte endgültig in der vergangenen Woche entschieden, kein Verfahren gegen Lammert einzuleiten. Öffentlich gemacht hat sie diese Entscheidung aber erst an diesem Mittwoch, zuvor wurde Lammert informiert.

Ende Juli hatte ein anonymer Blogger mit dem Pseudonym "Robert Schmidt" verdächtige Stellen in der Doktorarbeit von Norbert Lammert veröffentlicht. Die Aufregung war groß, der Bundestagspräsident beteuerte, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben, er ließ seine Dissertation auf seiner Website veröffentlichen und bat die Uni Bochum um Prüfung der Vorwürfe.

Lammert wurde von den Vorwürfen damals völlig überrascht, er erfuhr erst durch eine Zeitungsanfrage davon. Politiker aller Parteien mahnten in der Folge zur Zurückhaltung und warnten vor Vorverurteilungen, neben Koalitionsabgeordneten auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck.

Die Uni Bochum teilte mit, die Entscheidung gründe sich auf dreierlei: Zum einen habe der zuständige Ombudsmann die Vorwürfe gegen Lammert geprüft. Zum anderen habe es eine juristische Überprüfung gegeben und zum dritten sei ein davon unabhängiges Gutachten eines externen Sozialwissenschaftlers eingeholt worden.

In der Mitteilung heißt es weiter: "Hinsichtlich der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis bewertet der Gutachter, ebenso wie der Ombudsmann, die nachweislichen Fehler in der Dissertation von Dr. Norbert Lammert als handwerkliche Schwächen." Eine Sprecherin kündigte an, es werde voraussichtlich noch ein ausführlicher Bericht zu den Vorgängen veröffentlicht.

Erst am Dienstag hatte die Uni Gießen einen anderen prominenten Politiker entlastet: Sie hat die Plagiatsvorwürfe gegen den SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zurückgewiesen. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, teilte die Uni mit.

Die Plagiatsvorwürfe gegen Steinmeier waren Ende September bekannt geworden. Auslöser war ein Bericht des Magazin "Focus", wonach der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz "umfangreiche Plagiatsindizien" in Steinmeiers Promotion ausfindig gemacht hatte.

fln/otr/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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jautaealis 06.11.2013
1. Recht so!
Und auch Frau Dr. Schavan gehört nun umgehend zur Gänze rehabilitiert... Alle drei – Lammert, Schavan, Steinmeier – sind jedenfalls über jeden Zweifel erhaben: Bereits mit einem kleinen Schuss Menschenkenntnis gepaart mit Beobachtungsgabe hätte dies klar erkannt werden können.......
gweihir 06.11.2013
2. Das ist ok so
Handwerkliche Schwaechen koennen passieren. Schliessliche ist fast jeder Doktorand Neuling und hat so etwas vorher nie gemacht. Praktisch alle wissen aber was erlaubt ist und was definitiv nicht, daher aber keine Gnade fuer Plagiatoren. Ein wichtiger Kontrollmechanismus ist, dass Doktorarbeiten veroeffentlicht werden muessen, und da sollte man heute eigentlich immer eine langfristig verfuegbare Veroffenlichung im Internet vorschreiben. Meine Arbeit, z.B. ist ueber meine Hochschule dauerhaft verfugbar und wird direkt von Google gefunden.
spon-1294658886485 06.11.2013
3. Alles sehr durchsichtig
Auch wenn Herr Lammert u.a. entlastet werden vom Vorwurf abgeschrieben zu haben,ist es doch erstaunlich dass nahezu sämtliche Doktorarbeiten irgendwie bemängelt werden Wi soll man denn verstehen wenn dann geurteilt wird mit,handwerklichen Schwächen,oder Zitierfehler oder wohlwollend auf zu wenig oder mangelhafte Herkunftshinweise beurtelt wird. Offensicht lich ist bei der Abfassung der Doktorarbeiten in sehr vielen Fällen zumindest vorsichtig ausgedrückt,geschlampt worden. Jeder Elektriker oder Schornsteinfegermeister würde solch eine mangelhafte Arbeit um die Ohren geklopft bekommen. Beim Doktortitel wird dagegen großzügig und wohlwollend geurteilt !
PriseSalz 07.11.2013
4. Sehr wissenschaftliche Aussage...
"Und auch Frau Dr. Schavan gehört nun umgehend zur Gänze rehabilitiert... Alle drei – Lammert, Schavan, Steinmeier – sind jedenfalls über jeden Zweifel erhaben: Bereits mit einem kleinen Schuss Menschenkenntnis gepaart mit Beobachtungsgabe hätte dies klar erkannt werden können......." 6. setzen. Oder war das ironisch gemeint? Und zu "Schliessliche ist fast jeder Doktorand Neuling und hat so etwas vorher nie gemacht." kann ich nur sagen: Nie eine Seminararbeit gemacht, Diplomarbeit? Wenn man es da nicht gelernt hat, sollte man allerdings nochmal die Lehrtauglichkeit der Profs überprüfen.
DonMcM 07.11.2013
5. zu Guttenberg ebenfalls rehabilitiert
Auch Herr von und zu Guttenberg hatte bereits eine Privataudienz bei Frau Großkanzlerin Murksel zum Zwecke der wohl bevorstehenden Rehabilitierung. Ist gar eine Generalamnes(t)ie für alle Politikdoktoren in Vorbereitung?
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