Uni Eichstätt Gewählter Präsident tritt Amt nicht an

Es sollte das Ende eines turbulenten Jahres werden - doch die KU Eichstätt-Ingolstadt steht erneut ohne Präsident da: Der Anfang Mai gewählte Reinhard Hütter wird sein Amt nicht antreten. Die katholische Kirche in Bayern wollte seine Bedingungen nicht erfüllen.


Der erst vor drei Wochen neu gewählte Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Reinhard Hütter, tritt sein Amt völlig überraschend nicht an.

Das teilte die Freisinger Bischofskonferenz als Träger der Universität mit. Man habe "trotz Gesprächen im Vorfeld keine Einigkeit über die Bedingungen für das Kommen Hütters erzielt". Die Pressemitteilung der Bischofskonferenz wurde auch auf der Internet-Seite der KU Eichstätt-Ingolstadt veröffentlicht.

Der gewählte Präsident Reinhard Hütter soll zu viel gefordert haben
Scott Faber

Der gewählte Präsident Reinhard Hütter soll zu viel gefordert haben

"Das war eine Überraschung für die Hochschule", sagte ein Unisprecher SPIEGEL ONLINE. Hütter war am 6. Mai 2009 vom KU-Hochschulrat mit 13 von 16 Stimmen gewählt worden. Der Sprecher sagte weiter, dass sich der Hochschulrat am 4. Juni mit dem weiteren Vorgehen befassen werde. Der Katholischen Universität gelingt es seit rund einem Jahr nicht, einen neuen Präsidenten zu finden.

Die Absage Hütters sei ein "Desaster", sagte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" . "Die Gründe ergeben kein stimmiges Bild", sagte der Bischof und verwies auf "exzellente" Referenzen für den Kandidaten.

Die Freisinger Bischofskonferenz habe "die von Hütter verlangten persönlichen Konditionen nicht akzeptieren" können - und zwar "zum Schutz der KU", hieß es in der Mitteilung. Zu den Konditionen hätten "weitgehende Pensionsforderungen" und die Errichtung eines Stiftungslehrstuhls gehört, der dem 50-jährigen Hütter "nach einem Ablauf der Präsidentschaft bis zu seiner Emeritierung garantiert werden sollte". Das hätte laut Bischofskonferenz "massive Auswirkungen auf die finanziellen Ressourcen der gesamten Universität gezeitigt".

Eichstätter Bischof legte Veto gegen Kandidaten ein

Nach Angaben der Bischofskonferenz ist nun eine Neuwahl des Präsidenten erforderlich. Bis zu diesem Wahlverfahren müsse die Position erneut interimistisch besetzt werden, hieß es.

Der Theologe Hütter war am Montagnachmittag für SPIEGEL ONLINE nicht zu erreichen. Er lehrt derzeit an der Duke University in Durham (USA) und ist Vizepräsident der Academy of Catholic Theology.

Vor fast genau einem Jahr hatte der Eichstätter Bischof Hanke die Ernennung von Ulrich Hemel zum neuen Präsidenten mit seinem Veto verhindert. Der Theologe und frühere Top-Manager war zuvor vom Hochschulrat mit einer klaren Mehrheit gewählt worden.

Vor dem Nein von Hanke war bekanntgeworden, dass der Vatikan Hemel ablehnt. Hemels Privatleben - der Theologe ist zum dritten Mal verheiratet - und seine kritische Haltung zu Papst Benedikt XVI. wurden als Hintergrund des Widerstands vermutet. Hemel kritisierte im Interview mit SPIEGEL ONLINE, man habe ihm keine Gründe genannt und ohnehin "gar keine Chance gelassen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen".

Bischof Hanke weitete nach seinem Veto gegen Hemel sein Mitbestimmungsrecht an der KU auch offiziell aus: Bei jeder künftigen Präsidentenwahl sicherte er sich ein indirektes Vorauswahlrecht - er darf die Liste der Kandidaten einsehen und Namen streichen. Der Hochschulrat stimmte zu.

Katholische Kirche will durchregieren

Kurz nach der gescheiterten Kandidatur Hemels wurde der bisherige Kanzler der Universität, Gottfried Freiherr von der Heydte, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Senatsvorsitzende Maximilian Fuchs trat daraufhin von seinem Amt zurück.

Im November sorgten die bayerischen Bischöfe für erneuten Streit an der Universität: Zwar kündigten sie an, jährlich zusätzlich 1,3 Millionen Euro zu den regulären Haushaltsmitteln in die Kasse der Universität fließen zu lassen. Zugleich kündigte Bischof Hanke jedoch an, den Einfluss der katholischen Kirche auf die Hochschule auszuweiten - was auf harsche Kritik von Studenten und Lehrenden stieß. Die Bischöfe wünschen sich eine stärkere Profilierung der Hochschule als katholische Bildungseinrichtung: "Dieses Profil meint nicht nur das Konfessionelle", sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Vielmehr bedeute diese Profilierung, "aus dem Horizont des christlichen Glaubens heraus" Wissenschaft zu betreiben.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ist einzigartig im deutschen Sprachraum. Die Hochschule hat acht Fakultäten; derzeit werden rund 50 Fächer gelehrt. Die etwa 4600 Studenten werden von 120 Professoren und mehr als 200 wissenschaftlichen Mitarbeitern betreut. Die Universität wird zu etwa drei Vierteln vom Land Bayern, zu einem Viertel von den bayerischen Bischöfen finanziert.

bim/dpa

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