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10. Mai 2011, 16:41 Uhr

Uni fordert Stellungnahme

Es wird eng für Silvana Koch-Mehrin

Die Uni Heidelberg macht ernst mit Silvana Koch-Mehrin: Die Hochschule hat die Spitzenpolitikerin aufgefordert, sich zu ihrer umstrittenen Doktorarbeit zu erklären. Der Verdacht, dass die Liberale in erheblichem Umfang unsauber gearbeitet habe, hat sich offenbar erhärtet.

Der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin droht offenbar der Verlust ihres Doktortitels, den sie an der Uni Heidelberg erworben hat. Das berichtet der "Tagesspiegel" unter Berufung auf nicht näher genannte Informanten aus der Universität.

Die Uni Heidelberg prüft derzeit die Doktorarbeit der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments auf Plagiate und hatte Koch-Mehrin "vor kurzem" zu einer Stellungnahme aufgefordert, sagte Universitätssprecherin Marietta Fuhrmann-Koch SPIEGEL ONLINE.

Ob die Uni die Entziehung des Titels anstrebe, wollte Fuhrmann-Koch nicht bestätigen, eine Anhörung des beschuldigten Promovenden gehöre zum normalen Verfahren, auch wenn diese "nicht zwingend" sei. Koch-Mehrin habe nun drei bis vier Wochen Zeit, sich dem Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät zu erklären.

An der Universität soll sich der Verdacht erhärtet haben, dass Koch-Mehrin bei ihrer Dissertation mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" wissenschaftlich unsauber gearbeitet hat. Mehrere festgestellte Plagiate in der wirtschaftsgeschichtlichen Arbeit Koch-Mehrins würden als erheblicher Regelverstoß gewertet, berichtet der "Tagesspiegel".

Laut eines Zwischenberichts der anonymen Plagiatsjäger der Internetplattform VroniPlag Wiki, die seit einigen Wochen auch die Dissertation der FDP-Politikerin nach Plagiaten durchsuchen, soll Koch-Mehrin in ihrer Dissertation nicht nur unsauber gearbeitet, sondern getäuscht haben. Auf mehr als einem Viertel der Seiten seien Textstellen zu finden, bei denen die Quellen nicht korrekt angegeben wurden.

Ihr Brüsseler Büro teilte mit, Koch-Mehrin werde auch weiter keine Stellungnahme abgeben. Ihr Sprecher verwies erneut auf die Universität und die dort zuständigen Gremien.

cht

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