Doktorandin vor Gericht "Sie sind ein Arschloch, Herr Professor"

Beleidigungen, Drohungen, Hausfriedensbruch: Weil sie in der Sprechstunde ihres Professors ausgerastet sein soll, steht eine Doktorandin in Frankfurt vor Gericht.

Professor und Studentin (Archivbild)
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Professor und Studentin (Archivbild)


Die Wortwahl war drastisch - dabei sollte es um eine mögliche Zusammenarbeit gehen: Als ein Heidelberger Professor eine potenzielle Doktorandin zum Gespräch empfing, eskalierte die Situation. Die Absolventin der Uni Frankfurt sei ausfällig und aggressiv geworden, und der Altphilologe habe sich so sehr bedroht gefühlt, dass er sich hinter seinem Schreibtisch verbarrikadierte, berichtet die "Frankfurter Neue Presse".

Seit Mittwoch steht die 32-jährige Doktorandin deshalb vor dem Frankfurter Amtsgericht. Angeklagt ist sie wegen Beleidigung und Hausfriedensbruchs; sie selbst streitet die Vorwürfe ab. Dass sie bei der Suche nach einem Doktorvater "die Grenzen eines zivilisierten Gesprächs überschritten" habe, wie es der Professor als Zeuge schilderte, sei eine Übertreibung und möglicherweise auf Missverständnisse zurückzuführen.

Mittel- oder Zeigefinger?

Das sieht der Hochschullehrer anders. Trotz mehrmaliger Aufforderung habe die ausfällige Studentin sein Zimmer minutenlang nicht verlassen, später sei sie erneut in die Sprechstunde gestürmt und habe ihn massiv beleidigt: "Sie sind ein Arschloch, Herr Professor!" Dazu habe sie den gestreckten Mittelfinger gezeigt, heißt es in dem Bericht.

Stimmt nicht, es habe sich lediglich um den "pädagogischen Zeigefinger" gehandelt, sagt die Angeklagte. Den habe sie erhoben, weil der Professor sie vorher angeschrien habe: "Raus!" Im Übrigen haben sich der Hochschullehrer unhöflich verhalten, indem er mehr als 20 Minuten privat telefoniert habe, während sie auf die Gelegenheit wartete, ihr Anliegen vorzubringen.

Weil der Richter den Antrag abgelehnt hatte, einen damals auf dem Flur wartenden Studenten als Zeugen zu laden, hat der Verteidiger der 32-Jährigen einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt. Bis darüber entschieden ist, bleibt die Verhandlung unterbrochen. Wird dem Antrag nicht stattgegeben, geht das Verfahren am 5. Juli weiter.

him

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Synek 22.06.2016
1. Damit beschäftigen sich Gerichte...
Wer mit solche Bagatellen Gerichte beschäftigt, sollte eigentlich zu ner Strafzahlung verdonnert werden. War die Studentin wirklich ausfallend, soll der Prof halt jede weitere Zusammenarbeit einstellen, er sitzt da eh am längeren Hebel. Die Beleidigungen schluckt man als Mann runter und fertig. In meiner Studienzeit sind mir so gut wie keine unfreundlichen Dozenten untergekommen, die waren eigentlich immer freundlich und bemüht mir weiterzuhelfen. Einziges Problem ist halt wirklich, dass man gerade bei Professoren Wochen, teilweise Monate, im Voraus ein Sprechstundentermin reservieren muss.
dgs 22.06.2016
2. Wohl in der gleichen Verbindung
Es hat ein Geschmäckle, dass der Richter den auf dem Flur wartenden Zeugen nicht vorlud. Vielleicht ist der Professor ja in der gleichen Verbindung wie der Richter. In solchen Fällen ist Justitia nicht mehr blind...
Clownsyndrom 22.06.2016
3. Beides möglich...
Meine Frau arbeitet auch an einer Uni (allerdings nicht als Professorin). Wenn sie mir Abends manchmal erzählt, was am Tag wieder so gelaufen ist, kommt man nur zu einem Schluß: ca. 60 % der Professoren sind zickenhafte Diven. Die Möglichkeit, daß sich auch die Studentin daneben benommen hat, besteht selbstredend auch. Da scheinen sich dann zwei so richtig hochgeschaukelt zu haben. (Oder wie der Ami sagt: It takes two to Tango)
tsitsinotis 22.06.2016
4. Richtig und straffrei ist die Formulierung:
"In meinen Augen sind Sie ein Arschloch, Herr Professor".
cbgv 22.06.2016
5.
auch wenn hier anscheinend die Doktorantin ein Aggressionsproblem hat, gibt es in Deutschland genügend Professoren an Unis die pädagogisch ungeeignet für ihren Job sind. In der Uni Leipzig im bereich der Veterinärmedizin gibt es eine Professorin, die sich in jedem Semester ein paar Studenten rauspickt, um diese dann bei jeder Möglichkeit vor dem gesamten Kurs zu diffamieren. Natürlich wegen völligen Belanglosigkeiten. Ein anderer Professor ist ein wahrer Choleriker der schon öfters ermahnt wurde. Die Leitung hält natürlich zu ihnen. Die Studenten haben dann das Vergnügen mit diesen Personen.
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