Rassistische Tweets Studenten stören Übung von umstrittenem Leipziger  Professor

Zwei Studenten haben eine Veranstaltung des Leipziger Juraprofessors Thomas Rauscher unterbrochen. Mit ihrer Aktion wollen sie auf dessen rassistische Äußerungen aufmerksam machen.

Uni Leipzig
imago/Schöning

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Der Protest gegen den Leipziger Juraprofessor Thomas Rauscher nimmt zu. Am Donnerstag störten Studenten eine seiner Veranstaltungen. Auf dem Programm stand seine Übung "BGB für Fortgeschrittene", doch die konnte er zunächst nicht abhalten. Zwei Studenten hatten sich bereits vor seiner Ankunft im Hörsaal vorn ans Rednerpult gestellt und lasen die Tweets des Professors vor. Zugleich warfen sie die rassistischen Äußerungen per Beamer an die Wand des Hörsaals.

Rauscher hatte unter anderem getwittert "Je suis Pegida" und "Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben."

Von der Aktion gibt es ein wackeliges Handyvideo. Der sozialistisch-demokratische Studierendenverband (SDS) hat es auf seine Facebook-Seite gestellt. Darauf zu sehen ist, wie Studenten Flyer verteilen und wie Rauscher zunächst sagt: "Ich weiß, was an Hass und Wut gegen mich läuft."

Zunächst will Rauscher Gebrauch von seinem Hausrecht machen und fordert die Studenten mehrfach auf, den Saal zu verlassen. Als die anderen Studenten daraufhin verlangen, den Redebeitrag der zwei Aktivisten zu hören, lässt Rauscher sie gewähren. Er fügt hinzu, er habe nicht vor, "körperliche Gewalt auszuüben". Die beiden Studenten lesen die Tweets schließlich vor und kommentieren sie. Seit einigen Tagen steht Rauscher wegen seiner Veröffentlichungen wieder vermehrt in der Kritik.

Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, hatte zuvor empört auf die rechtspopulistischen Äußerungen des Professors reagiert. Stange schrieb auf Twitter: "Sachsens Hochschulen sind weltoffen und international. Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf." Rauscher lehrt Jura an der Universität Leipzig.

Der Professor ist an der Universität Leipzig seit Längerem heftig umstritten. Bereits 2016 äußerte sich Uni-Rektorin Beate Schücking kritisch. "Die Universität Leipzig steht für Weltoffenheit und Toleranz. Wir stellen uns entschieden gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut", heißt es in einem Statement auf der Homepage der Universität.

Konsequenzen für den Juraprofessor gab es bislang nicht. Allerdings teilte die Uni Leipzig am Mittwoch mit, dienstrechtliche Schritte prüfen zu wollen. Sein Twitteraccount wurde inzwischen gelöscht.



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