Libeskind-Prachtbau in Lüneburg Wer soll das bezahlen?

Ein Prachtbau von Stararchitekt Daniel Libeskind soll in Lüneburg entstehen, doch die Leuphana-Uni erntet erneut Kritik wegen des Prestigeprojekts: Rechnungsprüfer stellen das Finanzkonzept der Hochschule in Frage - und werfen ihr vor, Informationen zurückzuhalten.

Raumschiff für die Heide: Wie lässt sich der Libeskind-Bau finanzieren?
Leuphana / DPA

Raumschiff für die Heide: Wie lässt sich der Libeskind-Bau finanzieren?


Ja, sie sind stolz an der Uni Lüneburg, stolz auf ihr neues Zentralgebäude, das gerade gebaut wird und von Daniel Libeskind entworfen wurde: Auf der Uni-Internetseite weist ein Porträtfoto des Architekten den Weg zu Plänen, Grafiken und Bildern von der Baustelle. Wir dokumentieren den Fortschritt in aller Offenheit, das soll die Botschaft sein, alles ganz transparent und nachvollziehbar.

Der Landesrechnungshof von Niedersachsen findet das Verhalten der Uni allerdings nicht ganz so transparent: Erneut kritisierte er jetzt das aus seiner Sicht undurchsichtige Finanzierungskonzept für den Prachtbau sowie eine mangelnde Auskunftsbereitschaft der Hochschule dazu.

Damit geht der Streit um den Prachtbau in der Provinz in eine weitere Runde. Das Projekt war von Beginn an umstritten: Studentenvertreter nannten es "nicht zweckmäßig", Landespolitiker hielten es für ein Luftschloss, immer wieder gab es Kritik an der Finanzierung. Zwischenzeitlich drohte der Bau sogar am Tierschutz zu scheitern: Vogelfreunde hatten auf dem Campus zwei Haubenlerchen-Pärchen entdeckt, eine akut vom Aussterben bedrohte Vogelart.

Im aktuellen Jahresbericht des Landesrechnungshofs heißt es jetzt: "Einzelne Teile der Baufinanzierung des Zentralgebäudes der Leuphana Universität Lüneburg erscheinen nicht vollständig gesichert." Konkret geht es um die Mischfinanzierung, die vorsieht, dass die rund 57 Millionen Euro für den Bau vor allem von folgenden Geldgebern kommen: vom Land Niedersachsen (21 Millionen), von der EU (10 Millionen), von der Stadt und vom Landkreis Lüneburg (7 Millionen) und von der Uni selbst (15 Millionen).

Wer mietet sich nachts in einer Uni ein?

Die Prüfer zweifeln, ob die Uni wirklich ihren Eigenanteil aufbringen kann. Die Hochschule will unter anderem zwei Grundstücke verkaufen und ihr Audimax als Veranstaltungsort vermieten - und so Geld beschaffen. Der Rechnungshof glaubt allerdings nicht recht, dass die Grundstücke für den von der Uni erhofften Betrag verkauft werden können - schließlich stammten die Gutachten dazu aus den Jahren 2008 und 2010. Und die Prüfer bemängeln, dass im Vermietungskonzept "in größerem Umfang auch Nachtstunden einbezogen" wurden.

Die Uni hingegen weist die Bedenken zurück. Der regionale Immobilienmarkt entwickle sich gut, so dass der Wert der zu verkaufenden Grundstücke sogar noch steigen könnte, teilte Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff mit. "Dass der erwartete Verkaufserlös realistisch ist, zeigen im Übrigen auch wiederholte Anfragen von Kaufinteressenten bei der Universität."

Zur Nachtvermietung des Gebäudes teilt der Sprecher mit: Marktanalysen hätten gezeigt, dass es eine entsprechende Nachfrage gebe. Bei Veranstaltungen müssten auch Auf- und Abbau berücksichtigt werden. "Die benötigte Zeit für den Abbau nach Abendveranstaltungen erstreckt sich üblicherweise bis in die Nacht hinein."

Die Rechnungsprüfer kritisierten außerdem, die Hochschule würde nicht transparent über das Bauvorhaben informieren. Unter der Überschrift "Hochschule ignoriert Auskunftspflicht gegenüber dem LRH" bemängeln sie, dass die Hochschule mehrfach Nachfragen des Rechnungshofs nicht ausreichend beantwortet und stattdessen an das Wissenschaftsministerium in Hannover verwiesen habe. Vom aktuellen Finanzierungskonzept habe man erst aus der Presse erfahren. Die Uni wiederum bestreitet das und gibt an, alle angeforderten Informationen zur Verfügung zu stellen.

Der Libeskind-Bau ist ein Prestigeprojekt, Teil eines Plans, mit dem Uni-Präsident Sascha Spoun und sein Stellvertreter Holm Keller die Hochschule neu erfinden wollen. Der eine war beim Amtsantritt 2006 mit 36 Jahren der jüngste Uni-Chef Deutschlands, der andere arbeitete früher bei McKinsey und Bertelsmann. Eine Elite-Akademikerschmiede wollen sie aus der Provinz-Uni machen, die hervorgegangen ist aus einer Fachhochschule und einer Pädagogischen Hochschule. Eine Werbeagentur steuerte sogar einen neuen Namen bei: Leuphana, so nennt sich die Uni seit einigen Jahren.

otr

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
roostercockburn 07.06.2012
1. Wo ist das Problem?
Solange wir für faule Kredite unserer europäischen Freunde einspringen dürfen, solange können wir auch in die Bildung unserer Jugend und in die Zukunft unserer Stadt investieren.
gruenbonz 07.06.2012
2. Architektur statt Forschungspotenz
Zitat von sysopLeuphana / DPA Ein Prachtbau von Stararchitekt Daniel Libeskind soll in Lüneburg entstehen, doch die Leuphana-Uni erntet erneut Kritik wegen des Prestige-Projekts: Rechnungsprüfer stellen das Finanz-Konzept der Hochschule in Frage - und werfen ihr vor, Informationen zurückzuhalten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,837511,00.html
so kann man als drittrangige UNI auch bekannt werden, indem man architektonische Glanzlichter setzt. Wer kennt sonst schon "Leuphania"?
08-15heini 07.06.2012
3. Mein Lieblingsthema,
gegen die Wand gefahrene Großprojekte. Angesichts der Elbphilharmonie und des Berliner Flughafens kann es nur eine Reaktion geben. "Beim kleinsten Zweifel - gegen das Projekt". Die meisten Visionäre aus der freien Wirtschafterszene haben die Tendenz sich maßlos zu überschätzen. Sie werden es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen vergeigen. Selbst bei realisierten Projekten fällt die Bilanz nach zwei,drei Jahren oft absolut mangelhaft aus und der Ruf nach der ÖH wird laut. Die hat dann den Klotz am Bein. Außnahme: ECE, die scheinen es zu können.
Treborsson 07.06.2012
4. Wie förderlich
sollen, verdammt noch mal, diese schweineteueren Bauphantasien für wen oder was denn nun sein? Es sollte wohl wichtigeres zu finanzieren geben. Oder? Herren Akademiker? Neu erfinden müssen Sie offensichtlich nur die Denkweise über sich.
vlupme 07.06.2012
5.
Zitat von roostercockburnSolange wir für faule Kredite unserer europäischen Freunde einspringen dürfen, solange können wir auch in die Bildung unserer Jugend und in die Zukunft unserer Stadt investieren.
Niemand verneint das gute Ausbildungsmöglichkeiten eine gute Investition sind, nützlich und preiswert sollte es aber schon sein.
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