Uni-Noten im Vergleich Wie gut ist Ihr Abschluss?

Ob die Note "befriedigend" okay ist, hängt vom Studienfach ab. Ein Jurist kann damit gut leben, ein Geisteswissenschaftler eher nicht. Und Sie? Testen Sie, wie gut ihr Abschluss im Vergleich ist.

Ein Blick auf die Abschlussnote
Getty Images

Ein Blick auf die Abschlussnote

Von


Keine Angst vor schlechten Noten! Diesen Rat bekommen viele Erstsemester zum Studienbeginn. Denn wer studiert, gehörte in der Schule meistens zu den Besten - könnte aber nach den ersten Ergebnissen an der Hochschule ernüchtert sein.

Doch keine Sorge: Studieren Sie Psychologie, Pädagogik, Germanistik? Dann haben Sie blendende Aussichten, am Ende Ihres Studiums wieder voll im grünen Bereich zu landen! Das Statistische Bundesamt erhebt jährlich alle Uni-Abschlussnoten - und Sie können hier Ihre eigenen Ergebnisse mit denen der 20 beliebtesten Studienfächer vergleichen.

Ist Psychologie einfacher als Maschinenbau?

Wählen Sie Ihr Fach und Ihre Note aus

Das Vergleichstool bestätigt so manche Vorurteile: Während Geisteswissenschaftler in einigen Fächern, etwa Pädagogik, eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, mindestens mit einem "gut" abzuschließen, schneidet jeder zweite Bauingenieur oder Wirtschaftswissenschaftler im Bachelor mit "befriedigend" oder schlechter ab. Woran liegt das?

Eine Erklärung für die unterschiedlich strenge Benotung könnten die Zulassungsbedingungen sein: Während bei der Aufnahme von Psychologiestudenten schon mithilfe des Numerus Clausus gesiebt wird, können auch Abiturienten mit einem Dreierdurchschnitt Maschinenbau studieren. Tatsächlich fielen 2014 fast 12 Prozent aller Maschinenbaustudenten im Bachelor durch - bei den Psychologen waren es nur 2,3 Prozent.

Prüfung in der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität
DPA

Prüfung in der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität

Natürlich unterscheiden sich diese Fächer fundamental in ihrem Wesen: Während Fehler die Studenten in naturwissenschaftlichen Fächern scheitern lassen könnten, sei der Umgang mit den Kategorien "wahr" und "falsch" in den Geisteswissenschaften ganz anders, erklärt Mandy Gratz vom Dachverband der Studierendenvertretungen fzs: "Nicht selten geht es in den ersten Semestern darum, sich mit Themen wie Wahrheit auseinanderzusetzen und sich dem Gegenstand der eigenen Wissenschaft aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern." Kurz gesagt: In den Geisteswissenschaften geht es eher um Argumentation und Theorien als um mathematische Fakten.

Der entscheidende Grund für die unterschiedlichen Abschlussniveaus liegt wohl in der Bewertungskultur der jeweiligen Studienfächer. Bestes Beispiel dafür sind die Rechtswissenschaftler: Alle Abschlüsse mit vollbefriedigend oder besser gelten als Prädikatsexamina. Dementsprechend schafften 2014 sogar 85 Prozent aller Absolventen höchstens ein befriedigend oder ausreichend . "Die Juristen haben ihr tradiertes Selbstbewusstsein behalten", sagt Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband. "Das spiegelt sich in den strikteren Noten wider." Die Studentenvertreter kritisieren das: Die harsche Benotung nennt Mandy Gratz "fatal", weil sie während des Studiums für Stress und Druck sorge und anschließend noch lange einen großen Einfluss auf die beruflichen Möglichkeiten der Absolventen habe.

Alles wird gut - und besser

Mit der harschen Bewertungspraxis bilden Juristen aber eine Ausnahme. Seit Jahren bemängelt etwa der Wissenschaftsrat die Tendenz zur Bestnote an deutschen Unis. So wurden 2014 von allen Abschlussprüfungen in den 20 beliebtesten Fächern fast drei Viertel mit gut oder besser bewertet. "Da ist einiges verrutscht und bedarf dringend einer Korrektur", sagt Matthias Jaroch.

Wenn es für die Studenten Einsen und Zweien regne, verlören die Noten nämlich ihre Aussagekraft. So wie in den Masterstudiengängen: In 15 von 18 Fächern bekamen sogar 90 Prozent der Absolventen ein gut oder besser. Gar nicht schlimm findet das Studierendenvertreterin Gratz: "Gute oder sehr gute Abschlussnoten sagen nichts über den Schwierigkeitsgrad eines Studienfachs aus." Gerade wenn es für Fächer hohe Zulassungsbedingungen gegeben habe, seien die guten Noten doch eine Bestätigung, dass die qualifiziertesten Personen auch einen Studienplatz bekommen hätten.

Die Gegner guter Noten befürchten, dass Professoren ihre Studenten nicht mehr nach der wahren Leistung bewerten, sondern mit haufenweise Einsen und Zweien den Weg des geringsten Widerstands gehen. Experten fordern deshalb von den Profs schon seit Jahren: Nutzt das gesamte Notenspektrum aus - sonst verliert die Benotung an Wert.

Tool: Dawood Ohdah



insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
don_sebi 10.10.2016
1.
Wäre ganz nett, wenn man die angesprochenen Jura-Noten auch auswählen könnte...
marthaimschnee 10.10.2016
2. die Qualität der Ausbildung hat offensichtlich drastisch abgenommen
Wenn ich an mein Studium ETechnik zurückdenke, als es noch Diplom gab, da waren zwei Drittel der Abschlüsse befriedigend oder ausreichend, sehr gut oder besser nichtmal 10%. Wenn man jetzt den Master vergleicht (sorry, aber der Bachelor ist mit einem Diplom nunmal nicht vergleichbar), dann sollen da jetzt nur noch 10% sein, das heißt doch zwangsläufig, daß dort deutlich besser benotet oder deutlich weniger Leistung gefordert wird, als früher. Denn daß die Studenten in dem Maße besser geworden sein sollen, ist nicht nur unwahrscheinlich, das ist lächerlich! Insofern ist es kein Wunder, daß die meisten Diplom-Ingenieure sich selbst mit Note 3 oder 4 über dem Master stehen sehen und ihr Diplom auf keinen Fall eintauschen würden.
Ryker 10.10.2016
3. Wären sie nur Schall und Rauch...
Sind sie aber leider nicht. Ich selbst bin Jurist und habe zwei "befriedigende" Examina. Meinen Job (Staatsdienst), den ich m. E. recht gut und erfolgreich mache, habe ich nur durch günstige Fügung (zur rechten Zeit am rechten Ort!) bekommen können. Wenn ich mich heute auf einen vergleichbaren Posten bewerben würde, hätte ich keine Chance, trotz fest 10jähriger Berufserfahrung. Ohne zweimal "vollbefriedigend" würde der Rest der Bewerbung gar nicht gelesen. Unser "strenges" Bewertungssystem finde ich grundsätzlich gut, da es eine genauere Differenzierung erlaubt. Aber der Kult, der um diese Note getrieben wird, ist gerade bei den Juristen geradezu absurd.
hador2 10.10.2016
4. Unsinn...
Die Benotung eines Universitätsabschlusses ist (zumindest im Fachbereich Physik) meist Unsinn oder bestenfalls reiner Selbstzweck. Vergleichbar ist sie zwischen Unis nicht (gibt welche mit Schnitt 1,1 über alle Studenten und welche mit 2,5). Wichtig ist sie lustigerweise auch fast nur bei der Bewerbung an anderen Unis...Sei es für den Master oder die Promotion. Danach ist die Note bestenfalls noch für den ersten Job wichtig, ab da interessiert sich niemand mehr dafür. Und ja ich habe in einem großen Unternehmen Personalverantwortung und schon einige Einstellungen getätigt.
dasbeau 10.10.2016
5. Jura-Noten
Bei den Juristen fehlt die Note "vollbefriedigend", oder haben Sie diese kurzerhand zu "befriedigend" hinzugezählt? Dies wäre falsch, denn das sog. "VB" ist eine komplette eigenständige Note zwischen "gut" und "befriedigend". "Mit Auszeichnung" hingegen ist wiederum keine eigene Note.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.