Uni Oxford gegen Brexit-Folgen Britischer Campus in Paris

Frankreich wirbt und schmeichelt, Oxford zeigt sich interessiert: Mit einem extraterritorialen Campus in Paris will die britische Elite-Uni die Brexit-Folgen umgehen.

Traditionsuniversität Oxford
AP

Traditionsuniversität Oxford


700 Jahre Tradition sind das eine, die Zukunftsaussichten im Hinblick auf den EU-Austritt das andere: Die britische Elite-Universität Oxford plant, in der französischen Hauptstadt Paris eine Filiale zu eröffnen - um so auch nach dem Brexit weiterhin Zugang zum europäischen Hochschulraum zu haben.

Französische Vertreter hätten sich in der vergangenen Woche mit der Hochschulleitung getroffen und dabei ein verlockendes Angebot gemacht, meldet der "Telegraph": Wenn Oxford in Paris einen Satelliten-Campus eröffne, dann werde der komplett nach französischem Universitätsrecht behandelt - und sei damit Teil des EU-Hochschulsystems mit entsprechendem Zugang zu allen Förderprogrammen.

Lockangebot für britische Institutionen

Auch andere britische Universitäten dächten über einen solchen Schritt nach, heißt es in dem Bericht. Der neue Campus in der französischen Hauptstadt könnte ab 2018 gebaut werden und sei Teil einer französischen Charme-Offensive, um Fachkräfte und Institutionen aus Großbritannien nach dem Brexit aufs europäische Festland zu locken.

Damit die Filiale tatsächlich als EU-Universität gelten kann, müsste die Universität Oxford einen Teil ihrer Studienprogramme und der dazugehörigen Abschlüsse offiziell nach Paris verlagern. Das scheint für die Hochschulleitung eine ernsthafte Option zu sein: "Oxford war in seiner Geschichte immer eine internationale Universität", zitiert der "Telegraph" einen Sprecher der Elite-Universität, "und wir definieren uns auch in Zukunft als weltoffen - ganz unabhängig davon, wie die politische Landschaft in Europa aussehen wird."

Auf französischer Seite seien die Vorbereitungen für den internationalen Campus in Paris bereits weit fortgeschritten, heißt es in dem Bericht. So gebe es bereits konkrete Planungsgespräche zwischen der französischen Regierung sowie mehreren französischen Universitäten. Und auch Vertreter der EU in Brüssel seien bereits in die Pläne eingeweiht.

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insgesamt 16 Beiträge
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Bueckstueck 20.02.2017
1. Tja
Die Tür schwingt eben in beide Richtungen! Wenn England* den Brexit dazu nutzen will ein Unternehmensteuerparadies zu werden, dann ist es nur recht und billig wenn man britische Institutionen, die nix vom Brexit halten, auf den Kontinent lockt. *Brexit ist ja vorwiegend ein englisch-ländliches Ding
noalk 20.02.2017
2. Eu wird überflüssig
In diesem Sinne ließen sich für die Briten wahrscheinlich alle Folgen des Brexits irgendwie umgehen, so dass ein Euxit, für welches Mitgliedsland auch immer, mittelfristig folgenlos bliebe. Damit verlöre die Eu vollständig ihre Existenzberechtigung.
ackergold 20.02.2017
3.
Oxford und die Bildungselite sollten sich klarer gegen den Brexit aussprechen, denn raus ist raus. Den Brexit einfach umgehen, während Volk und Parlament einen harten Austritt wollen, ist ja wohl ein Missachtung des Wählerwillens. Es gibt auf dem Kontinent genügend gute Universitäten und Oxford sollte zuhause bleiben.
theroadtoutopia 20.02.2017
4. Hoffentlich wird das was und andere Britische Unis folgen
Ich habe in meinem Leben sehr oft mit Britischen Universitäten und angegliederten Institutionen und Firmen zu tun gehabt und weiss, dass die überwiegende Mehrzahl der dort tätigen Personen sich zu Europa zugehörig fühlt, und zwar erlebt seit 35 Jahren. Ausserdem ist Forschung heute sinnvollerweise weltweit verflochten, so dass eine intensive Zusammenarbeit mit allen Mittel aufrecht erhalten werden sollte, unabhängig davon, was Dritte davon halten.
ebenfalls.hofnarr 20.02.2017
5. Das ist der Unterschied
Zitat von ackergoldOxford und die Bildungselite sollten sich klarer gegen den Brexit aussprechen, denn raus ist raus. Den Brexit einfach umgehen, während Volk und Parlament einen harten Austritt wollen, ist ja wohl ein Missachtung des Wählerwillens. Es gibt auf dem Kontinent genügend gute Universitäten und Oxford sollte zuhause bleiben.
zwischen Akademikern mit Horizont und Unterschichten-Untertanen der Krone mit einer soliden Fleetstreet-Bildung. Pech für die ganzen harten Brexiteers, daß es Briten gibt die sich nicht Faragen lassen und an die Europäischen Vorteile glauben. Vielleicht sollte sich Nigel Verarsch und BoJo mal entschuldigen für ihre auf Lügen basierende Hetzkampagne. So rum wird ein Schuh draus.
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