Hochschulranking So schneiden deutsche Unis weltweit ab

Im weltweiten Vergleich dominieren Hochschulen aus England und den USA. Doch auch deutsche Unis schneiden im "THE"-Ranking gut ab - viel besser als früher. Das liegt allerdings auch an Schwachstellen der Messmethode.

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Universität Heidelberg

Die deutschen Unis dürfen sich freuen: Im weltweiten Vergleich machen sie einen Sprung nach vorn. Das will zumindest das Fachmagazin "Times Higher Education" ermittelt haben, das jedes Jahr Universitäten in eine weltweite Rangliste bringt. "Deutschland ist einer der herausragenden Leistungsträger des diesjährigen Rankings", sagt Phil Baty, Redakteur des Hochschulmagazins.

Amerikanische und britischen Hochschulen dominieren zwar im globalen Vergleich. Neun der zehn besten Universitäten befinden sich demnach in Großbritannien und den USA. Doch unter den 200 laut "Times Higher Education" besten Universitäten sind 20 deutsche. Am weitesten nach vorn schafft es die LMU München, die auf Platz 29 rangiert. Unter den 800 besten Universitäten sind 37 deutsche. Damit sei Deutschland nach den USA und Großbritannien und gemeinsam mit China und Japan das Land, das am häufigsten in der Top-Tabelle der Hochschulbildung vertreten ist.

Dabei hieß es doch jahrelang, die deutsche Wissenschaft drohe, den Anschluss zu verlieren. Was ist also passiert?

Ganz vorn sind Unis aus der Exzellenzinitiative

Baty glaubt den Grund zu kennen: Mit der Exzellenzinitiative haben Bund und Länder in den vergangenen Jahren Milliarden in die Hochschulen gepumpt. Von 2007 bis 2017 fließen insgesamt 4,6 Milliarden Euro in die Hochschulforschung. Um das Geld mussten sich die Universitäten bewerben, nicht jede kam zum Zuge. Immer wieder wurde daher Kritik laut, die Exzellenzinitiative mache vor allem die Universitäten stärker, die ohnehin schon gut dastehen.

Der jüngste Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bestätigt diese Befürchtungen zum Teil. Die Fördergelder für Forschungsprojekte konzentrieren sich demach auf wenige Hochschulen: An die 14 Elite-Universitäten gehen demnach 38 Prozent aller Drittmittel. Das ist mehr als doppelt so viel, wie es dem Anteil der an diesen Universitäten tätigen Professoren entspricht.

Auch im weltweiten Ranking von "Times Higher Education" stehen die Elite-Unis vorn: Die ersten sechs der zehn bestplatzierten deutschen Unis sind im Exzellenzwettbewerb mit dem Siegel ausgezeichnet worden.

Das Programm, darauf hat sich die Große Koalition in Berlin bereits verständigt, soll fortgesetzt werden - noch einmal mit mindestens 4,6 Milliarden Euro. Ob wie bisher ausgewählte Universitäten mit dem Elite-Siegel versehen werden sollen oder künftig mehr Geld in die Breite fließt - darüber streiten die Hochschulpolitiker von Union und SPD derzeit.

"THE"-Ranking 2015/16
Die Hochschul-Bundesliga
Forschung und Lehre, Geistes- und Naturwissenschaften, Oxford und Osnabrück - Das Uni-Ranking der Zeitschrift "Times Higher Education" will Universitäten ganzheitlich evaluieren. Dazu befragt sie jedes Jahr mehr als zehntausend Wissenschaftler, erhebt Dutzende Indikatoren - und fasst sie in einer Ranglsite zusammen. Das sind laut "THE"...
...die zehn besten Universitäten der Welt

Top 10 - international

Rang Rang Vorjahr Institution
1 1 California Institute of Technology
2 3 Oxford
3 4 Stanford
4 5 Cambridge
5 6 Massachusetts Institute of Technology
6 2 Harvard
7 7 Princeton
8 9 Imperial College London
9 13 ETH Zürich
10 11 University of Chicago

Quelle: Times Higher Education

...die zehn besten Universitäten in Deutschland

Top 10 - national

Rang Rang Vorjahr Standort
29 29 LMU München
37 70 Heidelberg
49 80 HU Berlin
53 98 TU München
72 81 FU Berlin
78 113 Tübingen
84 163 Freiburg
94 195 Bonn
99 67 Göttingen
106 - Mannheim

Unterhalb der Top 200 werden keine exakten Rangplätze mehr vergeben
Quelle: Times Higher Education

Diese deutschen Universitäten sind ebenfalls unter den Top 800

Top 110-600 - national

Rang Rang Vorjahr Standort
110 156 RWTH Aachen
123 276-300 Erlangen-Nürnberg
125 251-275 Münster
138 165 Karlsruhe Institute of Technology
156 301-350 Köln
158 135 TU Dresden
175 226-250 Konstanz
185 226-250 Würzburg
192 201-225 Ulm
195 - Charité - Universitätsmedizin Berlin
201-250 301-350 Duisburg-Essen
201-250 201-225 Frankfurt
201-250 - Mainz
201-250 226-250 Kiel
201-250 301-350 Stuttgart
201-250 251-275 TU Darmstadt
251-300 351-400 Bayreuth
251-300 351-400 Bielefeld
251-300 - Gießen
251-300 351-400 Bochum
301-350 251-275 Bremen
301-350 - Greifswald
301-350 - Hohenheim
301-350 - Hannover
301-350 - Dortmund
401-500 - Kaiserslautern
501-600 - Magdeburg

Unterhalb der Top 200 werden keine exakten Rangplätze mehr vergeben
Quelle: Times Higher Education

Die Tücken der Statistik

Doch liegt es wirklich nur an der Exzellenzinitiative, dass deutsche Unis einen Sprung nach vorn gemacht haben im Ranking? Baty gibt offen zu, dass auch ein viel banalerer Faktor eine Rolle gespielt haben könnte: Die Universitäten sind besser darin geworden, den Ranking-Verantwortlichen die richtigen Daten zukommen zu lassen.

Das Magazin bewertet die Universitäten anhand einer Reihe verschiedener Kriterien: Wie häufig werden Veröffentlichungen der Uni-Forscher in der Wissenschaftsgemeinschaft zitiert? Wie viele Studenten betreut ein Lehrender? Wie hoch ist der Anteil der Studenten aus dem Ausland? Aus insgesamt 13 Merkmalen bilden die Macher einen Index, der die verschiedenen Universitäten in eine Rangfolge bringt. Das ist umstritten: Kann eine Platzierung wirklich aussagekräftig sein, bei der so verschiedene Qualitätsmerkmale gleich behandelt werden?

Einen Teil der Daten liefern die Hochschulen zudem selbst - und gingen dabei bislang höchst verschieden vor. Die Universität Tübingen zum Beispiel verbesserte sich im vergangenen Jahr um rund hundert Plätze. Der Grund: Die Universität hatte zuvor alle Wissenschaftlerstellen nach London gemeldet, im vergangenen Jahr aber nur Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen. Ein Indikator wie etwa die Pro-Kopf-Forschungsgelder fällt damit günstiger für die Uni aus - und verschafft ihr einen Sprung nach vorn im Ranking.

Außenministerium will Ranking-Erfolge verbessern

Es gibt noch mehr solcher Schwachstellen im "Times Higher Education"-Ranking. Das Berliner Außenministerium hat daher vor zwei Jahren mit zwei Universitäten ein Forschungsprojekt initiiert, um die deutsche Wissenschaft in der Welt besser dastehen zu lassen. Der Titel: "Verbesserung internationaler Rankingergebnisse deutscher Universitäten. Die Technische Universität Dresden und die Universität Tübingen als Vorreiter für das internationale Bildungsmarketing des Standorts Deutschland". Ein Ergebnis des Projektes war, dass die Uni Tübingen nun ihre Mitarbeiterstellen anders nach London meldet.

Mit Datentrickserei, sagt eine Sprecherin der TU Dresden, habe das nichts zu tun. Oft beruhen die Tücken des Rankings schlicht darauf, dass Briten und Amerikaner unter bestimmten Begriffen anderes verstehen als deutsche Hochschulmanager.

Eine weitere Erkenntnis des Projekts: Deutsche Wissenschaftler bezeichnen ihre Heimatuniversität in ihren Publikationen höchst divers. Mal steht zum Beispiel TU Dresden unter einem Aufsatz in einem Fachjournal, mal ist von der Technischen Universität die Rede. Die Folge: Das Ranking berücksichtigt nur einen Teil der Veröffentlichungen, die die Forscher einer Hochschule hervorbringen.

Inzwischen hat das Forschungsprojekt des Außenministeriums einen Empfehlungskatalog erarbeitet und im Frühjahr der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) übergeben. Damit deutsche Unis in den nächsten Runden noch besser dastehen.



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Seite 1
nic 30.09.2015
1. Das liegt allerdings auch an Schwachstellen der Messmethode
Gilt diese Schwachstelle nur für deutsche Unis oder auch für US, englische Unis?
diefreiheitdermeinung 30.09.2015
2. Gemeinsam mit China
...was eigentlich sagen jetzt jene, die sich sonst bezüglich China immer nur über Plagiate, "billigen Chinakram", gestohlenes Wissen und ähnlich erniedrigend und überheblich echauffieren. Früher drängte es ausländische Studenten nach Deutschland. Bald drängt es sie nach China. Und wir ganz allein tragen dafür die Verantwortung. Soviel zum Wissensstandort Deutschland. Vieleicht sind die Desaster BER, Elbphilharmonie und jetzt VW auch ein Ausfluss dieses Niedergangs im Gefolge dessen man bereits über einen Platz 29 jubelt. "celebrating mediocrity" könnte man auch dazu sagen.
Normalbürger 30.09.2015
3. Deutsche Unis..
sind gut im internationalen Vergleich. Warum muss SPON das sofort wieder relativieren - das Messverfahren ist ja nicht ganz ok usw.? Kann hier nur dem Foristen #1 zustimmen!
Pieselsoft 01.10.2015
4. Eine einzige Schwachstelle
Diese ganz Uni-Geränke ist eine einzige Schwachstelle. Statt nach so einem Blödsinn zu schauen, wieviele Kontaktstunden mit dem Lehrkörper zur Verfügung stehen und ob ein hoher Anteil an Studenten den Abschluss bekommt, wo sich Britische Unis mit "Absitzen" von tagelangen Laborsitzungen ohne wahren Kontakt und reine Aufsichtstätigkeit nach vorn katapultieren und einfach jedem letzten Deppen den Bachelor hinterherschmeissen, sollten Unis danach bewertet werden, welche fachlichen Fähigkeiten ihre Absolventen haben. Ich würde quasi unbesehen jeden Deutschen oder Französischen Absolventen einem Britischen vorziehen, wenn ich Qualität und nicht Verkaufstalent brauche.
prefec2 01.10.2015
5. Es gibt kein gutes Hochschulranking
Warum werden eigentlich solche Rankings immer wieder auf SPON kommuniziert. Sie sind nutzlos und sie sind keine Entscheidungshilfe die man nutzen sollte um eine Uni zu finden wenn man studieren will. Oder wenn man dort forschen lassen will.
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