"affirmative action" US-Regierung sieht weiße Uni-Bewerber benachteiligt

Bewerber aus ethnischen Minderheiten dürfen von US-Unis bevorzugt werden. Laut "New York Times" und "Washington Post" untersucht die Trump-Administration diese Maßnahme nun - weil sie weiße Bewerber diskriminiert sieht.

Graduierte der Harvard University sitzen auf Treppenstufen auf dem Campus
REUTERS

Graduierte der Harvard University sitzen auf Treppenstufen auf dem Campus


Das Konzept der "affirmative action", auch positive Diskriminierung genannt, soll in den USA sicherstellen, dass Minderheiten gezielt gefördert werden - beispielsweise beim Zugang zu Universitäten. So können etwa Bewerber mit afroamerikanischen oder hispanischen Wurzeln bei der Studienplatzvergabe von US-Hochschulen bevorzugt werden.

Laut einem Bericht der "New York Times" knöpft sich die Trump-Administration nun eben diese Maßnahme vor: Eine Einheit des Justizministeriums soll demnach "affirmative action"-Richtlinien untersuchen, die weiße Bewerber bei der Studienplatzvergabe diskriminieren - und die Hochschulen gegebenenfalls verklagen.

Die Zeitung zitiert aus einem internen Papier der Abteilung für Bürgerrecht. Daraus geht hervor, dass derzeit Juristen für ein Projekt zu "Untersuchungen und möglichen Gerichtsverfahren in Verbindung mit vorsätzlicher ethnischer Diskriminierung bei der Zulassung zu Colleges und Universitäten" gesucht werden.

Zwar gehe aus dem Dokument nicht explizit hervor, welche ethnische Gruppe das Justizministerium aufgrund der Zulassungskriterien potenziell benachteiligt sieht. Die Formulierung "vorsätzliche ethnische Diskriminierung" ziele aber auf den Kern von Programmen ab, die mehr Studenten aus Minderheiten an die Unis bringen sollen. Auch die "Washington Post" vertritt diese Sichtweise und beruft sich dabei auf einen US-Regierungsvertreter.

Wie die "New York Times" weiter berichtet, soll das Projekt direkt von der Abteilungsspitze aus geleitet werden, wo die von der Trump-Regierung ernannten Mitarbeiter arbeiten - und nicht von der Abteilung für Bildungschancen, die sich normalerweise um universitäre Belange kümmert. Die Zeitung wertet das Projekt deshalb als ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Bürgerrechte unter US-Präsident Donald Trump und seinem Justizminister Jeff Sessions eine konservativere Ausrichtung erfahren sollen.

Seit dem Dienstantritt von Trump hat die Justizbehörde bereits eine Reihe von bürgerrechtlichen Entscheidungen hinsichtlich des Wahlrechts, Homosexuellenrechten und Polizeireformen getroffen. Vertreter der Justizbehörde wollten den Zeitungsbericht weder bestätigen noch kommentieren.

Die bevorzugte Studienzulassung von Minderheiten ist in den USA seit Langem umstritten. In den vergangenen Jahren setzten sich US-Gerichte mehrfach mit den speziellen Auswahlkriterien auseinander und urteilten dabei unterschiedlich: Vergangenes Jahr hatte der Supreme Court dann mit knapper Mehrheit entschieden, dass Bewerber nicht nur nach ihren Zeugnisnoten, sondern auch nach ihrer Hautfarbe ausgewählt werden dürfen.

Vorausgegangen war eine Klage der ehemaligen Uni-Bewerberin Abigail Fisher. Nachdem ihr Zulassungsantrag an der University of Texas abgelehnt worden war, hatte sie die Universität verklagt, weil sie sich aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt fühlte. Studenten aus ethnischen Minderheiten mit ähnlichen oder schlechteren Noten seien stattdessen bevorzugt worden. Sie argumentierte, das sei eine Diskriminierung, die gegen die US-Verfassung verstoße. Das Oberste US-Gericht erklärte die Praxis der positiven Diskriminierung jedoch für rechtmäßig, die Universität habe richtig gehandelt.

Die amerikanischen Universitäten hatten das Verfahren aufmerksam verfolgt. Hochschulen in den USA begründen den Vorzug von Minderheiten damit, dass das akademische Leben insgesamt von mehr Vielfalt profitiere. So würden neue Sichtweisen eingebracht, die es nicht gäbe, wenn Bewerber allein nach Notenleistung ausgewählt würden.

Das Konzept der positiven Diskriminierung geht auf die Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre zurück. Damals protestierten afroamerikanische Bürger gegen ihre Benachteiligung in weiten Teilen der Gesellschaft. Neben Hochschulregelungen beinhalten "affirmative action"-Maßnahmen zum Beispiel Quoten für die Arbeitssuche sowie Subventionen auf dem Wohnungsmarkt.

mkö

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bronck 03.08.2017
1. Jede Form der Diskriminierung ist falsch
Es ist falsch die Noten an die (vereinfacht ausgedrückt) Hautfarbe zu koppeln. Es ist genau so falsch die Bildungschancen an die Hautfarbe zu koppeln. Auch ist es falsch Sozialleistungen an die Hautfarbe zu koppeln. ALLE solche Dinge müssen beseitigt werden. Egal welche Hautfarbe gerade profitiert oder nicht.
Atheist_Crusader 03.08.2017
2.
Positive Diskriminierung des Einen ist letztendlich eine negative Diskriminierung des Anderen. Wenn es falsch ist einen Bewerber abzulehnen weil er nicht zu Gruppe X gehört, ist es auch falsch ihn anzunehmen weil er zu Gruppe X gehört. Zumindest für den ersten Durchgang im Bewerbungsverfahren könnte man schlicht mit anonymisierten Bewerbungen arbeiten. Da heutzutage sowieso immer mehr elektronisch läuft, dürfte das nicht das Problem sein. Danach... tja. Da müsste es doch auch Möglichkeiten geben. Zum Beispiel Vorstellungsgespräche nicht durch einzelne Mitarbeiter sondern entsprechend gemischte Gremien.
Teilzeitalleinerzieherin 03.08.2017
3. die Prüfung kann the Donald sich sparen
da sogar sein eigener männlicher weißer Nachwuchs einen Studienplatz bekommen hat, kann es mit der Diskriminierung nicht so weit her sein.
isi-dor 03.08.2017
4.
Intelligenz scheint ja beim Uni-Zugang dort keinerlei Rolle zu spielen. Es geht ja auch nicht darum, sondern ums Geld. Wer zahlen kann, der bekommt Bildung, auch wenn er strunzdumm ist. Das war schon vor Trump so.
suane 03.08.2017
5.
Jemanden zu bevorzugen, aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht heißt einen anderen zu diskriminieren. Leider fahren manche so weit links, dass sie rechts überholen. So kommt es zu solche sexistischen Regelungen bzgl Universitätsfachschaften, die zu mindestens 50% weiblich sein müssen. Man stelle sich den #Aufschrei vor, wenn es eine >50% Männerquote gäbe...
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