Posse um Rektorenwahl an Uni Leipzig Bewerber für schwierige Stelle gesucht

Monatelang wurde an der Universität Leipzig darüber gestritten, wer Rektor werden darf. Nun ist die Wahl endgültig geplatzt - und ein Gutachten zeigt: Der amtierenden Rektorin Beate Schücking wurde unrecht getan. Wie geht es jetzt weiter?

Rektorin der Universität Leipzig Beate Schücking: unrechtmäßig benachteiligt?
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Rektorin der Universität Leipzig Beate Schücking: unrechtmäßig benachteiligt?


Die Universität Leipzig tut sich extrem schwer damit, ihren Rektorenposten nachzubesetzen. Seit Monaten streiten sich die akademischen Gremien der Hochschule darüber, ob Amtsinhaberin Beate Schücking noch einmal antreten darf oder nicht - und wer ihr sonst nachfolgen könnte.

Nun hat ein Gutachten ergeben: Schücking sei in dem Wahlverfahren unrechtmäßig benachteiligt worden. Der neunköpfige Hochschulrat hatte ihre Bewerbung im vergangenen Sommer abgelehnt und nur zwei externe Kandidaten nominiert.

Schücking habe in der Anhörung der Bewerber zuvor bewusst andere Fragen gestellt bekommen, etwa zum Umgang mit frei werdenden Professuren und zu Fehlern in ihrer ersten Amtszeit. Der Hochschulrat habe Schücking wiederholt "in ein schlechtes Licht gerückt". Das verletze das Gleichbehandlungsgebot, heißt es in dem Gutachten des Verwaltungsrechtlers Klaus Herrmann.

Der Erweiterte Senat, der für die Wahl des Rektors zuständig ist und in dem insgesamt 91 Professoren, Dozenten, Studenten, Mitarbeiter und Vertreter der Hochschulleitung sitzen, hatte das Gutachten in Auftrag gegeben, nachdem der Hochschulrat Schücking nicht in seine Kandidatenliste aufgenommen hatte.

Letzterer schweigt darüber, warum er Schücking nicht zur Wahl antreten ließ. An der Hochschule kursieren Gerüchte, die von politischen Intrigen bis hin zu persönlichen Verflechtungen zwischen externen Bewerbern und Hochschulrat sowie starken persönlichen Antipathien gegen Schücking reichen.

Zwei Professoren zogen ihre Bewerbung zurück

Der Erweiterte Senat, der Hochschulrat und die Universitätsleitung haben sich über das Wahlverfahren schließlich derart zerstritten, dass im Dezember und Januar die beiden externen Bewerber, Professoren der Universität Bremen und Münster, ihre Bewerbung zurückgezogen haben.

Damit ist das Wahlverfahren gescheitert. "Es wird auf eine Neuausschreibung hinauslaufen", sagte Universitätssprecher Carsten Heckmann. Der Hochschulrat habe sich bereits dafür ausgesprochen. Nun müsse noch juristisch einwandfrei geklärt werden, wer das Verfahren offiziell beenden dürfe: der Erweiterte Senat oder auch Mitglieder der Hochschulleitung.

Damit sind jedoch die Konflikte nicht gelöst. "Ich sehe so viel verbrannte Erde zwischen dem Hochschulrat und Mitgliedern des Erweiterten Senats, dass auch ein neues Wahlverfahren zum Scheitern verurteilt ist", sagte Studentenvertreter Alexander Bigerl.

Ungeklärt ist auch die politische Frage, ob der Einfluss der Hochschulräte wieder beschnitten werden soll. Mittlerweile hat fast jede deutsche Uni einen Hochschulrat. Er soll Empfehlungen zur Profilbildung der Hochschule geben, den Haushalt überwachen und darf oft bei Personalentscheidungen auf Leitungsebene mitbestimmen. In dem Gremium sitzen viele Vertreter aus der Wirtschaft - und er wird oft als deren Lobbyinstanz wahrgenommen.

In Leipzig wird es noch Monate dauern, bis das Rektorenamt neu besetzt ist, selbst wenn nun alles reibungslos läuft. Denn zunächst müssen neue Bewerber gefunden und ausgewählt werden. Und es sieht so aus, als würde auch Schücking noch einmal antreten wollen. Sie hat ihre Bewerbung bisher nicht zurückgezogen.

Eigentlich endet ihre Amtszeit Ende Februar. Doch bis ein Nachfolger feststeht, behält sie den Posten.

lov

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Dengar 22.01.2016
1. Uff
Echt, ich bin froh, dass ich mein Studium schon lange hinter mir habe. Bei uns gab es zwar auch ähnliche Possen, aber zumindest konnte kein Lobbyist von außen reinquatschen. Heutzutage scheinen Unis ja zu Industriebedarfsproduktionsstätten verkommen zu sein; nix mehr mit Freiheit der Lehre und so...:-(
catcargerry 22.01.2016
2. Gewohnte Halbinformation
Worum es in dem Streit inhaltlich geht, insbesondere warum Frau Schücking umstritten ist, wird vorenthalten. Aber der Schreiber kann sich andererseits nicht entblöden, darauf hinzuweisen, dass die Mitwirkung gesellschaftlicher Gremien, woanders vehement gefordert und beim ÖR-Funk Tradition, von irgendwem - von wem, wird auch verschwiegen - als Lobby-Institution wahrgenommen wird. Das wird immer genau und nur dann kritisch beurteilt, wenn nicht nur Gewerkschaften und NGOs lobbyistisch wühlen, sondern auch Wirtschaftsvertreter ihre Sichtweise einbringen dürfen.
catcargerry 22.01.2016
3. noch was
Interessant wäre auch, wer das Gutachten über die Benachteiligung von Frau Schücking verfasst und wer es beauftragt hat.
NuclearSavety 22.01.2016
4. Naja früher war auch nicht alles besser
Zitat von DengarEcht, ich bin froh, dass ich mein Studium schon lange hinter mir habe. Bei uns gab es zwar auch ähnliche Possen, aber zumindest konnte kein Lobbyist von außen reinquatschen. Heutzutage scheinen Unis ja zu Industriebedarfsproduktionsstätten verkommen zu sein; nix mehr mit Freiheit der Lehre und so...:-(
Postengeschachere, politische Einflussnahme, Mittelverschwendung, Intrigen, und offene Korruption haben früher die ehrenwerten Herr Professoren auch ohne Kontakte zur Industrie geschaft....
doedelheimer 22.01.2016
5.
Zitat von catcargerryInteressant wäre auch, wer das Gutachten über die Benachteiligung von Frau Schücking verfasst und wer es beauftragt hat.
Habe mir mal gerade das c.v. der Dame angeschaut... wer es nötig hat, nach der Professur immer noch abstracts und poster in der Publikationsliste aufzuführen, ist nicht nur eitel, sondern ein Minderleister erster Güte. Ernsthaft, die impact-Punkte der Dame haben wohl viele, nicht nur ich, schon mit 32 übertroffen. Eine Frage - ist sie überhaupt habilitiert? Sie wurde nämlich 1989 an eine FACH"hoch"schule berufen; bez. Habilitationsschrift finde ich nichts. Ihre Publikationsliste liest sich, als hätte sie v.a. ein Thema x-fach wiederverwendet - verständlich, aber nicht die ganz feine Art.
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