Kritik an Uni-Finanzen Mehr Geld allein hilft nicht

Zweieinhalb Milliarden Euro an Drittmitteln hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft im vergangenen Jahr verteilt. Ihr Präsident fürchtet nun, zum Grundfinanzierer der Hochschulen zu werden - und fordert mehr Geld für den Basisbedarf der Unis.

Voller Hörsaal: Reicht das Geld für die Unis?
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Voller Hörsaal: Reicht das Geld für die Unis?


Deutschlands Hochschulen müssen immer mehr Geld auftreiben, weil die Mittel von Ländern und Bund nicht ausreichen. Die Grundfinanzierung der Einrichtungen erodiere, warnt jetzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft, eine der wichtigsten Organisationen im Wissenschaftssystem. Für ihre Forschungsarbeit sind die Unis auch nach Angaben des Statistischen Bundesamts immer stärker auf nichtstaatliche Geldgeber angewiesen.

DFG-Präsident Peter Strohschneider kritisierte, die von den Ländern getragenen Haushalte der Universitäten würden stagnieren oder sinken. "Dies ist eine systematische Fehlentwicklung, die es dringend zu korrigieren gilt." Die außeruniversitäre Forschung ist laut DFG dagegen verlässlich, stabil und auskömmlich finanziert. Die größte Organisation zur Forschungsförderung wertete dies in einer Positionierung zweieinhalb Monate vor der Bundestagswahl als Schieflage, die korrigiert werden müsse.

Für die Finanzierung der Hochschulen sind die Länder zuständig, am Hochschulpakt zur Finanzierung zusätzlicher Studienplätze beteiligt sich auch der Bund.

Drittmittel drohen laut DFG die Grundfinanzierung zu ersetzen

Das Statistische Bundesamt teilte mit, jede vierte Hochschulstelle werde bereits aus Drittmitteln finanziert. 2011 wurden an den Hochschulen 26 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals über Drittmittel bezahlt. Im Vergleich zu 2001 ist der Anteil um 9 Prozentpunkte gestiegen. Mit Drittmitteln wird vor allem der Unter- und Mittelbau bezahlt. 38 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter werden mit Geldern bezahlt, die die Hochschulen zusätzlich von öffentlichen und privaten Stellen einwerben.

Auch die Rolle der DFG und ihre Förderarbeit veränderte sich unter dem Finanzdruck der Hochschulen. Die DFG wird laut eigenen Angaben immer stärker und ungewollt zum Grundfinanzierer der Forschung. "Drittmittel werden immer mehr zum Substitut einer Grundfinanzierung", warnte Strohschneider.

Seine Einrichtung müsse über immer mehr Förderanträge entscheiden und könne im Verhältnis weniger bewilligen. Im vergangenen Jahr förderte die DFG den Angaben zufolge mit rund 2,52 Milliarden Euro mehr als 30.900 wissenschaftliche Vorhaben.

Das heißt: Die DFG kann zwar immer mehr Geld verteilen, zugleich steigt aber auch der "Antragsdruck" auf Wissenschaftler, sich gefälligst um eine Förderung zu bemühen. Vor allem junge Forscher haben schlechte Karriereaussichten, wenn sie nicht möglichst schnell Drittmittel einwerben. Die Folge: Es wird nicht unbedingt dazu geforscht, was ein Wissenschaftler für wichtig hält, sondern zu Themen, für die am ehesten eine Förderung zu erwarten ist.

otr/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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leser008 04.07.2013
1. Selbstbedienungsladen Uni
Die Unis brauchen überhaupt nicht mehr Geld. Sondern knallharte, transparente Kontrollen bezüglich der Mittelverwendung. Es kommt immer weniger Geld bei den Studenten, wiss. Mitarbeitern und den Laboren an. Z.B. hier in Bonn werden Gelder für Uniclub, Luxuswohnungen für Besucher, Miete für einzelne Institute in den allerteuersten Lagen vergeudet. Math Institut am Bertha, Jurainst. im Bonner Bogen sind nur die letzten Streiche. Dazu Lehrstühle für bizarre Abwegigkeiten während es an Basisvorlesungen für die Studenten fehlt.
awoth 04.07.2013
2. Genau!
Die Grundfinanzierung (inkl Gehälter) ist ein ernstes Problem! Die DFG finanziert zT sogar schon die Lehre, indem Drittmittelgeförderte Doktoranden quasi zwangsverpflichtet werden. Klar, dass in Zielvereinbarung unter Androhung von Konsequenzen (noch weniger Geld) verstärkte Drittmitteleinwerbung eingefordert wird. Und nach eingeworbenen Drittmitteln werden die Unis dann "gerankt". Klar, dass die DFG nun auch kangsam pleite ist und sehr gut begutachtete Forschungsprojekte mit Hinwris darauf nicht mehr fördern kann. Ein Teufelskreis, trotz der angeblichen Buldungsmilliarden. Tatsache ist, dass es den Bach runtergeht.
ulfderzweite 04.07.2013
3. Ausbildungsstaette statt Papermill
1.Konsens schaffen: Unis sind primaer Ausbildungs, nur sekundaer Forschungsstaetten. 2.Unipersonal muss nachweisen, dass es ausbildend taetig ist. 3.DiMiDo Personal sofort feuern. 4.Paper sind kuenftig kein Rechtfertigungsgrund fuer die eigene steuerfinanzierte Taetigkeit. 5. Verbeamtungen sofort streichen. > fertig
gerald246 05.07.2013
4. Uni Potsdam usw.?
Zitat von leser008Die Unis brauchen überhaupt nicht mehr Geld. Sondern knallharte, transparente Kontrollen bezüglich der Mittelverwendung. Es kommt immer weniger Geld bei den Studenten, wiss. Mitarbeitern und den Laboren an. Z.B. hier in Bonn werden Gelder für Uniclub, Luxuswohnungen für Besucher, Miete für einzelne Institute in den allerteuersten Lagen vergeudet. Math Institut am Bertha, Jurainst. im Bonner Bogen sind nur die letzten Streiche. Dazu Lehrstühle für bizarre Abwegigkeiten während es an Basisvorlesungen für die Studenten fehlt.
Naja, ich glaube zwar nicht dass Bonn unter den teuersten Staedten Deutschlands rangiert aber "Geld fuer bizarre Abwegigkeiten" wird in Deutschlands Unis ja schon verschwendet. Wie heisst es heute im Spiegel: "Erst die Uni Leipzig, jetzt folgt die Uni Potsdam: Die Geschäftsordnung des Senats kommt künftig ohne männliche Formen aus. "Die/der Protokollführer/in" weicht der "Protokollführerin". Ansonsten, sagt der stellvertretende Vorsitzende, hätte es Ärger von Feministinnen gegeben. " Da wird also an der Uni Potsdam jede Menge Zeit, Personal und Sachmittel verschwendet um den Feministinnen einen Gefallen zu tun. Was hat das mit dem Ziel der Uni (Forschung und Lehre) zu tun?? Von Unis wie Frankfurt/Oder mit der Spezialisierung in Esoterik will ich garnicht reden. Die Zustaende an manchen Instituten die ich kenne sind ebenfalls zum Teil sehr merkwuerdig, wobei dann Personal und Mittel vorhanden sind, alles jedoch in Auseinandersetzungen untergeht, gerade die notwendige Lehre aber mit Sicherheit keine Forschung gemacht wird und, am allerschlimmsten, das alles aber ohne irgendwelche Konsequenzen bleibt. Ich glaube hier muessten sich die Unis nicht nur jammern sondern sich selbst auch mal auf das besinnen was sie eigentlich machen sollen, und ihren Laden in Ordnung bringen. Die anderen Unis im Ausland haben da erhebliche Vorspruenge, was asich ja auch in den internationalen rankings wiederspiegelt.
muctr 05.07.2013
5. Nein!
Zitat von ulfderzweite1.Konsens schaffen: Unis sind primaer Ausbildungs, nur sekundaer Forschungsstaetten. 2.Unipersonal muss nachweisen, dass es ausbildend taetig ist. 3.DiMiDo Personal sofort feuern. 4.Paper sind kuenftig kein Rechtfertigungsgrund fuer die eigene steuerfinanzierte Taetigkeit. 5. Verbeamtungen sofort streichen. > fertig
Wer an Unis Arbeitsbedingungen wie an Gymnasien schafft, erhält auch nur den gleichen Unterricht wie an Gymnasien. Wollen Sie wirklich von Leuten unterrichtet werden, die keine eigene Forschung betreiben? Dann gehen Sie doch an eine FH, und selbst da wird (glücklicherweise) auch geforscht - zum Fortschritt des Landes, aber eben auch für die nachhaltige Qualität des Unterrichts. Zum DiMiDo-Personal: Das sind typischerweise diejenigen, die am meisten und effektivsten arbeiten, weil sie immerhin den Mo und den Fr haben, wo sie sich in Ruhe der Forschung (und damit der Weiterqualifikation) widmen können - wenn Sie so wollen, dann auch der Unterrichtsvorbereitung. An den meisten Unis sind die Bedingungen nicht so, dass Sie im Professorenbüro tatsächlich konzentriert arbeiten können - da brauchen Mitarbeiter und Studierende Betreuung (zu Recht!), da brauchen Kollegen Kontakt und Austausch etc. Alles wichtig, aber eben auch alles Zeit, in der die übrige Professorenarbeit (Forschung, Unterrichtsvorbereitung) auf der Strecke bleibt. Also hören Sie bitte auf mit solchen unqualifizierten Pauschalaussagen, die nur zeigen, dass Sie keine Ahnung haben, worin die (gesetzlichen und gesellschaftlichen) Aufgaben von Uniprofessoren bestehen. muctr
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