Patentstreit US-Uni verklagt Professor, der Erfindung eines Studenten geklaut haben soll

Hat er die Forschungsergebnisse eines Studenten für 1,5 Millionen Dollar an die Pharmaindustrie verkauft? Die University of Missouri macht einem Professor schwere Vorwürfe. Diese beschäftigen nun die Justiz.

University of Missouri, Campus Kansas City (Archivbild)
AP

University of Missouri, Campus Kansas City (Archivbild)


Die University of Missouri hat einen ehemaligen Pharmazieprofessor verklagt, dem sie vorwirft, aus den Forschungsergebnissen eines Studenten Profit geschlagen zu haben.

Der Student soll maßgeblich an der Entwicklung von besonders wirksamen Augentropfen mitgearbeitet haben, wie die "New York Times" und andere US-Medien berichteten. Sein Professor soll die Erfindung dann an die Pharmaindustrie verkauft und dafür bereits 1,5 Millionen US-Dollar bekommen haben.

Der Professor habe eine Pharmafirma darin unterstützt, die Augentropfen zu patentieren und auf den Markt zu bringen und dabei die Leistung eines "verdienstvollen Studenten" verschleiert, zitiert CNN aus einer Mitteilung der Uni. Schätzungen zufolge könnte er in den folgenden fünf Jahren weitere zehn Millionen Dollar an Lizenzgebühren erhalten.

Der Professor weist die Vorwürfe zurück. Er sagte dem Sender, er habe die Formel für die Augentropfen für seine private Beraterfirma entwickelt. Der Student habe hingegen an einem Teil des Auges geforscht, in dem das Medikament gar nicht wirke. "Jeder will nun aufspringen und einen Teil des Kuchens abhaben", sagte der Professor dem Sender CNN.

Verschwundene Notizbücher

Den Berichten zufolge reichte die Universität am vergangenen Dienstag Klage ein. Der Doktorand habe im Jahr 2008 mit seiner Doktorarbeit begonnen, für die er herausgefunden habe, wie sich Augentropfen mithilfe von Nanotechnologie besser im Auge verteilen lassen, schreibt die "New York Times".

Etwa drei Jahre später habe sein Professor die Erkenntnisse an die Pharmafirma weitergegeben. In der Klageschrift heißt es laut "New York Times", der Professor und seine Frau hätten dafür gesorgt, dass die Notizbücher des Doktoranden verschwänden, in denen er seine Forschungsergebnisse dokumentiert habe.

Die Regularien der Universität sehen vor, dass ein Drittel der Einkünfte, die die Hochschule aus Patenten generiert, an den Erfinder gehen. Mit dem restlichen Geld sollen Kosten gedeckt und dann weitere Forschung und andere Hochschulaktivitäten finanziert werden.

Der Professor hat bereits im Januar gekündigt. Es ist offenbar nicht der erste Ärger, den er mit der Hochschule hat. Im vergangenen Herbst berichteten US-Medien, er habe über Jahre hinweg Studenten für private Haushaltsarbeiten wie Rasenmähen und Blumengießen eingespannt.

lov

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
brutus972 04.03.2019
1. Das passiert hier andauernd.
In Deutschland lässt der Professor etwas von den Studenten ausarbeiten, das er dann persönlich als sein Eigentum vermarktet. In den USA laufen solche Sachen unter Public Domain. So sind Microsoft & Apple etc. groß geworden, indem sie Sachen der Universitäten angewendet und ausgebaut haben. Unsere Politik sollte sich mal überlegen, welches System für das Land besser ist.
TS_Alien 05.03.2019
2.
Zitat von brutus972In Deutschland lässt der Professor etwas von den Studenten ausarbeiten, das er dann persönlich als sein Eigentum vermarktet. In den USA laufen solche Sachen unter Public Domain. So sind Microsoft & Apple etc. groß geworden, indem sie Sachen der Universitäten angewendet und ausgebaut haben. Unsere Politik sollte sich mal überlegen, welches System für das Land besser ist.
Das passiert hier nicht andauernd. Es gibt einschlägige Gesetze, die das verhindern. Was glauben Sie, wie schnell da jemand seinen Ruf los ist, der so etwas probiert?
haraldbuderath 05.03.2019
3. Hochschule und Patenten
Wer bezahlt die Hochschulen und Ihre Angestellten ? Patente die aus Untersuchungen in Hochschulen/Uni entstehen ist immer Eigentum des ganzen Teams, sollten Gelder fließen sollte jeder den gleichen Anteil erhalten nach Abzug aller Kosten für Untersuchungen/Angestellte, es abgeben an Firmen wie Apple,Microsoft sollte sicher nicht der Weg sein, es ist nicht nötig mit Patente und vermeint Geistigen Eigentum Milliardengewinne einzufahren,
Theya 05.03.2019
4. @1
Zitat von brutus972In Deutschland lässt der Professor etwas von den Studenten ausarbeiten, das er dann persönlich als sein Eigentum vermarktet. In den USA laufen solche Sachen unter Public Domain. So sind Microsoft & Apple etc. groß geworden, indem sie Sachen der Universitäten angewendet und ausgebaut haben. Unsere Politik sollte sich mal überlegen, welches System für das Land besser ist.
Könnten Sie mal ein Beispiel nennen? Mir ist kein solcher Fall bekannt, aber das mag von Fachbereich zu Fachbereich unterschiedlich sein. Von öffentlicher Hand geförderte Forschung, z.B. von der EU, legt jedoch entgegen Ihrer Darstellung Wert auf die Verbreitung und Verwertung erzielter Forschungsergebnisse, im von Ihnen genannten Bereich IT etwa durch Open-Source-Veröffentlichungen.
Theya 05.03.2019
5.
Zitat von haraldbuderathWer bezahlt die Hochschulen und Ihre Angestellten ? Patente die aus Untersuchungen in Hochschulen/Uni entstehen ist immer Eigentum des ganzen Teams, sollten Gelder fließen sollte jeder den gleichen Anteil erhalten nach Abzug aller Kosten für Untersuchungen/Angestellte, es abgeben an Firmen wie Apple,Microsoft sollte sicher nicht der Weg sein, es ist nicht nötig mit Patente und vermeint Geistigen Eigentum Milliardengewinne einzufahren,
Das ist nicht ganz korrekt: Sie arbeiten als Angestellter ja nicht selbstständig, sondern für Ihren Arbeitgeber. In der Regel fallen diesem daher auch die Verwertungsrechte zu für Entwicklungen, die im Zuge ihrer Tätigkeit für diesen Arbeitgeber entstehen. Ihr Anspruch erstreckt sich lediglich auf Ihren Arbeitslohn - dies gilt sowohl für Hochschulen als auch für die Privatwirtschaft. Universitäten leben jedoch andererseits davon, Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, auf einschlägigen Fachkonferenzen oder in wissenschaftlichen Zeitschriften. Damit stehen die Ergebnisse natürlich jedermann zur Verfügung, auch Firmen wie Apple und Co., denen es freisteht, solche Ergebnisse aufzugreifen und ggf. weiterzuentwickeln. Die Steuergelder, mit denen der Bürger die ursprüngliche Forschung mitfinanziert hat, kommen ihm insofern wieder zu gute, als dass er ihm zeitverzögert neue, moderne Produkte zur Verfügung stehen. Dass diese für den Bürger nicht kostenlos, d.h. durch die Steuergeldeiträge bereits abgegolten sind, liegt auch daran, dass Universitäten und Forschungseinrichtungen keine Produkte entwickeln, sondern grundlegende Konzepte und sog. Proofs-of-Concept. Diese dann in Produkte weiterzuentwicken, die allen Ansprüchen und Erwartungen des Kunden sowie den relevanten Gesetzen und Vorschriften gerecht wird, ist die Zusatzleistung der Unternehmen, für die diese auch Geld verlangen dürfen.
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