US-Dozentin mit Drogenlabor Meth statt Math

Ließ sich die Dame von der populären TV-Serie "Breaking Bad" inspirieren? US-Medien berichten genüsslich über eine Uni-Dozentin im Rentenalter, die ein Drogenlabor in ihrer Küche betrieben und dort Crystal Meth geköchelt haben soll - mit ihrem Sohn. Jetzt muss die Mathelehrerin vor Gericht.

Walter White (Bryan Cranston) in der Serie "Breaking Bad": Küche voller Chemikalien
ARTE/ Sony

Walter White (Bryan Cranston) in der Serie "Breaking Bad": Küche voller Chemikalien


Wer die beliebte US-Fernsehserie "Breaking Bad" für übertrieben und unrealistisch hält, wird nun offenbar eines Besseren belehrt. In der TV-Saga steigt ein an Krebs erkrankter Chemie-Lehrer unbedarft in die Produktion der Droge Crystal Meth ein und rutscht schließlich tief in die Drogenkriminalität ab.

Der Titel der Serie "Breaking Bad" ist Südstaaten-Slang und bedeutet so viel wie "auf die schiefe Bahn geraten" - und genau das scheint nun einer 74-jährige Mathe-Dozentin zweier Universitäten im US-Bundesstaat Massachusetts im wahren Leben passiert zu sein. Sie soll die Küche ihrer Wohnung im Bostoner Vorort Somerville zum Drogenlabor umfunktioniert haben. Gemeinsam mit ihrem erwachsenen Sohn soll sie dort Crystal Meth hergestellt haben. Das berichtet die Zeitung "Boston Globe".

Die 1985 aus der Sowjetunion eingewanderte Irina K. gab seit über 20 Jahren Mathematik-Kurse an der Boston University und der Suffolk University. Dort ist sie bei ihren Studenten offenbar nur mittelmäßig beliebt. Auf der Bewertungsplattform "Rate My Professors" beklagen viele Studenten vor allem ihre schlechte Aussprache. Dafür seien die Tests aber sehr einfach gewesen und sehr großzügig bewertet worden. Auch ihre Unorganisiertheit wird von einigen Studenten erwähnt. "Sie ist eine nette Lady, aber sie ist sehr schnell verwirrt", schreibt ein Nutzer.

Beide Bostoner Unis haben K. aufgrund der Ermittlungen gegen sie vorerst beurlaubt. Bisher äußerte sich die mutmaßlich Drogen kochende Dozentin nicht zu den Vorwürfen.

Wie der "Boston Globe" weiter berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft der Uni-Dozentin und ihrem 29-jährigen Sohn Grigory G. nun den Handel mit Crystal Meth, Verschwörerischer Verstoß gegen die Drogengesetzgebung sowie Drogenvergehen im Bereich einer Schule vor - die Wohnung, die K. und ihr Sohn bewohnen, liegt nur 500 Meter von einer Grundschule entfernt. Ein Umstand, der in den USA das Strafmaß bei Drogendelikten erhöhen kann.

Cornflakes im Kühlschrank

Crystal Meth ist eine auf Amphetamin basierende Droge mit einer stark euphorisierenden Wirkung. Sie ist vergleichsweise billig, macht aber schnell abhängig und kann unter anderem zu psychischen Störungen, schweren Nierenschäden und Zahnausfall führen.

Bei einer Razzia im November hatten Ermittler in der Wohnung im ersten Stock eines Zweifamilienhauses laut "Boston Globe" Beweise für die Herstellung von Methamphetamin gefunden. Spezialkräfte hätten eine große Menge gefährlicher Materialien aus dem Gebäude entfernt. Die Sicherheitskräfte hätten unter anderem leere Verpackungen der Stimulanz Pseudoephedrin - eine Hauptzutat für Crystal Meth - sowie Lösungsmittel und weitere Chemikalien gefunden.

Laut der Lokalzeitung "The Somerville Journal" sei die Küche so überfüllt mit Chemikalienbehältern und Laborgläsern gewesen, dass Cornflakes im Kühlschrank gelagert werden mussten. Nach Informationen der "New York Daily News" hatten die Behörden die Wohnung bereits seit 2010 observiert.

K.s Sohn Grigory hatte sich bei einer Gerichtsverhandlung Mitte November für unschuldig erklärt und wurde gegen Kaution bis zum nächsten Verhandlungstermin auf freien Fuß gesetzt. Mutter Irina muss am 21. Dezember vor Gericht erscheinen.

K. ist nicht die erste Uni-Dozentin, der vorgeworfen wird, ihr Gehalt mit Drogengeschäften aufzubessern. Erst im September wurde ein Sport-Professor einer kalifornischen Hochschule verhaftet: als mutmaßliches Mitglied einer Rocker-Gang, die auch im Drogenhandel aktiv ist.

seh



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.