US-Eliteunis Heikle Spenden eines Ölprinzen

Hey, big spender: Großzügige Gaben eines Milliardärs aus Saudi-Arabien sorgen an amerikanischen Nobelhochschulen für Wirbel. Die akademische Gemeinde von Harvard und Georgetown ist zerstritten, ob man das Geld dieses Mäzens annehmen darf.


Ausgestattet mit 20 Millionen Dollar entwickelt Harvard derzeit ein "Prince Alwaleed Bin Talal Islamic Studies Program". Die Georgetown University in Washington D.C. gönnt sich für die gleiche Summe ein "Prince Alwaleed Bin Talal Center for Muslim-Christian Understanding". Der Namensgeber und Finanzier ist Mitglied der saudischen Herrscherfamilie und viertreichster Mann der Welt. Mit seinen Spenden, die er kürzlich in der internationalen Presse mit zweiseitigen Anzeigen prominent bewarb, will Prinz Walid Ibn Talal nach eigenen Angaben helfen, "die Kluft zwischen West und Ost zu überbrücken".

Prinz Walid (beim Golf mit George W. Bush und dem ägyptischen Präsidenten Mubarak): Ärger um Großspende
AFP

Prinz Walid (beim Golf mit George W. Bush und dem ägyptischen Präsidenten Mubarak): Ärger um Großspende

Gleich mehrere US-Unis hatten sich um die Millionen beworben. Dass Harvard zu den Gewinnern gehört, ist für den dortigen Fachbereich für "Near Eastern Languages and Civilizations" eine Erleichterung – in der Studentenzeitung "Harvard Crimson" wurde er schon als "schäbig und heruntergekommen" beschrieben.

Auf dem Campus wird dennoch diskutiert, ob es richtig war, das Geld anzunehmen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte New Yorks damaliger Bürgermeister Rudolph Giuliani eine Zehn-Millionen-Dollar-Spende des Prinzen für die Opferfamilien zurückgewiesen – der Geldgeber hatte die Vereinigten Staaten als zu Israel-freundlich kritisiert und eine "ausgewogenere Haltung gegenüber dem Anliegen der Palästinenser" verlangt.

Die "New York Sun" spekulierte bereits, wer auf den "Prince Alwaleed"-Lehrstuhl berufen wird. "Wir bezweifeln, dass es jemand wird, der die Saudis für ihre Finanzhilfen an die Hamas-Bewegung kritisiert", spekuliert das Blatt. Kritiker argumentieren, dass es in den USA bereits zahlreiche Forschungsmöglichkeiten über den Islam gebe. Dafür aber fehlten in Saudi-Arabien Forschungszentren für das Christentum und die jüdische Religion. Religiöse Intoleranz sei, nach Öl, der größte Export-Artikel Saudi-Arabiens, lästerte die "New York Post".

Prinz Walid solle lieber den Dialog der Kulturen in seiner abgeschotteten Heimat fördern. Das "Wall Street Journal" schlägt dem Milliardär vor, zunächst einmal in Riad ein "Center for Muslim-Christian Understanding" zu eröffnen. Im Interview mit der "New York Times" räumte der Prinz immerhin ein, dass man entsprechende Bildungsangebote in Saudi-Arabien "in Betracht ziehen könnte".

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