US-Unis in Not In Berkeley wird das Geld knapp

Keine staatliche US-Uni genießt solch ein Ansehen wie Berkeley: Die kalifornische Spitzenhochschule konkurriert mit privaten Eliteschmieden wie Harvard - und ermöglicht unzähligen Studenten mit wenig Geld den Aufstieg. Das wird ihr zunehmend schwer gemacht.

Proteste in Berkeley (2009): Sparen, sparen, sparen
REUTERS

Proteste in Berkeley (2009): Sparen, sparen, sparen


Von einem "historischen Einbruch" schreibt die "Washington Post". Die Zeitung warnt, der Rückgang staatlicher Zuschüsse für öffentliche Universitäten, vor allem für die hochkarätigen, würde das amerikanische Bildungswesen erschüttern. Und die staatlichen Elite-Unis könnten ihre Rolle als "Motoren der sozialen Mobilität" verlieren.

Die "Washington Post" berichtet von Kürzungen an mehreren staatlichen Unis: Demnach sei der Anteil am Gesamtbudget der University of Virginia von 26 Prozent vor 20 Jahren auf gerade einmal sieben Prozent zurückgegangen; an der University of Michigan von 48 auf 17 Prozent.

Am ausführlichsten und eindrucksvollsten schildert die Zeitung aber, dass es selbst an der traditionsreichsten, bekanntesten und angesehensten staatlichen US-Uni bergab geht: in Berkeley, dem ältesten Standort der University of California.

Berkeley braucht normalerweise den Vergleich mit privaten Elitehochschulen wie Harvard und Stanford nicht zu scheuen. In Rankings schneidet die Uni stets sehr gut ab, Spitzenprofessoren kommen gerne, und die Absolventen machen oft Karriere. Doch laut der Zeitung streicht Kalifornien seine Zuschüsse zum Haushalt der Uni immer weiter zusammen - und bringt die Hochschule in arge Finanznöte. Seit 1991 ging demnach der staatliche Finanzierunganteil am Budget von 47 Prozent auf elf Prozent zurück.

Zwar stieg das Budget der Hochschule allein in den letzten vier Jahren von rund 1,7 auf rund zwei Milliarden Dollar. Doch laut dem Bericht stammt das meiste Geld aus zweckgebundenen Spenden, die oft nicht für die Lehre verwendet werden dürfen.

Das wiederum führe dazu, dass die Seminarräume immer voller und die Wartelisten immer länger werden. Die Studiengebühren würden steigen, auch für Studenten mit wenig Geld. Zwar versuche die Uni die Belastung für die Ärmsten gering zu halten, doch umso heftiger treffe es die Studenten aus Familien, die zu viel verdienen, um gefördert zu werden, aber zu wenig, um sich die Studiengebühren leisten zu können. Wenn es so weitergehe, schreibt die "Washington Post", könnten die Gebühren von derzeit etwa 12.000 Dollar pro Jahr in vier Jahren auf 22.000 Dollar steigen.

Auch die privaten Elite-Unis haben in der Finanzkrise viel Geld verloren, etwa Harvard. Jedoch spielen die renommierten staatlichen Unis wie Berkeley im amerikanischen Bildungsystem eine wichtige Rolle: Für viele ärmere Studenten sind sie die einzige Möglichkeit, eine erstklassige akademische Ausbildung zu bekommen und sich so den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Laut "Washington Post" studieren allein in Berkeley so viele Studenten aus Familien mit geringem Einkommen wie an allen Ivy-League-Universitäten der Ostküste zusammen.

otr



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