Einwandererkind in den USA Früher obdachlos, jetzt 17 Uni-Zusagen

Es ist eine Geschichte, wie sie Amerikaner lieben: Dylan Chidick kam als Einwandererkind in die USA, in einer Obdachlosenunterkunft lernte er täglich für die Schule - nun erntet er die Früchte seines Fleißes.

Jersey City: Hier lebt Dylan Chidick mit seiner Familie
REUTERS

Jersey City: Hier lebt Dylan Chidick mit seiner Familie


Geht alles glatt, dann ist Dylan Chidick der Erste in seiner Familie, der an einer Universität studiert. An welcher, das muss er sich allerdings gerade noch überlegen. Denn der 17-Jährige hat aktuell nicht weniger als 17 Zusagen auf dem Tisch.

Das ist alles andere als selbstverständlich - Chidick stammt aus einer wenig begüterten Einwandererfamilie, zwischenzeitlich war er zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern sogar obdachlos.

In zahlreichen US-Medien, von "CNN" über die "Washington Post" bis zur "New York Times" wird die Geschichte des jungen Mannes gerade erzählt. Vor gut zehn Jahren kam er mit seiner Mutter Khadine Phillip aus Trinidad in die USA. Zunächst lebte die Familie in Brooklyn, später in Jersey City.

Dort lief nicht immer alles glatt, am schwierigsten war es demnach im Sommer 2017. Damals hatte Phillip ihren Job verloren, die beide jüngeren Söhne litten an einem Herzfehler. Die Familie flog aus ihrem Zuhause und kam für mehrere Monate in einer Obdachlosenunterkunft unter.

Lernen trotz Sperrstunde

Chidick bemühte sich, die Schule trotzdem nicht schleifen zu lassen. Schwierig war allerdings, dass er erstens parallel arbeiten musste und zweitens am liebsten spät abends lernte - in der Unterkunft gab es jedoch eine Sperrstunde. An der Henry Snyder High School in Jersey City fasste der junge Mann trotzdem Fuß, wurde sogar Schülersprecher. Den standardisierten Uni-Zulassungtest SAT legte er zwei Mal hintereinander ab, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Und die Mühen zahlten sich aus. So bekam er unter anderem Zusagen vom Albright College in Reading (Bundesstaat Pennsylvania), dem Ramapo College in Mahwah (Bundesstaat New Jersey) und der Caldwell University (ebenfalls New Jersey).

Während ihrer Zeit in der Obdachlosenunterkunft hatte die Familie Unterstützung von der Organisation Women Rising erhalten. Dort hat man Chidicks Erfolg nun auch öffentlich gemacht.

Seine Geschichte steht in auffälligem Kontrast zu einem Korruptionsprozess gegen Prominente wie die Schauspielerinnen Felicity Huffman und Lori Loughlin, die für jeweils Hunderttausende von Dollar ihre intellektuell offenbar nur unzureichend ausgestatteten Kinder an Elite-Unis unterbringen wollten.

"Ich denke, dass es unfair ist, dass sich Leute einfach einkaufen konnten", kommentiert Dylan Chidick den Fall bei der "New York Times". "Aber ich wusste, dass so etwas über eine lange Zeit passiert ist und dass es immer jemanden mit mehr Privilegien und mehr Verbindungen gibt, der es einfacher hat als andere."

Studieren möchte er übrigens Politik und Geschichte. Seine Lieblingshochschule wäre das College of New Jersey, wo er Freunde hat. Ausgerechnet dort hat man ihm allerdings noch nicht geantwortet. Und so wartet der junge Mann auf seine 18. Zusage.

chs



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