Rekord in Yale Studenten stürmen Glücksvorlesung

Seit Gründung der Yale-Universität haben sich noch nie so viele Studenten für einen Kurs angemeldet wie für den von Psychologin Laurie Santos. Erhoffen sich die jungen Leute Erkenntnisse fürs eigene Leben?

Die "Woolsey Hall" auf dem Campus der Yale-Universität
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Die "Woolsey Hall" auf dem Campus der Yale-Universität


Nach ein paar Tagen waren es 300 Anmeldungen für die Psychologievorlesung - da ahnte die Dozentin schon, dass sie mit ihrem Thema ganz gut lag. Drei Tage später hatte sich die Zahl schon verdoppelt, und mittlerweile sitzen fast 1200 Studenten vor ihr: Die aktuelle Veranstaltung "Psychologie und ein gutes Leben" ist für Laurie Santos, Psychologie-Professorin an der Yale-Universität in New Haven, ein persönlicher Rekord - und für die Universität eine logistische Herausforderung.

In der 316-jährigen Geschichte von Yale habe es nie zuvor eine so gut besuchte Veranstaltung gegeben, erklärte ein Universitätsvertreter im Gespräch mit der "New York Times". Exakt 1182 angemeldete Studenten seien absoluter Rekord und hätten den bisherigen Vorlesungs-Champion "Psychologie und das Gesetz" mit 1050 Studenten im Jahr 1992 abgelöst.

Um die enorme Zahl an Zuhörern überhaupt bewältigen zu können, wurde die Veranstaltung zunächst geteilt: Laurie Santos trat in der Battell Chapel auf, einer zum Hörsaal umgebauten Kirche, in der 844 Studenten Platz finden. Alle anderen folgten der Vorlesung per Videokonferenz in zwei weiteren Sälen. Mittlerweile aber sind die Studenten wieder vereint, heißt es in dem Bericht: Die Veranstaltung ist in die "Woolsey Hall" umgezogen, wo sonst eher Symphoniekonzerte stattfinden.

Genug für die nächsten Semester

"Studierende wollen sich ändern, sie wollen glücklicher sein und ihre Kultur und ihr Verhalten hier auf dem Campus verändern", erklärt die Psychologin das große Interesse an ihren Ausführungen. Immer Dienstags und Donnerstags, jeweils ab 13 Uhr, steht sie vor dem Rekordseminar. "Wenn alle diese Studenten hier mehr Dankbarkeit zeigen, weniger prokrastinieren und ihre sozialen Verbindungen ausbauen, dann beginnen wir damit auch, die Kultur unserer Universität zu verändern", wird Laurie Santos in dem Bericht zitiert.

In der Schule hätten viele Studenten ihr persönliches Wohlbefinden und Glück zugunsten des Schulabschlusses vernachlässigt, vermutet die Psychologin - umso größer sei jetzt das Interesse an einem glücklichen Leben. Trotzdem will sie den Kurs in den kommenden Semestern erst einmal nicht mehr anbieten. Das sei unfair gegenüber anderen Veranstaltungen, für die die Studenten dann keine Zeit mehr haben, so Laurie Santos.

Und auch organisatorisch spricht etwas dagegen: Die 24 Tutoren, die Santos für die Betreuung der Studierenden brauchte, gibt es in dieser Zahl an der Psychologischen Fakultät gar nicht - so dass Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen einspringen mussten.

him

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