Klage von weißer Studentin abgelehnt Unis in den USA dürfen Minderheiten bevorzugen

Unis in den USA dürfen Bewerber nicht nur nach ihren Zeugnisnoten, sondern auch nach der Hautfarbe auswählen. Das hat das oberste US-Gericht nach einem jahrelangen Rechtsstreit entschieden.

Abigail Fisher (Archivaufnahme vom Dezember 2015) wurde 2008 von der University of Texas als Studentin abgelehnt - zu Recht
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Abigail Fisher (Archivaufnahme vom Dezember 2015) wurde 2008 von der University of Texas als Studentin abgelehnt - zu Recht


Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass Abigail Fisher ein Studium an der University of Texas in Austin beginnen wollte - und abgelehnt wurde.

Daraufhin erhob sie Diskriminierungsvorwürfe gegen die Universität: Sie sei aufgrund ihrer Hautfarbe nicht aufgenommen worden, stattdessen seien Studenten aus ethnischen Minderheiten mit ähnlichen oder schlechteren Noten und Testergebnissen bevorzugt worden. Das sei, so Fisher, eine Diskriminierung und verstoße gegen die US-Verfassung.

Das Verfahren war 2013 schon einmal beim Supreme Court gelandet. Doch die Richter hatten den Fall damals an die Vorinstanzen zurückgegeben - bevor er im Dezember zum zweiten Mal an das oberste US-Gericht kam. Jetzt entschieden die Juristen: Die Praxis der sogenannten positiven Diskriminierung ist rechtmäßig, die University of Texas hat richtig gehandelt.

Knappe Entscheidung

Das Urteil fiel mit einer knappen 4-zu-3-Mehrheit des Supreme Courts. "Es bleibt eine dauerhafte Herausforderung für unser nationales Bildungssystem, das Streben nach Vielfalt mit dem Verfassungsversprechen auf Gleichheit und Würde in Einklang zu bringen", heißt es in einer Erklärung des Gerichts.

Klägerin Abigail Fisher zeigte sich enttäuscht. Das Urteil bestätige, "dass an der University of Texas Studenten wegen ihrer Rasse oder ethnischen Herkunft unterschiedlich behandelt werden können", sagte die 26-Jährige. Sie hat ihr Studium mittlerweile an der Louisiana State University beendet und arbeitet als Finanzanalystin in Austin.

Zahlreiche US-Unis hatten das Verfahren aufmerksam verfolgt. Denn in den USA ist es jahrzehntelange Praxis, neben Noten auch die ethnische Zugehörigkeit von Bewerbern bei der Zulassung zu berücksichtigen. Diese Auswahlkriterien gehen auf die Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre zurück, die so die soziale Benachteiligung insbesondere von Afroamerikanern ausgleichen wollte.

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"Affirmative Action": Weiße Texanerin fühlt sich diskriminiert

him/reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 89 Beiträge
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BernieistAnders 23.06.2016
1. Völlig absurde Entscheidung
Bei solchen Fällen sieht man eben dass die westlichen Staaten auch nicht wirklich Rechtstaaten sind, es herrscht Willkür. Bei uns wurde ja auch die Frauenquote eingeführt, obwohl es im unseren Gesetz explizit steht dass man niemanden wegen seines Geschlechts diskriminieren darf. Unsere Richter und Politiker tun genau das und halten sich für "modern". Es gibt nun mal keinerlei Gerechtigkeit, wer auch immer die Macht hat, der entscheidet wie er will.
vox veritas 23.06.2016
2. Rassismus?
Das Verfahren ist auch eine Form der Diskriminierung bzw. des Rassismus. Was kann die Frau dafür, mit weißer Haut geboren worden zu sein? Irgendwann zerbricht der ganze Idealismus an sich selbst.
pauschaltourist 23.06.2016
3.
Also müssen kaukasische Bewerber, um einen Studienplatz er erlangen, bessere Leistungen erbringen? Das hätte doch nur zur Folge, dass Firmen keine Angehörigen der bevorzugten Gruppen einstellten - denn diese wurden nicht aus Leistungs- sondern aufgrund Minderheiten-Kriterien zum Studium zugelassen.
licorne 23.06.2016
4. Wenn man die Besten nehmen würde,
dann wären Asiaten wohl im Verhältnis zur Bevölkerung überproportional vertreten.
Phil2302 23.06.2016
5.
Solange diese Praxis gang und gäbe ist, solange wird es keine Gleichheit der Hautfarben geben. Das ist eine Steilvorlage für weiße Menschen, sich wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert zu fühlen. Ähnliches mit der Frauenquote in Deutschland. Und das meine ich unabhängig davon, ob diese Praxis sinnvoll ist oder nicht. Es vertieft Gräben in der Gesellschaft.
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