Vergewaltigungen an US-Hochschulen "Kriminelle tragen kein Schild auf der Stirn"

Hunderte Studentinnen kämpfen in den USA gegen sexuelle Gewalt auf dem Campus - Duane de Four, 39, versucht, sie zu unterstützen. Als Trainer und Ausbilder erklärt er an Hochschulen, wie Studenten sich und andere schützen können.

Ein Interview von , Boston


Aufschrei in den USA: "Tut endlich was gegen Vergewaltigungen auf dem Campus", Hunderte Studentinnen rufen inzwischen so laut, dass selbst Politik und Gesellschaft nicht mehr weghören können. Denn offiziellen Umfragen zufolge wird in den USA jede fünfte Studentin im Laufe ihres Studiums sexuell missbraucht. Die Studentinnen werfen den Hochschulen vor, darauf ungläubig, ablehnend oder gar nicht zu reagieren. Dabei verpflichtet das Gesetz "Title IX" Hochschulen, sich zu kümmern: Erfahren sie offiziell von einem Missbrauch, müssen sie sofort untersuchen, was passiert ist, und darauf reagieren.

Duane de Four, 39, kämpft seit fast 20 Jahren gegen sexuelle Gewalt auf dem Campus, erst als Student, inzwischen als Ausbilder und Trainer an Hochschulen. Er wisse nicht, ob an amerikanischen Hochschulen mehr vergewaltigt wird als in anderen Ländern, sagt er. "Wenigstens sprechen wir jetzt darüber."

Zur Person
  • SPIEGEL ONLINE
    Als einer der wenigen Männer studierte Duane de Four, 39, in den Neunzigerjahren Women's Studies an der Universität von Utah. Zu der Zeit begann er auch, sich gegen sexuelle Gewalt an Hochschulen zu engagieren. Inwischen arbeitet er unter anderem an Hochschulen, Schulen und für die U.S. Air Force als Trainer und Ausbilder.

    Mehr Informationen unter www.duanedefour.com
SPIEGEL ONLINE: Ein Mann kämpft für Frauenrechte. Wie kam es dazu?

De Four: Das Thema hat eher mich gefunden, als dass ich es gefunden habe. Ich kenne viele, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Schon als Student habe ich mich dafür interessiert.

SPIEGEL ONLINE: Was genau interessiert Sie?

De Four: Ich schaue in meiner Arbeit unter anderem, wie die Gesellschaft funktioniert. Wie bilden wir uns ein Urteil? Wie entstehen Rollenbilder? Warum haben wir Stereotype? Wie tragen sie dazu bei, dass Gewalt sich fortsetzt?

SPIEGEL ONLINE: Dazu gehören nach einer Vergewaltigung sicher Fragen wie: Hat die Frau getrunken? Wie kurz war ihr Rock? Wollte sie nicht auch?

De Four: Genau darauf setzen viele Täter. Sie kennen die College-Kultur sehr genau und die sozialen Normen rund um Sex und Alkohol. Sie schaffen auf Partys Situationen, die wie ein normaler Flirt aussehen. Deswegen fragen wir hinterher nicht: "Was ist komisch am Verhalten dieses Mannes?" Sondern sagen: "Die Frau hat es herausgefordert." Dabei trägt kein Krimineller ein Schild auf der Stirn: "Ich bin ein Vergewaltiger." Wir halten trotzdem an der Idee fest, dass sie mit einem Messer im Busch sitzen, dass man sie erkennt, weil sie gruselig aussehen. Wir glauben nicht, dass es der Typ von Nebenan ist.

SPIEGEL ONLINE: Das Bild wollen Sie in Seminaren verblassen lassen?

De Four: Dabei halte ich keine trockene Rede, sondern stelle Fragen, um ins Gespräch zu kommen. Ist sexuelle Gewalt auf dem Campus ein Problem? Was wisst ihr darüber? Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Männer?

De Four: Die meisten interessieren sich, sie kennen meist auch jemanden, der missbraucht wurde. Sie merken, wie sehr sexuelle Gewalt die Beziehung zwischen Männern und Frauen belastet.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem gibt es jene, die meinen betonen zu müssen: Nicht alle Männer vergewaltigen.

De Four: Menschen tendieren dazu, schwierige Themen zu meiden. Und solange du ein guter Junge bist, musst du nicht über sexuellen Missbrauch nachdenken, das ist ein Privileg von Männern. Denn wer spricht heute schon mit Jungen und Männern über Themen wie Vergewaltigung, Stalking und Gewalt in Beziehungen? Frauen hingegen müssen sich ihr ganzes Leben damit beschäftigen. Eine laute, aber sehr kleine Gruppe reagiert jetzt neagtiv auf diese Themen. Sie realisiert nicht, wie sehr ihr Privileg ihnen letztlich selbst schadet. Denn in der Realität ist sexueller Missbrauch kein Frauenthema, auch Männer werden missbraucht. Im derzeitigen System schweigen sie aber.

SPIEGEL ONLINE: Was können Studenten und Studentinnen tun?

De Four: In Amerika gilt oft: Du kannst alles allein schaffen - ohne Hilfe. Wir müssen uns aber stärker füreinander interessieren. Deswegen setzen wir vor allem auf die Umstehenden.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt?

De Four: Viele sehen beispielsweise auf Partys nur zwei Möglichkeiten: Entweder wende ich Gewalt an, oder ich tue gar nichts. Angenommen die Frau ist betrunken, du weißt aber nicht, wie betrunken. Dann suche jemanden, der sie besser kennt. Erkundige dich, ob alles in Ordnung ist. Hole ein Glas Wasser. Denke vor allem daran, dass es Täter gibt, die solche Situationen ausnutzen. Ich vergleiche das gern mit dem Satz: "Don't drink and drive!" Den hat inzwischen jeder verinnerlicht. Genauso wie du einen betrunkenen Freund vom Autofahren abhalten würdest, solltest du Freunde in so einer Situation davor bewahren, Sex zu haben. Das wäre schon ein großer Schritt.

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Seite 1
DerExperte 15.10.2014
1.
Mir ist bis heute nicht klar, wo konkret der Missbrauch liegen soll, wenn keine Gewalt angewendet, keine Zwangslage ausgenutzt und kein ausdrückliches Nein gesagt wird. Wer sich hemmungslos besäuft, tut manchmal Dinge, die er später bereut. Frauen einen exklusiven Schutz vor eigenen Fehlern zuzugestehen ist schlicht unsinnig.
nightwatchman 15.10.2014
2. Easy money
Man nehme ein paar allgemein bekannte Erkenntnisse zu dem Problem der sexuellem Gewalt, garniere sie mit ein paar ebenfalls bekannten Verhaltenstipps, präsentiere alles mit einer soliden ernsten und etwas betroffen Mimik und schon ist man Trainer und Ausbilder. Würde mich interessieren, was er so für eine Beratungsstunde nimmt.
adrianhb 22.11.2014
3.
Zitat von DerExperteMir ist bis heute nicht klar, wo konkret der Missbrauch liegen soll, wenn keine Gewalt angewendet, keine Zwangslage ausgenutzt und kein ausdrückliches Nein gesagt wird. Wer sich hemmungslos besäuft, tut manchmal Dinge, die er später bereut. Frauen einen exklusiven Schutz vor eigenen Fehlern zuzugestehen ist schlicht unsinnig.
Wenn Du gegen den Willen einer anderen Person eine sexuelle Handlung an dieser vornimmst, ist das sexuelle Vergewaltigung.Wenn sich eine Frau hemmungslos besäuft und Du mit ihr dann Sex hast, vergewaltigst Du sie wahrscheinlich. (abgesehen davon, dass Sex mit hemmungslos besoffenen Frauen ansich schon widerlich ist)Dass sie ihren Willen nicht mehr ausdrücken kann heißt nicht, dass der Sex ihrem Willen entspricht."kein ausdrückliches Nein gesagt" - das sagt alles ..."Wer sich hemmungslos besäuft, tut manchmal Dinge" - das Problem hier ist, dass mit ihm/ihr Dinge getan werden.
delta058 23.11.2014
4.
Interessant das SPON überhaupt nicht die kranken Auswüchse und vielen Gegner dieser Hexenjagd objektiv erwähnt. Warum auch, wäre ja journalistisch angemessen. An einigen Unis müssen z.B. (natürlich nur männliche) komplett auskunft über ihr Sexualleben einschließlich aller möglicher Fantasien geben. Ja, das "Land of the free", jepp free of Verstand
hadykhalil@web.de 06.12.2014
5. Gibs was schoeneres?
Die Natur hat es so eingerichtet, das, wenn man enthemmt ist, zb. Durch Drogen, das man dann sein U-Boot nicht scharf stellen kann. Das galt fuer die letzten 30 tausend Jahre, bis Viagra es moeglich machte sein U-Boot jederzeit scharf zu stellen. Wieviele von Hundert druecken in fragwuerdigen Augenblicken auf den Knopf. Braucht es Beweise, das Alkohol unsensibel macht? Es gab mal ein Medikament fuer Alkoholiker. Wenn man das einnahm, wird einem Uebel.wenn man zuviel Alkohol trinkt.. Wenn man dies Viagra beimischte, muesste man sich entscheiden, saufen, odrr Sex. Sex ohne Drogen, gibt es was schoeneres?
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