Vernetzte US-Schule Laptops ersetzen Lehrbücher

In Arizona wird die Zukunft der digitalen Schule schon heute getippt: Auf der Empire High School haben alle 340 Schüler einen Laptop bekommen - die Lehrbücher wurden abgeschafft. Hausaufgaben werden nun online verschickt, Internet-Links bestimmen den Unterricht.


Rabe als Maskottchen: Homepage der Empire High School

Rabe als Maskottchen: Homepage der Empire High School

"Wir lieben Bücher", das stellt Calvin Baker, Leiter des Schulbezirks Vail, gleich klar. Trotzdem startete das Schuljahr für die Schüler an der neu gegründeten Empire High School ohne Lehrbücher. Und das lag nicht an Lieferschwierigkeiten: Die Schule hat stattdessen jeden der 340 Schüler mit einem Laptop ausgestattet. Die Lehrbücher ersetzte die Schulleitung durch Programme und digitale Lehrsysteme.

Das Arbeiten mit den Klapp-Computern soll die Motivation der Schüler steigern. Das hoffen zumindest die Verantwortlichen der Schule und geben sich als Technik-Pioniere: "Wir waren schon immer bemüht, neue Technologien einzusetzen und scheuen auch nicht das Risiko", sagte Baker der Nachrichtenagentur AP. Die meisten Schulen nutzten Computer nur als Sahnehäubchen, erklärte Baker. "Wir dagegen glauben, Laptops sollten die Hauptzutat des ganzen Kuchens sein."

Porno-Filter für das Klassenzimmer

Dafür ist die Empire High School speziell auf das bücherfreie Lernen zugeschnitten. Die Schüler erhalten ihre Arbeitsanweisungen über das drahtlose Netzwerk. Um den Massen-Download von Musik, Filmen oder gar pornographischen Bildern aus dem Internet zu verhindern, wurde eine Filter-Software installiert, die kontrolliert, was heruntergeladen wird. Für die Schüler gilt außerdem Besuchsverbot in Chatrooms und auch Instant-Messenger-Systeme, mit denen in Echtzeit Nachrichten verschickt werden können, werden geblockt - schließlich sollen die Schüler nicht abgelenkt werden.

Mit der digitalen Anbindung soll vor allem der Unterricht dynamischer werden. Im Fach Gesellschaftswissenschaften sollen Links zu den Entscheidungen des Supreme Courts den Stoff veranschaulichen. In naturwissenschaftlichen Fächern lockern persönliche Berichte von Wissenschaftlern und Versuchsbeschreibungen die komplizierten Inhalte auf.

Der Übergang ins digitale Lehren sei einfacher gewesen als gedacht, berichtet Lehrer Jeremy Gypton. Seinen Schülern empfiehlt er nun zu jeder Stunde einige Websites, verschickt Links zu Artikeln in Online-Magazinen und er hat eine virtuelle Kommunikationsplattform eingerichtet, damit sich die Schüler auch am Wochenende austauschen und die Arbeiten der anderen kommentieren können.

Doch Gypton staunte, wie wenig sich die Schüler trotz der Professionalität im Umgang mit Videospielen und E-Mail-Programmen mit Computern auskannten. "Eine der größten Herausforderungen ist im Moment, den Schülern die Grundfunktionen in Word beizubringen und das Internet für mehr als eine einfache Google-Suche zu benutzen", erklärt Gypton.

Warteliste für die Laptop-Schule

Wie erwartet, hat die Schule bereits jetzt eine lange Warteliste. Julian Tarazon ist einer der Schüler, der gerade an der Empire High School eingeschult wurde. Er vermisse es nicht, eine Tasche voller Bücher umher zu schleppen, erklärt der Schüler. Die Arbeit mit dem Laptop gefalle ihm. "Es war erst ziemlich kompliziert, weil man alles ordentlich in verschiedene Verzeichnisse kopieren muss. Aber nach zwei Tagen hatte ich mich daran schon gewöhnt."

Auch seine Mitschülerin Morgan Northcutt ist von ihrem Laptop begeistert. Mit dem Computer könne sie die Hausaufgaben nicht nur schneller erledigen - sie vergesse sie nun auch nicht mehr so oft. "Manchmal gibt es zwar Probleme mit dem Internetzugang, aber eigentlich ist es ganz einfach", sagt die Schülerin.

Schummeln ist jedoch auch in der digitalen Welt der Empire High School tabu. Über eine spezielle Software werden die Hausaufgaben der Schüler auf nahe liegende "copy&paste"-Fälle geprüft. "Wenn du von Deinem Kumpel kopierst, kommt das raus", warnt Calvin Baker von der Schulbehörde. Das Programm soll auch testen, ob die Hausaufgaben der Schüler nur aus Internetquellen zusammengebastelt wurden. Für das Material der Lehrer gilt die Kopie-Kontrolle jedoch nicht.



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