Video-Fundsache Wie Studenten Condoleezza Rice zusetzten

Manchmal reichen kurze, simple Fragen, um selbst eine ehemalige US-Außenministerin in die Enge zu treiben. Ist Waterboarding Folter? Stanford-Studenten insistierten, ein YouTube-Video zeigt die Reaktion von Condolezza Rice. Sehenswert, findet SPIEGEL-Redakteur Jan Friedmann.


Die Kolume wird diesmal ernst, es geht um antike Tugenden und moderne Foltermethoden wie simuliertes Ertrinken. Jeremy Cohn und Sammy Abusrur, Studenten der Stanford University bei San Francisco, hatten die Chance, mit ihrer Ex-Außenministerin und Nun-wieder-Professorin Condoleezza Rice zu sprechen. Der folgende Dialog ist auf YouTube überliefert.

Student: "Ist Waterboarding Folter?"

Rice: "Der Präsident gab uns die Anweisung, nichts zu unternehmen, was gegen die Antifolterkonvention verstößt. Übrigens kam von mir keinerlei Genehmigung. Ich habe lediglich die Anweisung der Regierung an die CIA weitergegeben, dass sie also vonseiten des Justizministeriums grünes Licht hatten. Mehr habe ich nicht gemacht."

Student: "Okay. Ist Waterboarding Folter?"

Rice: "Ich habe gerade schon gesagt, dass man die Vereinigten Staaten von Amerika angewiesen hatte, nichts zu unternehmen, was gegen die Antifolterkonvention verstößt. Deswegen ist es also per Definition so, dass eine Anordnung, die vom Präsidenten kam, gar nicht gegen die Antifolterkonvention verstoßen konnte."

Student: "Gut. Danke! Alles klar."

Alles klar? Die Politikerin entlarvt sich mit ihrer dialektischen Verrenkung, und die fragwürdigen Methoden der Regierung Bush gleich dazu. Wie? Infolge einer simplen Frage.

Die antiken Denker nannten die Hervorbringung der Wahrheit in einem anderen Menschen "Mäeutik", Hebammenkunst. Das gezielte Fragen stand am Anfang jedes Studiums, Sokrates erhob es zum Lebensprinzip. Heute ist diese Fertigkeit verschüttet, irgendwo unter Credit-Points und Master-Modulen.

Jeremy und Sammy werden von ihren Kommilitonen und im Internet als Helden gefeiert - weil sie nachfragten.

Die zitierte Stelle beginnt bei 5:28 Minuten, nachdem die erkennbar genervte Ex-Außenministerin Rice einen anstrengend kritischen Studenten abfertigte, er solle "seine Hausaufgaben machen". Die Aufnahme wurde Ende April ins Netz gestellt - wenige Tage zuvor hatten Medienberichte belegt, dass Rice Waterboarding, die brutale Verhörmethode des simulierten Ertränkens von Terrorverdächtigen, im Namen der Bush-Regierung genehmigt hatte.



© UniSPIEGEL 3/2009
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