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06. Juli 2011, 11:19 Uhr

Vorwürfe gegen Althusmann

Uni prüft Doktorarbeit von Niedersachsens Kultusminister

Unsauber zitiert, fehlende Anführungszeichen: So lauten die Vorwürfe gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Der CDU-Politiker soll in seiner Doktorarbeit vielfach gegen wissenschaftliche Standards verstoßen haben, berichtet die "Zeit". Er räumte "mögliche handwerkliche Fehler" ein.

Berlin - Der niedersächsische Kultusminister und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann (CDU), soll nach einem Bericht der Wochenzeitung "Zeit" beim Verfassen seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben. Eine Analyse der Promotionsschrift Althusmanns belege, "dass der CDU-Politiker an vielen Stellen inhaltliche wie wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet hat", berichtet das Blatt. Anstelle von Zitaten habe er in Fußnoten häufig unbestimmt auf andere Autoren verwiesen.

Unstimmigkeiten fanden sich demnach auf 88 von 114 untersuchten Seiten der Schrift. Die Redaktion der Wochenzeitung hatte demnach rund die Hälfte der Promotionsschrift überprüft, nämlich Einleitung, Schlusswort und zwei Hauptkapitel. Sie fand "Hinweise darauf, dass Althusmann sich großzügig aus fremdem geistigen Eigentum bedient hat, ohne dies in der notwendigen Weise deutlich zu machen", heißt es in dem Artikel, der am Donnerstag erscheint.

In dem Text heißt es aber auch: "Ob ein bewusster Täuschungsversuch vorliegt, ob die Arbeit gar teilweise oder vollständig als Plagiat zu werten ist, muss eine weitere Prüfung zeigen."

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz räumte Althusmann ein, seine Arbeit könne "handwerkliche Fehler" enthalten. Dafür entschuldige er sich. Er betonte aber, es habe keinen Täuschungsversuch gegeben. Er habe seine Arbeit "nach bestem Wissen" und nach den ihm "damals bekannten Zitierstandards angefertigt".

Althusmann hatte Pädagogik an der Bundeswehruniversität Hamburg studiert und das Studium mit einem Diplom abgeschlossen. Anschließend studierte er noch Betriebswirtschaft an der Süddeutschen Hochschule für Berufstätige in Lahr, einer FH, und schloss dort ebenfalls mit einem Diplom ab. Promoviert wurde er aber erst im Jahr 2007, als externer Doktorand, an der Universität Potsdam zum Dr. rer. pol., mit einer Arbeit über "Prozessorganisation und Prozesskoordination in der öffentlichen Verwaltung".

Die Universität Potsdam bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass sie den Vorwürfen nachgehe. Im ersten Schritt werde sich der Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät mit dem Fall vertraut machen, sagte eine Sprecherin. Der Dekan werde Althusmann die Möglichkeit einräumen, sich zu äußern. Erst dann werde darüber entschieden, ob sich die Kommission zur Wahrung guter wissenschaftlicher Praxis des Falls annimmt. Althusmann kündigte an, mit der Universität zusammenzuarbeiten. Er sehe der Entscheidung gelassen entgegen.

Ein Regierungssprecher in Hannover sagte der Nachrichtenagentur dpa, Ministerpräsident David McAllister (CDU) werde die Ergebnisse der Prüfungen abwarten.

Die KMK, der Althusmann vorsitzt, hat unter anderem die Aufgabe, "Qualitätsstandards in Schule und Hochschule" zu sichern, wie es auf der Internetseite heißt.

otr/dapd/dpa

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