Plagiate in Doktorarbeiten Wanka fordert einheitliche Prüfstandards

Ihre Amtsvorgängerin stolperte über eine Plagiatsaffäre, jetzt will Johanna Wanka (CDU) das Thema selbst angehen: Die Bildungsministerin forderte in einem Interview, dass die Wissenschaft einheitliche Standards für die Überprüfung von Doktorarbeiten entwickelt.


Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will die Prüfverfahren bei Promotionen vereinheitlichen und damit Konsequenzen aus den Plagiatsaffären prominenter Politiker ziehen. "Ich werde im Wissenschaftsrat vorschlagen, dass dort Standards für die Überprüfung von Doktorarbeiten entwickelt werden", sagte Wanka der "Rheinischen Post". Dabei gehe es um Themen wie Gutachter, Dauer der Verfahren oder Verjährung, sagte Wanka. Diese Themen sollten "von der Wissenschaft angepackt werden".

Die Frage nach den Standards hatte im Fall von Wankas Vorgängerin Annette Schavan (CDU) eine Rolle gespielt. Schavan war im Februar als Bildungsministerin zurückgetreten, nachdem ihr die Uni Düsseldorf wegen "vorsätzlicher Täuschung" den Doktortitel entzogen hatte. Sie will dagegen klagen. Der Uni wurde damals unter anderem vorgehalten, dass sie keinen Gutachter von außen geholt und eine 30 Jahre alte Doktorarbeit nach heutigen Standards beurteilt.

Unterstützung für Wankas Vorstoß gab es sowohl aus der Koalition als auch seitens der Opposition. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, sagte der "Berliner Zeitung", Handlungsbedarf bestehe schon lange. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) sagte: "Wir brauchen in Deutschland dringend einheitliche Standards, sowohl für die Promotionsverfahren wie auch für die Prüfverfahren von Doktorarbeiten." Die Wissenschaft müsse das Problem umgehend angehen.

Es gibt bereits ein Papier des Wissenschaftsrats zu den "Anforderungen an die Qualitätssicherung der Promotion" (PDF). Darin schlug das Gremium bereits vor zwei Jahren vor, die Betreuung der Doktoranden klarer zu regeln und zu verbessern. Auch kritisierte er die Praxis, dass Hochschulen für besonders viele Doktoranden mehr Geld aus der leistungsorientierten Mittelvergabe bekommen.

Dass es Handlungsbedarf gibt, vor allem bei der Betreuung, ist weitgehend unstrittig. So hatte auch das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) kürzlich konstatiert: "Das Betreuungsverhältnis ist in den Promotionsordnungen weithin nicht institutionalisiert und wird deswegen auch nicht aktenkundig, Pflichtverletzungen bleiben folgenlos." (Hier gibt es die Studie als PDF.)


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otr/dpa



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rainer_daeschler 09.04.2013
1. Karriere-Accessoire Lieferant Universität
Die Standards waren nie das Problem, sondern dass die Arbeiten durchgewunken wurden, obwohl ie vor Plagiaten nur so strotzten. Das Problem sind diese Überholspuren für politische Hoffnungsträger, die der Wissenschaft nichts bringen, aber einer noch aufzubauenden "Lichtgestalt" das nötige Karriere-Accessoire. Auch schon die Forderung nach einer Verjährungsregelung zeigt das tiefe Missverständnis. Gemeint ist hier das Recht auf "Beuteeinbehalt". Ein verjährter Bankraub z.B. bedeutet Erlass der Strafe, aber nicht Überlassen der Früchte dieser Tat. Plagiatoren werden auch nicht vor ein Gerichte gezerrt. Der Doktorgrad wurde ihnen nie rechtmäßig erteilt.
5mark 09.04.2013
2. Politik muss so schön sein
Politiker haben es so einfach. Ein paar markige Worte in den Wind gehustet und fertig is. Um die Umsetzung und ob das überhaupt möglich ist, kümmern sich dann ja andere. Da steig ich auch ein und sage: Es muss in der heutigen Zeit doch möglich sein das die Autos aller Bürger mit verchromten Zündfunken ausgestattet werden. Einheitliche Standards. Während Philosophen, Juristen und andere Geisteswissenschaftler Bücher schreiben müssen, schreiben Mediziner ne 10-seitige Broschüre vergleichen 100 Knochen und finden dann raus, dass kurze Beine kleiner machen als längere. Und Voila, Doktor. Wie will man das vereinheitlichen?
Strangelove 09.04.2013
3. Ohne "Verjährungsregelung"....
Zitat von rainer_daeschlerDie Standards waren nie das Problem, sondern dass die Arbeiten durchgewunken wurden, obwohl ie vor Plagiaten nur so strotzten. Das Problem sind diese Überholspuren für politische Hoffnungsträger, die der Wissenschaft nichts bringen, aber einer noch aufzubauenden "Lichtgestalt" das nötige Karriere-Accessoire. Auch schon die Forderung nach einer Verjährungsregelung zeigt das tiefe Missverständnis. Gemeint ist hier das Recht auf "Beuteeinbehalt". Ein verjährter Bankraub z.B. bedeutet Erlass der Strafe, aber nicht Überlassen der Früchte dieser Tat. Plagiatoren werden auch nicht vor ein Gerichte gezerrt. Der Doktorgrad wurde ihnen nie rechtmäßig erteilt.
... gibt es wohl bald kaum noch einen Politiker mit Dr. Titel. Ich war auch überrascht, wie eine Bundesministerin und Professorin auf so eine unsinnige Idee kommen kann. Betrug ist Betrug auch nach 100 Jahren. Da das einzige was man im Fall einer Promotion behält der Titel ist ist es völlig richtig, dass dieser bei einem nachgewiesenen Betrug entzogen wird. Die ganze Verjährungsdiskussion ist hier fehl am Platz. Da kann man nur hoffen, dass diese inkompetente Politikerin uns ab September nicht noch weitere 4 Jahre beglückt.
Medienkenner 09.04.2013
4. optional
Frau Wanka suggeriert mit ihren Vorschlägen, daß an unseren Unis die Korrektur/Überprüfung von Doktorarbeiten mangelhaft ist. Das ist bloßer Quatsch; gleichzeitig entlarvt sich die Dame, wenn sie von "Gutachtern" spricht, die den Doktorvätern die Arbeit abnehmen sollen. Man kennt das ja das Spiel mit externen Gutachtern, die dann bei Bedarf gefällig sind. Außerdem spricht Frau Wanka von Verjährung - ja klar, damit können ihre Parteifreunde mit ergaunertem Doktortitel dann den Kopf aus der Plagiatsschlinge ziehen. Eine einzige Zumutung für unseren korrekten Wissenschaftsbetrieb, diese CDU-Dame.
erlenstein 09.04.2013
5. Berlusconimasche
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIhre Amtsvorgängerin stolperte über eine Plagiatsaffäre, jetzt will Johanna Wanka (CDU) das Thema selbst angehen: Die Bildungsministerin forderte in einem Interview, dass die Wissenschaft einheitliche Standards für die Überprüfung von Doktorarbeiten entwickelt. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/wanke-fordert-einheitliche-standards-fuer-doktortitel-a-893400.html
Die neue will also die alte Bildungsministerin indirekt rehabilitieren. Verjährungsfristen? Die waren neulich schon im Gespräch. Wenn also 10 Jahre nicht rausgekommen ist, dass der Doktorand betrogen hat, darf er seinen Titel behalten? Das ist eine unverschämte Forderung! Externe Gutachter? Oha, mit ihr gewogenen bzw. finanziell abhängigen Gutachtern wollte sich schon Frau Wankas Vorgängerin aus der Schlinge ziehen. Das Gebaren dieser Politikerkaste ist zum K.... Wenn sie es schaffen, bis zur Verhandlung der Klage der unsäglichen Madame Schavan ihre Vorstellungen durchzudrücken, haben wir hier bald Berlusconizustände. Je nach Bedarf Gesetze ändern um straffrei auszugehen war ja auch seine Masche.
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