Was kostet die Welt? London, toll und teuer

Die Miete wird pro Woche kassiert, der Supermarkt hat Tankstellen-Preise - wer in London leben will, der muss zahlen. UniSPIEGEL-Autor Dominik Cziesche rät: Am besten einfach nicht umrechnen und stattdessen die schnellste Metropole Europas genießen.


Londoner, die für einen Wochenendtrip nach Berlin fliegen, wollen oft gar nicht mehr weg: "It’s so cheap!", sagen sie nach der Rückkehr in ihre häufig beengten Wohnungen. Sie sind begeistert und zugleich überrascht, weil Deutschland doch eigentlich kein Schwellenland sei.

Die Verwunderung hat ihren Grund: Die Immobilienpreise in London sind höher als in Monaco und New York. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer Human Resources Consulting hat London hinter Moskau die zweithöchsten Lebenshaltungskosten der Welt. Das Einkaufen im gewöhnlichen Supermarkt kostet so viel wie in einer deutschen Tankstelle, und eine Busfahrt ist genauso teuer wie eine Taxi-Kurzstrecke in Berlin: drei Euro.

London ist großartig. Doch wer hier studiert, muss vorher sparen, Stipendien bekommen, wohlhabende Eltern anzapfen – oder am besten all das kombinieren. Außerdem sollte er aufhören, die Preise in Euro umzurechnen. Alles andere macht schlechte Laune. Es ist, wie man hier so sagt, wohl ein "good guess" zu behaupten, dass alles etwa so viel kostet wie bei uns in Deutschland, nur eben in Pfund, nicht in Euro – eineinhalb mal so viel.

Zimmer und Betten

Zimmerpreise in London werden pro Woche angegeben, alles andere würde schockierende Summen produzieren. Wer nicht direkt in der City wohnen muss, bekommt etwas für rund 150 Euro die Woche. Die meisten Monate haben übrigens viereinhalb Wochen. Wer mehr verlangt, sagen wir eine schicke West-Londoner Gegend, einen Südwest-Balkon oder auch einfach mehr als die üblichen acht bis zwölf Quadratmeter kann gut und gern das Doppelte zahlen. Mehr Platz hat, wer einen längeren Fahrtweg in Kauf nimmt und sich nicht daran stört, in einer weniger schicken Gegend zu wohnen, wie zum Beispiel dem Ost-Londoner Dalston oder in einigen Vierteln südlich der Themse – das klingt schlimmer als es ist.

Manche Studenten teilen sich ein Zimmer im Wohnheim und sind dann mit 300 bis 400 Euro im Monat dabei.

Der Wohnungsmarkt ist fix, immer in Bewegung, inseriert und eingezogen wird meist innerhalb einer Woche, und das spiegelt das Tempo, das diese Stadt jungen Menschen vorgibt: Viele kommen, um ein paar Jahre Geld zu verdienen, und verschwinden dann wieder in alle Welt. London ist die internationalste Stadt Europas, vielleicht gar der Welt, überfüllt, selten ruhig, aber attraktiv.

Wer hier als Student wohnt, wird selten etwas finden, das ihm das Gefühl eines dauerhaften Zuhauses vermittelt. Die meisten Zimmer sind zweckmäßig möbliert: Es empfiehlt sich ein Probeliegen auf der Matratze, wenn man Sprungfedern im Kreuz anstrengend findet.



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