Deutschlands beste Kunststudenten Zeigefreudige Zeitgenossen

Saufende Skinheads, grinsende Totenköpfe und übergriffige Museumswärter: Werden solche Werke den Kunstmarkt überzeugen? Ja, befand die Jury eines renommierten Wettbewerbs für Nachwuchstalente in Deutschland. Wir zeigen die besten Kunststudenten und ihre Arbeiten.

Jonas Englert

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Das Leben als Kunststudent ist hart. Immer einen auf Avantgarde machen, sich ständig erklären müssen und dabei selten verstanden fühlen. Nebenher muss noch ein eigener Stil entwickelt werden und es gilt, die unausweichlichen Fragen nach Projekten, Geld und Referenzen zu beantworten. Puh.

Dass dahinter auch viel Idealismus und Kreativität steckt, zeigt der Wettbewerb "Atlas 2013", dessen Ergebnisse nun an der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt werden. Der Bundeswettbewerb findet alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr zum 21. Mal. Einen Monat lang werden 200 Werke in Bonn ausgestellt. Eine Jury vergibt ein Preisgeld und zwei Werkstipendien.

Zu den Siegern gehören in diesem Jahr die fünfköpfige Performancegruppe Klunker von der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, das Team Marco Kugel und Eduard Stürmer von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe sowie Seth Pick, Staatliche Hochschule für Bildende Künste - Städelschule - Frankfurt am Main, und Ralph Schuster von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Jede Auszeichnung wird mit je 5000 Euro Preisgeld bedacht.

Besonders angetan war die Jury von Vroni Hammerls Performance "Umpositionierungsmaßnahme", bei der die Künstlerin als Aufseherin verkleidet auf die Besucher zugeht, sie hochhebt und an einen anderen Platz stellt. Sie erhielt gemeinsam mit Thomas Dawidowski von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ein Werkstipendium für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf.

"Kunststudenteninnen und Kunststudenten stellen aus" zählt zu den wichtigsten Wettbewerben für den angehenden Künstlernachwuchs in Deutschland. Er gibt außerdem einen Überblick von dem, was junge Menschen in Deutschland gerade in der Kunst umtreibt.

Nominiert werden Künstler, keine Werke

Für den Wettbewerb werden alle 24 in der Kunsthochschulkonferrenz organisierten Akademien und Universitäten aufgefordert, je zwei Studenten mit ihren Werken zu nominieren. Diese dürfen dann frei entscheiden, mit welchen Kunstwerken sie sich zeigen wollen. Mit vier Künstlerduos und dem Klunker-Team kam man in diesem Jahr auf 56 Nominierte.

Die Hochschulen wählen Künstler aus, keine bestimmten Werke. Häufig schaffen es dabei Studenten aus den höheren Semestern auf die Nominierungsliste, denen die Hochschulen bereits eine künstlerische Reife und eigenständige Position zutraut.

Auf diese Art kracht für den Wettbewerb ein Sammelsurium an Maler-, Video-, Bildhauer-, Grafik-, Fotografie-, Installations- oder Performancekunst aufeinander. Lauter Einzelkunstwerke, ohne ein gemeinsames Thema, ohne einen gemeinsamen Nenner.

Schwer zu vergleichen und doch ein Querschnitt durch die deutsche Kunsthochschullandschaft. Organisiert wird der Wettbewerb vom deutschen Studentenwerk, finanziert wird es vom Bundesbildungsministerium.

Preisgeld und Kontakte für die Kunst

Für die Kunststudenten ist der Wettbewerb vor allem wichtig, um ihre Werke einmal außerhalb der Akademieräume präsentieren zu können. Außerdem geht es auch um Kontakte zu Galeristen und Sammlern. Noch immer gibt es für den Zugang zum Kunstbetrieb keinen Königsweg. Die Institution Kunsthochschule steht dabei durchaus in einem kritischen Diskurs.

Trotzdem bietet sich für Kunst-Scouts die Möglichkeit, bei diesem Wettbewerb in der Masse die nächste richtungweisende Generation von Künstlern zu entdecken. Und das Publikum erhält einen Eindruck, was an Kunsthochschulen heute alles fabriziert wird.

Dabei sind die Grenzen oft fließend: Der Katalog zur Ausstellung wurde von dem Kunstmagazin "Monopol" bereits im Vorfeld zum ersten "informellen Gewinner" geadelt. Der "Atlas 2013", der alle Künstler vorstellt wurde in diesem Jahr von der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gestaltet.

Die Aufmachung sei "experimentierfreudig gelayoutet, in angemessenem Ausmaß verwirrend und bietet trotzdem einen guten Einstieg in die präsentierten Werke".

Der UniSPIEGEL zeigt aus dem "Atlas 2013" die Gewinner des Wettbewerbs und eine Auswahl der nominierten Werke. Betrachten Sie die mögliche Zukunft des deutschen Kunstbetriebs. mehr...


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Seite 1
karsten rohde 03.05.2013
1.
Zitat von sysopJonas EnglertSaufende Skinheads, grinsende Totenköpfe und übergriffige Museumswärter: Werden solche Werke den Kunstmarkt überzeugen? Ja, befand die Jury eines renommierten Wettbewerbs für Nachwuchstalente in Deutschland. Wir zeigen die besten Kunststudenten und ihre Arbeiten. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/wettbewerb-atlas-2013-der-besten-kunststudenten-in-deutschland-a-897682.html
Hoffentlich wird das bald vom Fernsehen aufgegriffen, verfilmt und dem Demokratie-Abgabe zahlenden Publikum vorgeführt. Hört sich spannend an.
Gerixxx 04.05.2013
2. Lol
Man stelle sich vor, kreative unabhängige Geister, mit denen sich auch spätere Generationen noch gern befassen und auseinandersetzen, würden sich nachfolgende Frage stellen, so wie sie der Autor meint in seinem ersten Satz schreiben zu müssen: "Werden solche Werke den Kunstmarkt überzeugen?" LOL
Stäffelesrutscher 04.05.2013
3.
Und woran erkennt man, dass das die besten sind? Seit wann kann man Kunst messen?
CaptainSpock 05.05.2013
4. hmmm....
Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie bekomme ich bei dieser Art von Kunst keinen so richtigen "Wow!" Effekt. Was Kunst ist, ist immer subjektiv und wohl daher auch schwer zu bewerten.
mm71 05.05.2013
5.
Zitat von StäffelesrutscherUnd woran erkennt man, dass das die besten sind? Seit wann kann man Kunst messen?
Messen nicht, beurteilen schon, ein Rest Subjektivität bleibt aber natürlich immer. Das ist ja letztlich auch das Reizvolle. Allerdings frage ich mich immer, wenn ich durch ein Museum laufe, Werke aus allen Kunstepochen sehe und schliesslich ratlos im Saal mit der Postmoderne stehe: Wann haben die Künstler eigentlich so schreckliche Angst vor der Schönheit bekommen? Wäre DAS nicht mal ein richtiger Tabubruch? Mal wieder nach dem Schönen zu gucken, dass den Dingen innewohnt? Aber das wird den Schülern an den Hochschulen und Akademien wohl gründlichst ausgetrieben...
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