Horrorgeschichten von WG-Castings "Danach musste ich mich übergeben"

Indiskrete Fragen, unmoralische Angebote, Eltern als Begleitung: Die Suche nach einem WG-Zimmer oder einem Mitbewohner ist voller Tücken. Hier erzählen Studenten von ihren schlimmsten Erfahrungen.

Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett
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Endlich ist es so weit: Die Uni hat zugesagt, und das Studium kann beginnen. Doch noch vor Semesterbeginn steht oft die erste große Prüfung an: die Suche nach einem WG-Zimmer.

Ist das passende Angebot gefunden und ein Besichtigungstermin ausgemacht, müssen eigentlich nur noch die potenziellen Mitbewohner überzeugt werden. Natürlich putzt man gern und kocht für die komplette WG, nie ist man laut, dafür bringt man aber eine Waschmaschine mit - alles in allem ist man also der perfekte Kandidat.

So leicht lassen sich einige WGs jedoch nicht um den Finger wickeln. Es werden indiskrete Fragen gestellt, Tests gefordert und Fotos gemacht. Doch auch die Suche nach einem neuen Mitbewohner kann zur Herausforderung werden. Spätestens wenn die ersten Kandidaten gemeinsam mit ihren Eltern in der Tür stehen, wird aus dem entspannten Casting eine skurrile Stresssituation. Für uns haben Studenten sich an ihre schlimmsten WG-Castings erinnert.

  • Stephanie (26) auf Mitbewohnersuche in Leipzig: "Er wollte mir die Füße massieren"

"Bei mir war mal ein Physiotherapeut zur Wohnungsbesichtigung. Er meinte, dass er natürlich auch seine Massageliege mitbringen würde und mich gern behandeln könne, wenn ich Probleme habe. Ich habe ihm dann per SMS abgesagt - daraufhin wollte er wissen, ob er mir nicht vielleicht wenigstens mal die Füße massieren dürfe.

Kurze Zeit später hat mir dann ein Freund erzählt, dass jemand bei ihm ein Wochenende als Couchsurfer verbracht habe. Im Gegenzug wollte er der kompletten WG die Füße massieren. Wir haben dann festgestellt, dass es derselbe Typ war."

  • Elli (22) auf WG-Suche in Frankfurt: "Die Mutti hat sich erst mal ne Kippe angemacht"

"Ich habe mir in Frankfurt eine WG angeschaut, war allerdings nicht die einzige Interessentin, die zur Besichtigung erschienen ist. Auch der 24 Jahre alte Kevin ist zu dem Termin aufgetaucht - gemeinsam mit Mutti. Kevin hat sich auf einen Stuhl gesetzt, und Mutti hat sich erst mal eine Kippe angezündet und angefangen zu erzählen:

Es sei so schlimm mit dem Jungen. Nach der Ausbildung habe er keinen Job gefunden und würde jetzt wieder bei ihr auf der Couch wohnen. Seit drei Monaten. Das nerve sie sehr, denn eigentlich habe sie keinen Bock auf Kevin. Er sei vollkommen unfähig, Leute kennenzulernen. Nun suche sie für ihn eine WG mit mehreren Mitbewohnern. Kevin sitze nur vorm PC und lebe auf ihre Kosten. Das Schlimmste sei jedoch, dass sie nicht mehr morgens im Wohnzimmer ihre Kippe rauchen könne, weil 'der Kevin' Asthma habe. Und da sei ihre Grenze endgültig erreicht.

Mir tat Kevin ziemlich leid und die Situation war sehr unangenehm. Aber am Ende habe ich das WG-Zimmer bekommen und war ziemlich froh darüber."

  • Martin (26) auf WG-Suche in Hamburg: "Bitte schicke uns ein Ganzkörperfoto"

"Ich bin bei der WG-Suche auf eine recht interessante Anzeige gestoßen. Es ging um eine Art Wohnprojekt, bei dem acht junge Leute sich gemeinsam ein Haus teilten. Das Zimmer war überraschend günstig und das Angebot klang zu gut, um wahr zu sein - war es dann leider auch. Ich wollte einen Besichtigungstermin ausmachen und das Telefonat lief schnell in eine merkwürdige Richtung.

Im gesamten Haus stünden alle Türen immer offen, wurde mir erklärt. Man dürfe kein Problem damit haben, dass mal jemand aufs Klo geht, wenn man unter der Dusche steht. Außerdem seien die Beziehungen im Haus sehr eng, auf Klamotten würde man gern verzichten. Dafür kenne man sämtliche Vorlieben seiner Mitbewohner - es solle keinerlei Geheimnisse in der Gemeinschaft geben. Als mir der 'schalldichte Partykeller' angepriesen wurde, klickte ich bereits durch andere WG-Angebote. Zum Abschluss des Gesprächs bat man mich noch, ein Ganzkörperfoto zu schicken. Man wolle sich vergewissern, ob ich vom Typ her passe, bevor man mich zur Besichtigung einlade. Ich habe natürlich nichts geschickt."

  • Sinah (28) auf WG-Suche in Wien: "Ich musste einen Multiple-Choice-Test ausfüllen"

"Es war die zweite Wohnungsbesichtigung meines Lebens, und ich war noch relativ eingeschüchtert, deshalb habe ich die Aktion wohl auch mitgemacht. Ich habe mir ein Zimmer bei zwei Psychologie-Studenten angeschaut. Nach einer kurzen Begrüßung wurde mir ein doppelseitig bedruckter Fragebogen in die Hand gedrückt.

Gemeinsam mit einem zweiten Interessenten saß ich dann am Küchentisch und habe Multiple-Choice-Fragen beantwortet. Ich weiß nicht, ob die einfach Zeit sparen wollten oder ob es ein Test für ihr Studium war, die Fragen waren okay - bis man am Ende auch die potenziellen Mitbewohner bewerten sollte. 'Findest du uns sympathisch?' Man sollte das auf einer Skala von 'sehr' bis 'gar nicht' bewerten.

Später bekam ich dann einen Anruf, dass ich das Zimmer haben könne. Mir war das allerdings doch etwas zu abgefahren, also habe ich weitergesucht."

  • Kathrin (31) auf WG-Suche in Köln: "Ich musste mich danach übergeben"

"Es roch nach Salami in seiner Wohnung. Er bot mir einen dieser quietschenden Fitnesshocker an, die leicht abgeschrägt sind und sagte, das sei sein Klavierstuhl. Dann sagte er, er mache Musik. Ohne abzuwarten, klickte er auf seinem uralten PC etwas an, es erschien ein Office-98-Word-Dokument mit Gitarrengriffen. Aus den Boxen kam Panflötenmusik, und er spielte auf einer sehr kleinen Gitarre dazu.

Als er fertig war, sagte er, er mache auch Kunst und zeigte auf Specksteinfiguren in einem Regal. Es waren Brüste, nackte Frauen, Sexszenen. Besonders talentiert war er wohl nicht. Nach der "Vorführung" durfte ich gehen. Ich musste mich in einem Gebüsch im Industriegebiet von Köln, wo die Wohnung lag, übergeben, weil ich mittlerweile auch sehr nach Salami roch. Ich bin nicht dort eingezogen."

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Glucken, Schnorrer, Spießer - Diese Typen findet man in einer WG:



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