Hilfe von der WG-Therapeutin Sie trinkt, raucht, brüllt - was tun, Frau Stiehler?

Immer wenn Tatjanas Mitbewohnerin von der Arbeit kommt, betrinkt sie sich und ist "gegen 20 Uhr schon völlig weg". Dann raucht sie und schreit durch die Wohnung. Wie kann sich Tatjana vor ihr schützen?

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Tatjana* schreibt:

"Wir leben in einer Fünfer-WG in einer wunderschönen Altstadtwohnung in einer Studentenstadt. Drei meiner Mitbewohnerinnen sind alle in meinem Alter, Anfang bis Mitte 20, und studieren. Die Fünfte lebt seit 1997 hier und ist mittlerweile Mitte 50. Sie arbeitet zwar den Tag über, aber sobald sie nachmittags zu Hause ist, fängt sie an zu trinken und ist meistens gegen 20 Uhr schon völlig weg.

Dazu raucht sie, mittlerweile zwar nur noch in ihrem Zimmer, aber sie vergisst oft, die Tür richtig zu schließen oder das Fenster zu öffnen. Wir haben mittlerweile sogar Angst, sie setzt mit ihren Zigaretten die Wohnung in Brand.

Die restlichen Mitbewohner inklusive mir sind alle Nichtraucher, und auch laut Mietvertrag ist das Rauchen verboten. Trotzdem stinkt die komplette Wohnung, wenn sie da ist. Vor einer kleinen Renovierung war auch die Flurdecke gegenüber ihrem Zimmer komplett schwarz.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Wenn sie betrunken ist, läuft sie auch schon mal durch den Flur und beschimpft uns oder fängt Streit an. Oft fühlt sie sich angegriffen, wenn wir sie darauf hinweisen, dass sie den Putzplan nicht einhält.

Wir sind natürlich an allem in ihrem Leben schuld. Tatsächlich erscheint sie öfter wie ein Teenager statt einer Erwachsenen. Frühere Mitbewohner sind ihretwegen ausgezogen.

Mittlerweile fühlen wir uns nur wegen ihr unwohl in der Wohnung und manchmal sogar bedroht, vor allem wenn sie wieder betrunken durch die Wohnung schreit. Leider hat sie dann keinen vernünftigen Gedanken mehr und ist völlig kopflos.

Vom Vermieter bekommen wir leider keine wirkliche Hilfe, obwohl sie schon eine Abmahnung hat. Reden funktioniert nur bedingt und für kurze Zeit, und auch Vereinbarungen werden nicht eingehalten. Langsam sind wir mit unserem Latein am Ende. Wie können wir weiter vorgehen?"

*Name geändert

Zur Person
  • Amac Garbe
    Sabine Stiehler lindert den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.

Sabine Stiehler antwortet:

"Liebe Tatjana,

Sie haben geschrieben, dass Sie vom Vermieter keine richtige Hilfe bekommen. Das können Sie so nicht hinnehmen: Er muss der Frau kündigen. Machen Sie ihm klar, dass Sie Angst vor der Mitbewohnerin haben. Sagen Sie ihm, dass Sie befürchten, sie könnte die Wohnung in Brand setzen, wenn sie volltrunken raucht.

Gehen Sie am besten mit Ihren drei anderen Mitbewohnerinnen zu dem Gespräch. Wenn Sie in der Gruppe kommen, können Sie die Dringlichkeit Ihres Anliegens unterstreichen. Ist der Vermieter nicht vor Ort, dann gehen Sie zur Hausverwaltung.

Sollten Sie wieder Angst haben, Ihre trinkende Mitbewohnerin bringt Sie in Gefahr, dann sprechen Sie direkt mit ihr, wenn Sie von der Arbeit kommt und noch nicht betrunken ist. Sagen Sie ihr, dass Sie Angst haben, dass mal eine glühende Zigarette liegen bleiben könnte. Ziehen Sie für dieses Gespräch noch eine zweite Mitbewohnerin hinzu.

Wenn Ihre ältere Mitbewohnerin betrunken herumschreit, dann gehen Sie Ihr in diesem Moment lieber aus dem Weg. Vermeiden Sie den Kontakt mit ihr, sonst lassen Sie sich vielleicht noch zu irgendetwas hinreißen, was Ihnen später leidtun könnte. Sie könnten Sie dann vielleicht auch anschreien - damit würde die Situation nur eskalieren. Wenn diese Mitbewohnerin betrunken mit Ihnen sprechen will, sagen Sie ihr, dass Sie erst wieder mit ihr reden, wenn sie nüchtern ist."

insgesamt 12 Beiträge
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dasfred 12.12.2018
1. Heftige Thematik
Ich muss sagen, der heutige Tipp trifft den Kern. Ein Alkoholiker, bzw. eine Alkoholikerin in der WG, die täglich die Kontrolle über sich verliert, ist eine enorme Belastung. Da die Frau ja auch keine Einsicht zeigt und keinen Versuch startet, ihre Abhängigkeit behandeln zu lassen, ist die Kündigung die einzige Möglichkeit.
bj68 12.12.2018
2. Hm....
wer ist der Hauptmieter bzw. wie sind die Mietverhältnisse geregelt...kann durchaus sein, dass eine Kündigung gar nicht möglich ist, weil die "Dame" der Hauptmieter ist. Ansonsten wenn sie besoffen ist und rumzickt oder gar droht....u.U. die Polizei rufen, eskaliert dann zwar auch, aber warum soll für eine WG nicht das gleiche gelten, was bei Drohungen/Streit bei Paaren in deren Wohnung gilt....wer droht fliegt aus der Wohnung. Bj68
Sueme 12.12.2018
3.
Vermutlich gibt es keinen Hauptmieter sondern die einzelnen Zimmer werden direkt vom Eigentümer vermietet. Vermieter sind ja auch nicht dumm und haben inzwischen festgestellt das sich so ja eine noch höhere Rendite erwirtschaften lässt.
Bruno Bug 12.12.2018
4. So fällt unser Mietrecht auf die Mieter wie ein Sack Kartoffeln
Ich finde das prima. Auf diese Weise können die jungen Studenten die Realität unseres von allen Mietern so hoch geschätzten und geliebten Mietrechts am eigenen Leibe erfahren. Pech gehabt. Nichts machen kann der Vermieter. Rauchen und Saufen ist ein Lebensrecht und der Vermieter kann da nicht viel machen, wie einige Urteile im Sinne von Rauchern kürzlich bestätigt haben. Hoffentlich kaufen sie sich mal später ein freistehendes Einfamilienhaus mit guter Nachbarschaft. Ansonsten müssen sie damit Leben, dass ein Mieter/Untermieter/Mitbewohner eigentlich so alles, bar eines Tötungsdeliktes, machen kann was er/sie will. In unserem Rechtsstaat heißt es nämlich: Im Zweifel für den Mieter. Also ziehen sie am Besten einfach aus und suchen sie nach was Neuem. Viel Glück damit, in einer Studentenstadt, und schauen sie sich die Mitmieter/Untervermieter besser vorher gut an, ohne Garantie natürlich, denn Menschen ändern sich nun mal. Und bei der nächsten Wahl beachten sie bitte das Programm ihrer favorisierten Partei ob die noch mehr Rechte den Mietern zuschanzen will (sehr wahrscheinlich).
jannik.b 12.12.2018
5. Am besten Hilfe beim örtlichen Mieterverien holen
Dessen Juristen kennen alle Paragraphen wie es im Falle einer Störung des Hausfreidens zur fristlosen Kündigung kommen kann. Dann die Fälle dokumentieren, Zugen benennen und damit perfekt vorbereitet zum Vermieter gehen. Und falls es nicht klappt und die Lage weiter eskaliert, kennen die Juristen dort alle Wege wie man selber schnell aus dem Mietvertrag herauskommt.
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