Hilfe von der WG-Therapeutin Wie wird man eine Mitbewohnerin los?

Sie ist unzuverlässig, randaliert und hat sich in den Mitbewohner verliebt: Gina ist von ihrer Zimmernachbarin total genervt. Wie schafft sie es, dass sie die WG verlässt?

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Gina* schreibt:

"Meine Mitbewohnerin hat psychische Probleme. Bereits kurz nach ihrem Einzug war sie kaum noch in der WG, sondern ständig bei ihrer Mutter, die nur eine halbe Stunde entfernt wohnt. Sie ist unzuverlässig, unpünktlich und hat seltsame Ansichten. Meiner Meinung nach ist sie in einer WG nicht richtig aufgehoben, da ihr hier die tägliche Routine und Struktur fehlt.

Dann ist vor Kurzem Max eingezogen. Zwischen den beiden hat es gefunkt und sie haben eine lose Beziehung angefangen. Kaum vier Wochen später hat Max jedoch die Reißleine gezogen. Damit kam sie überhaupt nicht klar.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Als er neulich in sein Zimmer kam, war es total verwüstet, Regale waren umgeschmissen und der Inhalt über den Boden verteilt. Wir haben alle keine Schlösser in unseren Zimmertüren, da wir immer einander vertraut haben und es bisher auch keine Probleme gab. Die Mitbewohnerin ist die Einzige, die sich einen Zimmerschlüssel vom Vermieter hat machen lassen.

Vor zwei Wochen kam sie in mein Zimmer und wollte etwas suchen. Sie dachte, ich sei nicht zu Hause, ich lag jedoch krank im Bett. Ich habe sie rausgeschmissen und am Nachmittag auf die Situation angesprochen. Sie hat sich wieder mit ihrer Krankheit herausgeredet, gesagt, dass es ihr gerade nicht gut geht, dass sie ziellos umherläuft und deswegen ins Zimmer kam.

Wir sind sehr frustriert und Max möchte nun ausziehen. Allerdings wäre es uns allen lieber, wenn die Mitbewohnerin gehen würde, da sich die restliche WG gut versteht.

Was können wir tun?"

*Name geändert

Zur Person
  • Amac Garbe
    Sabine Stiehler lindert den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.

Sabine Stiehler antwortet:

"Liebe Gina,

Ihre Mitbewohnerin weiß offenbar, dass es ihr nicht gut geht, sonst hätte sie als Entschuldigung nicht ihre Krankheit angeführt. Hier können Sie andocken und mit ihr über ihre Probleme reden. Organisieren Sie ein WG-Gespräch und fragen Sie die Mitbewohnerin, wie sie sich das weitere Zusammenleben vorstellt.

Sie scheint mit dem Leben in der WG überfordert zu sein, sonst würde sie nicht so oft zu ihrer Mutter gehen. Doch dort will sie offenbar auch nicht längerfristig leben. Fragen Sie sie, ob es für die Mitbewohnerin nicht besser wäre, in einer eigenen Wohnung zu leben.

Mir scheint auch, dass nicht ganz klar ist, ob sie diejenige war, die das Zimmer von Max verwüstet hat. Falls sie es wirklich getan hat, stellen Sie die Mitbewohnerin beim Gespräch zur Rede. Sie können auch dem Vermieter davon berichten und ihn darum bitten, die Mitbewohnerin zu ermahnen. Falls so etwas noch mal passiert, kann der Vermieter der Mitbewohnerin kündigen.

Dann rate ich Ihnen, Schlösser an Ihren Zimmern anbringen zu lassen. Sie wohnen schließlich mit Menschen zusammen, die Sie kaum kennen. Vertrauen sollten Sie niemals vorschießen, Vertrauen müssen sich Bewohner einer WG erst erarbeiten.

Und wenn Max ausziehen möchte, lassen Sie ihn gehen. Es bringt nichts, ihn zu überreden, in der WG zu bleiben."

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Seite 1
whitewisent 06.03.2019
1.
Manchmal sollte man vieleicht auch einen Juristen antworten lassen. Denn die Grenze zwischen Kritik, Mobbing und anderen Problemen ist sehr Schmal. Wenn nächstes Mal die Mitwohnerin sich über Gina aufregt, was kommt dann? Das Problem fängt doch bereits damit an, daß hier keine echte Wohngemeinschaft besteht, deren Mitglieder sich die neuen Mitbewohner aussuchen, und sie entfernen können. So ist es lediglich eine Zimmervermietung ohne Schlösser. Was scheinbar erwünscht war. Das dieses Fehlen von Schranken dazu führt, dass mancher Eigentum wie in einer Kommune als Allgemein nutzbar ansieht, ist ein Problem der Bewohner unter sich. Was soll der Vermieter denn machen? Es gibt im Mietrecht keine "Ermahnung auf Zuruf". Für Abmahnungen bedarf es gerichtsfester Gründe, also eine schriftlichen Beschreibung der Probleme durch Gina und Max. Was auch sinnvoll ist, da man im echten Leben sich dabei manchmal bewußt wird, wie bedeutsam Probleme sind, und ob eine Hilfe von außerhalb wirklich berechtigt. Ein verwüstetes Zimmer muss bei der Polizei angezeigt werden. Man kann das nicht über Wochen/Monate als Argument bringen, weil man dann selbst im Konfliktfall in der Beweislast ist. Das klassische WG-Problem ist hier Max. Simple Regel, "Man isst nicht da wo man sch....", bewahrheitet sich auch mal wieder hier. Wer diese Grenze des Zusammenlebens überschreitet, muss die Konsequenzen tragen, die eben in dem Auszug besteht, nicht dem Verdrängen des verlassenen/verletzten Partners.
dasfred 06.03.2019
2. Schlimme Konstellation
Ich muss sagen, ich finde den Rat heute sehr schwammig formuliert. Da wird Nr.1 whitewisent doch wesentlich konkreter. Eine Mitbewohnerin mit psychischen Problemen ist für die unbedarften Mitmieter eine erhebliche Belastung. Ich habe sowas in meiner Studentenzeit selbst erlebt, aber die Frau ist dann recht schnell selbst ausgezogen und hat dann andere genervt.
DerAndereZauberer 06.03.2019
3.
#1 hat aber mit dem klassischen WG-Alltag nix zu tun, da geht es ja nicht um Mietrecht sondern um miteinander klarkommen, und kein Gericht hilft da. Es geht nur um "wer zieht aus und wie macht man das". Mir scheint es hier so, als hat die Fragende als einzige in dieser Konstellation keinen aktiven Bockmist gebaut. Eigentlich müssten die anderen beiden ausziehen, zumindest wenn man einen Funken Anstand unterstellen dürfte. Wer was mit einer Mitbewohnerin anfängt, hat eigentlich nur 2 Möglichkeiten: (1) beenden und schnell selbst ausziehen, oder (2) mit ihr zusammenbleiben und in eine neue gemeinsame Wohnung ausziehen. Alles andere muss doch schiefgehen. Der einzig richtige Rat an die Fragende hier ist doch: Mal angenommen, dass die Situation in Summe in etwa so schlimm bleibt wie sie derzeit ist ... ist dann die Vorstellung selbst auszuziehen noch schlimmer? Wenn die Antwort darauf "nein" ist, dann muss man eben selbst die Reißleine ziehen. Wenn die Antwort "ja" ist, dann muss sie es eben aushalten und mit etwas "gesundem Menschenverstand" versuchen die Extreme etwas abzumildern.
Nania 06.03.2019
4.
Ich denke, dass wir es hier auch stark mit divergierenden Vorstellungen vom WG-Leben zu tun haben. Auch wenn die Schreiberin glaubt, dass ihrer WG-Partnerin für das Leben in einer WG nicht geeignet ist, heißt das nicht automatisch, dass dem wirklich so ist. Es kann auch sein, dass diese (junge) Frau einfach ein anderes Verhältnis zum Leben in der WG hat. Nur, weil sie häufig bei Ihrer Mutter ist, heißt das nicht, dass sie dauerhaft zuhause wohnen möchte. Es kann auch einfach bedeuten, dass sie sich noch nicht soweit abgenabelt hat. Da ist auch unbedingt eine eigene Wohnung keine bessere Idee, da würde ich sogar aufgrund meiner eigenen Erfahrung vehement widersprechen. Im schlimmsten Fall vereinsamt sie dort nämlich vollends oder nutzt die Wohnung überhaupt nicht. Ich denke auch, dass da ein klärendes Gespräch die beste Alternative für alle Beteiligten ist und DANACH eine Entscheidung getroffen werden sollte.
ergruender 06.03.2019
5. Mutter
Also ich würde in solch einem Fall mit der Mutter "unter 4 Augen" sprechen, um eine Lösung zu finden. Sie wohnt ja in der Nähe. Man sollte die Mitbewohnerin nicht einfach im Stich lassen! Hat sie einen Psychiater oder Psychologen? Falls nicht, sollte die Mutter ihrer Tochter raten, sich behandeln zu lassen. Wenn Max ausziehen will, soll er das bitte tun! Dann wird es ihr vermutlich besser gehen und sich sozialer verhalten!
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