Hilfe vom WG-Psychologen "Ich habe mich richtig schwer in ihn verliebt"

Sofia ist begeistert von ihrem neuen WG-Mitbewohner. Zwar sind sie eigentlich nur Freunde, aber inzwischen hat sie sich verliebt. Dabei erzählt er ständig von anderen Frauen, die er gerade heiß findet. Und nun?

Liebesschloss
DPA

Liebesschloss

Von Ludger Büter


Sofia* schreibt:

Hallo Herr Büter,

ich bin eine 24-jährige Studentin und wohne schon seit einigen Jahren in einer etwas größeren WG. Vor einigen Monaten ist ein neuer Mitbewohner eingezogen. Wir verstehen uns großartig, machen viel zusammen und haben viele gemeinsame Interessen. Seit einigen Wochen ist mir aufgefallen, dass ich ihn wohl mehr als nur nett finde. Ich habe mich sogar richtig schwer in ihn verliebt, was bei mir sehr selten bis nie vorkommt.

Mein Problem ist jetzt nicht nur, dass er mein Mitbewohner ist, sondern auch, dass er mir häufig von anderen Frauen vorschwärmt. Er erzählt mir, mit wem er sich eine Beziehung vorstellen könnte und wen er gerade heiß findet. Ich möchte unsere Freundschaft nicht zerstören und dennoch schmerzt es, ihn jeden Tag zu sehen und nichts sagen zu können.

Ich weiß nicht mehr weiter und hoffe, dass Sie einen Tipp für mich haben.

Liebe Grüße

Sofia

* Name geändert

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Liebe Sofia!

Ihr Mitbewohner lässt Sie vertrauensvoll an seiner Fantasiewelt teilhaben, in der er eine Rolle spielt, die er nicht zu leben wagt. In Wahrheit ist er in Liebesangelegenheiten, wenn es darauf ankommt, wohl so zurückhaltend und wenig erfahren wie sie selbst. Einerseits beweist seine Vertrauensseligkeit bei diesem Thema die enge freundschaftliche Verbundenheit mit Ihnen, worüber Sie sich freuen können. Andererseits signalisiert er Ihnen, ihm gute Freundin zu sein, aber nicht zum Kreis seiner Favoritinnen zu gehören.

Sie tun gut daran, das als seine Art zu akzeptieren, seinen Standort zu bestimmen. Sollte ich Ihnen nun zu "Sportlichkeit " raten, indem Sie Ihren eigenen Charme und ungewisse Chancen bei einem Mann austesten, der Sie nicht umwirbt und sich alle paar Tage in eine andere Frau verliebt? Scheitert das vorab an ihm oder hinterher an Ihrer eigenen Enttäuschung, ist es um die Freundschaft geschehen. Mehr noch: Kummer und Peinlichkeit wären garantiert, weil Sie als WG-Nachbarn Tür an Tür wohnen.

Was ich Ihnen ohne Vorbehalt empfehlen kann, ist deshalb dieses: Bewahren Sie sich die Freundschaft mit diesem Mann. Teilen Sie ihm mit, dass seine Frauenfantasien Sie kränken oder auch nur nerven. Nicht wenige Frauen würden es ihm als ungalant zurückgeben. Sehr zu Recht, wie ich meine!

Heftige Verliebtheit pflegt nicht lange anzuhalten. Noch schneller und aufgrund Ihrer eigenen Initiative eleganter geht es so: Öffnen Sie sich außerhalb der WG für eine Beziehung, die Ihnen gibt, was Sie sich erhoffen, aber von Ihrem Nachbarn höchstwahrscheinlich nicht bekommen werden. Sollte er denn der einzige Mann sein, der entsprechende Wünsche bei Ihnen weckt?

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
super-m 04.03.2017
1.
Was für seltsame Ratschläge man hier immer wieder liest. Da fragt man sich, was so ein Titel als Diplom Psychologe tatsächlich wert ist. "Alle paar Tage in eine andere Frau VERLIEBT", "der Sie nicht unwirbt"... Männer sehen erfahrungsgemäß den Wald vor lauter Bäumen nicht. Möglicherweise versucht er durch das Erzählen von anderen Frauen Eifersucht auszulösen und "umwirbt" nicht, weil er selbst Angst vor Zurückweisung und damit verbundenen Problemen in der WG hat. Meiner Erfahrung nach ist es besser, auf seine Gefühle zu hören anstatt es ewig zu bereuen. Allemal besser als der professionelle Rat, sich doch einfach außerhalb der WG eine Beziehung zu suchen. Ist ja schließlich so unheimlich einfach, mal schnell einen Kandidaten für eine Beziehung zu finden, gerade wenn sie schreibt "dass das bei ihr nicht so oft passiert". Oder lautet der Rat eigentlich wild rumzuvögeln um zu vergessen? Außerdem seid ihr beides erwachsene Menschen, ihr werdet damit klar kommen, sollte der Wunsch nach mehr einseitig bleiben. Ich würde an Sofias Stelle nächstes mal, wenn der Kollege von anderen Frauen erzählt und die Gelegenheit stimmt, mehr oder weniger scherzhaft mit einem Augenzwinkern fragen, ob ich etwa nicht in Frage kommen würde. Den Wink mit dem Zaunpfahl sollte wohl jeder Mann verstehen und aus der Reaktion lässt sich schließen, ob es sich lohnt, mehr zu investieren. Nach anderen Männern kann man sich dann immer noch umgucken. Es ist nicht immer alles im Vornherein zum Scheitern verurteilt!
sammilch 04.03.2017
2. Kommentar
Die Sache mit dem Verknalltsein geht auch wieder vorbei. Oftmals reicht da schon ein kleiner Anlass um das Gefühl zu trüben - ich würde abwarten.
Sal.Paradies 04.03.2017
3. Eine seltsame Art seine Zuneigung zu zeigen?
Zitat von super-mWas für seltsame Ratschläge man hier immer wieder liest. Da fragt man sich, was so ein Titel als Diplom Psychologe tatsächlich wert ist. "Alle paar Tage in eine andere Frau VERLIEBT", "der Sie nicht unwirbt"... Männer sehen erfahrungsgemäß den Wald vor lauter Bäumen nicht. Möglicherweise versucht er durch das Erzählen von anderen Frauen Eifersucht auszulösen und "umwirbt" nicht, weil er selbst Angst vor Zurückweisung und damit verbundenen Problemen in der WG hat. Meiner Erfahrung nach ist es besser, auf seine Gefühle zu hören anstatt es ewig zu bereuen. Allemal besser als der professionelle Rat, sich doch einfach außerhalb der WG eine Beziehung zu suchen. Ist ja schließlich so unheimlich einfach, mal schnell einen Kandidaten für eine Beziehung zu finden, gerade wenn sie schreibt "dass das bei ihr nicht so oft passiert". Oder lautet der Rat eigentlich wild rumzuvögeln um zu vergessen? Außerdem seid ihr beides erwachsene Menschen, ihr werdet damit klar kommen, sollte der Wunsch nach mehr einseitig bleiben. Ich würde an Sofias Stelle nächstes mal, wenn der Kollege von anderen Frauen erzählt und die Gelegenheit stimmt, mehr oder weniger scherzhaft mit einem Augenzwinkern fragen, ob ich etwa nicht in Frage kommen würde. Den Wink mit dem Zaunpfahl sollte wohl jeder Mann verstehen und aus der Reaktion lässt sich schließen, ob es sich lohnt, mehr zu investieren. Nach anderen Männern kann man sich dann immer noch umgucken. Es ist nicht immer alles im Vornherein zum Scheitern verurteilt!
Sorry, manche Männer sind wirklich ein wenig verbohrt oder nicht fantasievoll genug, um einer Frau zu zeigen, dass er ihr zugetan ist. Aber glauben Sie ernsthaft, dass ein Mann einer Frau, die er anbaggern möchte, jede Woche auf`s Neue erzählt, was für eine tolle Braut er heute (mal wieder) gesehen hat? So ziemlich die beste Art jemanden vor den Kopf zu stoßen, aber klar, in Ihren Augen genau die richtige Art den anderen anzufixen. Sachen gibts......
taglöhner 04.03.2017
4.
Man kann solch eine Sache doch niemals bewerten, ohne beide Parteien und beispielsweise deren nonverbale Kommunikation zu kennen. Schon der Umstand, dass das Mädel sich ausgerechnet an einen Psycho wendet zeigt doch, dass es hier kompliziert sein könnte.
bafibo 04.03.2017
5. nicht aufgeben!
Das könnte der Anfang einer sehr zähen Liebesgeschichte werden, wie das Beispiel meiner Eltern zeigt: Sie lernten sich 1948 kennen, als sie beide noch anderweitig verbandelt waren. Dem Vernehmen nach hat mein Vater (in spe) meine Mutter sogar mehrfach um Rat gefragt, wie er mit seiner damaligen Freundin/Verlobten umgehen solle. Meine Mutter ihrerseits bekam Anfang der 50er anderweitig einen Heiratsantrag, woraufhin sie sich erst einmal im Lesesaal der UB verbarrikadierte und über das geltende Eherecht kundig machte (sie war selbst Scheidungskind und kannte die diesbezüglichen Probleme ihrer Mutter aus erster Hand). Sie kam zu dem Schluß, daß sie zu den herrschenden Bedingungen keine Ehe eingehen könne, und teilte das dem Bewerber so mit, obwohl dieser hoch und heilig versprach, sie diesbezüglich nicht übervorteilen zu wollen. Meinen Vater hat sie dann 1957 geheiratet - aber da war das Eherecht schon reformiert worden und eher nach ihrem Geschmack, wenn auch noch weit entfernt von dem heute.
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