Hilfe vom WG-Psychologen Meine Mitbewohnerin kontrolliert mich

Britta darf zwar die Sachen ihrer Mitbewohnerin benutzen - fühlt sich aber stets beäugt, ob sie auch pfleglich damit umgeht. Das nervt. Zumal die Mitbewohnerin selbst im Haushalt schlampt. Was tun?

Immer im Blick
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Immer im Blick

Von Ludger Büter


Britta schreibt:

Lieber Herr Büter,

ich habe ein großes Problem: Meine Mitbewohnerin kontrolliert mich ständig. Ich darf ihr Geschirr und Besteck benutzen, jedoch vertraut sie mir nicht, dass ich damit gut umgehe. Ständig gibt sie mir das Gefühl, als wenn ich es nicht sauber genug zurückließe, oder etwas kaputt machen könnte.

Ich bin sehr genervt, weil ich mich nicht zu Hause fühlen kann. Wenn mir mal ein Missgeschick passiert, dann fragt sie immer: "Was machst du denn da?" Das ist ziemlich schlimm für mich. Als ob ich das extra machen würde. Das erinnert mich stark an meine Kindheit, in der ich auch keine Fehler machen durfte. Ich ertrage das kaum. Ich weiß jedoch nicht, was ich tun soll. Ich fühle mich in den Räumlichkeiten sehr wohl und möchte ungern ausziehen. Ich merke aber, dass es mir nicht gut geht, wenn ich alles herunterschlucke….

Zusätzlich toleriere ich alle ihre Fehler. Beispielsweise geht sie mit meinen Dingen nicht so pfleglich um, wie ich es mir wünschen würde und kommt dem Haushalt nicht so nach wie ich. Was kann ich tun?

Britta

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Liebe Britta!

Es fällt Ihnen sehr schwer, den Konflikt und Ihre Ansprüche offen zum Thema zu machen. Ohne das gibt es aber keinen Ausweg für Sie - außer dem Auszug. Ihrer beider Interessen liegen jedoch nicht so weit auseinander, wie es scheinen will.

Es sieht so aus, als hätte die Mitbewohnerin stärker die Sauberkeit und "Integrität" des Bestands im Blick, Sie selbst die Organisation des Haushalts. Teilen Sie der Mitbewohnerin mit, das Zusammenleben entspannen zu wollen. Bieten Sie Entgegenkommen an und erbitten das Ihrer Mitbewohnerin. Sammeln Sie nun die Punkte, um die es geht, die bereits offengelegten sowie die noch nicht angesprochenen. Klären Sie miteinander, was "pfleglicher Umgang" mit dem "Inventar" denn bedeuten soll. Genauso halten Sie es mit Ihrem Thema Haushaltsführung.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Treffen Sie in beiden Bereichen konkrete, das heißt unmissverständliche Absprachen. Vermeiden Sie es, einander mit Vorwürfen zu überziehen, denn danach hätte vermutlich keiner mehr große Lust auf wirkliches Entgegenkommen. Vertreten Sie sich mit freundlicher Verbindlichkeit. Das sollten Sie mit einer Freundin vorab in "Rollenspielen" üben, wenn die Herausforderung für Sie so groß ist, wie es den Anschein hat.

Ihre Mitbewohnerin wird sowohl auf den Inhalt als auch auf die Art reagieren, wie Sie Ihre Vorschläge und Wünsche vorbringen. Sollte Ihr Bemühen scheitern, werden Sie sich anschließend dennoch weit weniger schlecht fühlen, als wenn es aus Angst und Verzagtheit keinen eigenen Lösungsversuch gegeben hätte.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
viram 10.07.2017
1. "Das erinnert mich stark an meine Kindheit..."
Auf einen Schlüsselsatz ist der WG-Psychologe überhaupt nicht eingegangen: "Das erinnert mich stark an meine Kindheit, in der ich auch keine Fehler machen durfte." Ich vermute, dass ein Teil des Problems die in der Kindheit geprägte Angst vor Fehlern sein dürfte. Anders ausgedrückt: Wird Britta tatsächlich kontrolliert oder wähnt sie sich aus eigener Überempfindlichkeit überwacht? Vielleicht sollte Britta mal einen Psychotherapeuten konsultieren!?
palef 10.07.2017
2. ...heute zum ersten Mal gelesen...
...das ist ja schlimmer, als Dr. Sommer in der BRAVO.
twistie-at 10.07.2017
3.
Zitat von viramAuf einen Schlüsselsatz ist der WG-Psychologe überhaupt nicht eingegangen: "Das erinnert mich stark an meine Kindheit, in der ich auch keine Fehler machen durfte." Ich vermute, dass ein Teil des Problems die in der Kindheit geprägte Angst vor Fehlern sein dürfte. Anders ausgedrückt: Wird Britta tatsächlich kontrolliert oder wähnt sie sich aus eigener Überempfindlichkeit überwacht? Vielleicht sollte Britta mal einen Psychotherapeuten konsultieren!?
das fiel mir auch auf - es kann ja gut sein, dass es gar keine "Überwachung" gibt. Wenn aber dieser "allseits kontrolliert"-Gedanke da ist, kann jeder Blick schon so gewertet werden. Und ein freundliches und interessiertes "was machst du da?" kann dann schon zum Vorwurf umgedeutet werden. Was mich dabie auch interessiert: wieso nicht einfach eigenes Geschirr anschaffen? Lustig auch, dass es am Ende heißt "also, mit meinen geht sie nicht so pfleglich um" - wieso werden dann überhaupt die Sachen gegenseitig getauscht, wenn man sich doch misstraut bzw. dies nicht gut findet?kommt mir auch so vor als würde sich Britta nicht trauen, etwas zu sagen und wäre genervt weil sich die andere traut.
postit2012 11.07.2017
4. Erwachsen
werden hülfe.
arrache-coeur 11.07.2017
5.
"Zusätzlich toleriere ich alle ihre Fehler. Beispielsweise geht sie mit meinen Dingen nicht so pfleglich um, wie ich es mir wünschen würde und kommt dem Haushalt nicht so nach wie ich. Was kann ich tun? Britta" - Eine andere Wohnung suchen. Oder entspannen. Schliesslich sind es nur Gebrauchsgegenstände. Ich habe von Anfang der 80er bis Ende der 90er in 3er und 5er WGs gewohnt. Reibungspunkte gibt es immer, meist aufgrund von Kleinigkeiten. Dennoch kann es funktionieren, so wie bei uns. Mit Toleranz, Regeln, und ganz wichtig: Spülmaschine:-)
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