Hilfe von der WG-Psychologin "Unsere Mitbewohnerin klaut Lebensmittel"

Johanna und Eva haben eine neue Mitbewohnerin. Seit sie eingezogen ist, verschwinden Lebensmittel aus dem Kühlschrank. Was können die beiden tun?

Wo ist das Hack? (Symbolbild)
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Wo ist das Hack? (Symbolbild)

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Johanna* und Eva schreiben:

"Seit wir eine neue Mitbewohnerin haben, verschwinden Lebensmittel aus unseren gemeinsam genutzten Kühlschränken. Zunächst kamen Bockwürstchen weg, danach ein Pfund Hack. Wir haben das angesprochen, aber die neue Mitbewohnerin sagte nur, sie esse vegetarisch und ihr seien auch Lebensmittel abhandengekommen.

Uns geht es nicht um die Lebensmittel als solche, auch nicht um ihren Wert, sondern ums Prinzip. Wir haben ungefähr vier Monate zu zweit hier gewohnt, davor sechs Monate zu dritt mit einem anderen Mitbewohner, und niemals ist irgendetwas weggekommen. Aus diesem Grund verdächtigen wir zwei uns auch nicht gegenseitig. Außerdem glauben wir, dass unsere neue Mitbewohnerin eine Essstörung hat.

Was raten Sie uns, wie sollen wir weiter vorgehen?"

Zur Person
  • Amac Garbe
    Sabine Stiehler löst unseren WG-Psychologen Ludger Büter ab. Von nun an lindert sie den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-LESER. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.

Sabine Stiehler antwortet:

Liebe Johanna, liebe Eva,

Sie sollten mit Ihrer Mitbewohnerin im Gespräch bleiben. Sprechen Sie sie noch mal auf die verschwundenen Lebensmittel an. Ziehen Sie aber auch in Erwägung, dass Besucher da gewesen sein könnten, die sich vielleicht am Kühlschrank vergriffen haben.

Geben Sie Ihrer Mitbewohnerin nicht das Gefühl, dass Sie sie verdächtigen, das würde die WG-Beziehung unnötig belasten. Beobachten Sie, wie es weiter geht und stellen Sie sie eventuell erneut zur Rede.

Woran machen Sie fest, dass Ihre Mitbewohnerin eine Essstörung hat? Das ist sehr schwer festzustellen. Außerdem geht Sie das erst einmal nichts an. Wenn Sie ein Vertrauensverhältnis zu Ihrer Mitbewohnerin haben, dann könnten Sie vorsichtig bei ihr nachfragen, zum Beispiel mit Sätzen wie: "Sag mal, warum isst Du so wenig?" oder "Warum gehst Du nach dem Essen immer gleich ins Bad?" oder "Ich habe gehört, dass Du erbrochen hast. Was ist los mit Dir?".

Sie können ansprechen, dass Sie sich von dem Verhalten der Mitbewohnerin gestört fühlen, aber Sie sollten keine Fürsorge heucheln, wenn Sie diese nicht empfinden.

Sollte sich die Situation gar nicht entspannen, sollten also weiter permanent Lebensmittel auf mysteriöse Weise verschwinden, dann muss jemand die Reißleine ziehen. Je nach Mietvertrag muss der Mitbewohnerin gekündigt werden oder sie müssen ausziehen. Um das eigene Seelenheil zu retten, ist das der letzte Ausweg.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Nazgul1349 02.12.2017
1. Vielleicht in Erwägung ziehen, ...
..dass die Lebensmittel von ihr entsorgt wurden? Sie ist Vegetarier und Fleisch kam weg? Vielleicht ist das ihre Art, andere auf sonderbare Weise vom Fleischkonsum abzuhalten?
genugistgenug 02.12.2017
2. Verschwundene Lebensmittel = Seelenheil
So etwas gefährdet tatsächlich schon das Seelenheil? Wenn das Seelenheil dadurch gefährdet ist, dann sollte man sich mal Gedanken über das gewählte Studium, Weltbild, usw. machen Wo bleiben die altbewährten, antiken Methoden, wie mal etwas Abführmittel reinpacken? Oder nach dem verschwinden den Verdacht auf verdorbene Lebensmittel äußern und die Gesichtsfarbe des Gegenüber beoachten ;-) Bitte jetzt nicht mit Körperverletzung kommen, wer einem das Essen klaut, muss mit einem Echo rechnen. Außerdem bleibt die Ausrede 'das hat schon vorher komisch ausgesehen, habe es im Kühlshrank gelassen, damit es bis zur Entsorgung nicht vielleicht im Kücheneimer stinkt'. Zwar hat sich der Autor zu einer Autorin geändert, doch die RatSchläge sind gleich geblieben - Hauptsache drüber geredet. Leider führt sie auch nicht an, aus welchen Studienbereichen diese "Hilferufe' kommen. Vermutung, sicher nicht aus technischen, kaufmännischen Bereich sondern eher Schwafelfächer.
sven2016 02.12.2017
3.
Vielleicht sollte man mit der Mitbewohnerin (nicht über sie) sprechen und sie bitten, mit darauf zu achten, ob nicht nach externem Besuch eventuell Lebensmittel weg sind. Geneinsamkeit schafft eher eine faktische Problemlösung als erkennbares Misstrauen. Es könnte ja auch eine der beiden anderen "gewesen" sein.
miobri 02.12.2017
4. Befindlichkeiten...
Zitat von Nazgul1349..dass die Lebensmittel von ihr entsorgt wurden? Sie ist Vegetarier und Fleisch kam weg? Vielleicht ist das ihre Art, andere auf sonderbare Weise vom Fleischkonsum abzuhalten?
Wenn wir während unseres Studium nachts um 03:00 wieder auf dem Haus aufgeschlagen sind und die mit Kohldampf die Kühlschränke der Bundesbrüder durchmustert haben, was da noch alles zu essen ist, dann hat am nächsten Tag niemand Mimimi gemacht, wenn etwas weg war, weil das à la longue halt jeder ab und an so gemacht hat. Über so einen Kleinkram hat sich doch niemand Gedanken gemacht oder gar "die Diskussion gesucht". Was ist das nur für eine Weissbrotgeneration, die heute die Universitäten flutet...
Ein_denkender_Querulant 02.12.2017
5. Keine Sozialkompetenz mehr?
Mensch Kinders, setzt Euch zusammen und fragt offen wie man damit umgehen soll, das Lebensmittel verschwinden? Was ist daran so schwer? - Option 1: Es gibt einer Verständigung - Option 2: Man nimmt ein verschließbares Fach im Kühlschrank - Option 3: man stellt sich einen eigenen Kühlschrank ins Zimmen
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