Hilfe vom WG-Psychologen Muss der Sohn meiner Mitbewohnerin die Wohnung putzen?

Sandra hat eine Mitbewohnerin; die hat einen zwölfjährigen Sohn; der lässt gerne seine Cornflakes-Schalen stehen. Kein Problem, findet Sandra, so sind Teenies. Aber sollte er sich nicht auch am Putzplan beteiligen? WG-Psychologe Büter hat eine andere Idee.

Mit dreckigen Fußballschuhen ist der Sohn von Sandras Mitbewohnerin in der WG unterwegs - aber leider putzt er hinterher nicht.
Corbis

Mit dreckigen Fußballschuhen ist der Sohn von Sandras Mitbewohnerin in der WG unterwegs - aber leider putzt er hinterher nicht.


Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.

Sandra* schreibt:

Sehr geehrter Herr Büter,

ich wohne mit einer Frau und ihrem Sohn zusammen. Der Junge ist zwölf Jahre alt und entsprechend etwas unordentlich und schlampig. In der Küche bleiben oft Cornflakes-Schälchen und schmutzige Teller stehen. Manchmal stiefelt er mit dreckigen Fußballschuhen durch die Wohnung oder stürzt im Winter nach einer Schneeballschlacht mit nassen Klamotten in den Flur.

Ich habe damit kein Problem. So sind Teenager nun mal.

Ein Problem habe ich mit dem Putzplan. Meine Mitbewohnerin möchte, dass wir den Dienst hälftig aufteilen. Eine Woche mache also ich alle Gemeinschaftsräume sauber, in der nächsten Woche sie.

Ich finde das ungerecht. Fairer wäre es, wenn ich nur jedes dritte Wochenende dran wäre. Aber wie soll ich ihr das klarmachen? Ich habe Angst, dass mir ein solcher Vorschlag als Kinderfeindlichkeit ausgelegt wird. Und leider bin ich nur ihre Untermieterin. Bei den Machtverhältnissen traue ich mich nicht, den Mund aufzumachen. Haben Sie einen Rat für mich?

* Name geändert

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Sandra!

Der zwölfjährige Sohn Ihrer Mitbewohnerin ist vor allem das Kind seiner Mutter, dann erst Teil der WG. Ein Kind kann nicht gleichrangiges Mitglied einer Wohngemeinschaft sein und auch nicht wie ein normales WG-Mitglied am Putzplan beteiligt werden. Sie tun gut daran, seine Erziehung zu Ordnungssinn (neben vielem anderen) als unfertig zu betrachten.

Ginge seine Mutter auf Ihren Wunsch ein und ließe ihren Sohn Putzdienste übernehmen, könnten Sie beide mit neuen Konflikten und noch mehr Verdruss rechnen: Was würde der Junge alles nicht richtig wischen und waschen, was alles übersehen, wo überall den Schmutz gleichmäßig verteilen, statt ihn zu beseitigen?

Seine Mutter wird Ihnen kaum verwehren, den Teenager mit dem Schmutz von Fußballschuhen und nassen Winterstiefeln zu konfrontieren. Unangemessen wäre es nicht, das zu tun. Sind Sie unsicher, tauschen Sie sich mit Ihrer Mitbewohnerin aus, was an erzieherischen Impulsen von Ihrer Seite in Ordnung ist. Dazu sollten neben Ihren Ermahnungen aber auch positive Rückmeldungen zählen, für die es gewiss Anlässe gibt.

Nach meinem Eindruck teilen Sie mit Ihrer Vermieterin den Anspruch an ein sauberes, ordentliches Umfeld und tun auch beide viel dafür. Das ist keineswegs selbstverständlich.

Mein Rat? Pflegen Sie den guten Kontakt zu dem jungen Mann. Deshalb brauchen Sie nicht auf freundliche und, wenn es sein muss, nachdrückliche Interventionen zu verzichten. Üben Sie wie bisher Toleranz an den richtigen Stellen, auch wenn es bisweilen auf die Laune schlägt. Damit leben Sie besser als mit dem Wunsch, eine Dreiteilung des Putzkommandos durchzusetzen. Ihre Mitbewohnerin könnte sie dafür aber eventuell an der einen oder anderen Stelle im Haushalt entlasten.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
grumpy53 19.09.2015
1. so sind Teenager nun mal
naja, wenn das alles ist, müsste man fast dankbar sein. 12jährige, mitten in der Pubertät, könnten weit nervigere VErhaltensweisen entwickeln. Wünschenswert, bei aller Toleranz und Freiheit wäre aber auch, die Mutter des Jungmannes würde darüber nachdenken, dass soziales Miteinander nicht erst mit 24 lernenswert wäre, fünf mal eine leere Cornflakeschale hinterher räumen, sprengt noch nicht den Burgfrieden, halten Mutter und Sohn das aber frü selbstverständlich, hat das was mit der inneren Haltung zu tun. Vorführeffekt? Selbst mal in der Woche, in der man nicht dran ist, das GEschiirr einfach stehen lassen, selbst mal mit Herbstwald-Blätterschuhen in den Flur wandern und gucken, was passiert, könnte, wenn vorsichtige wertschätzende Gespräche nix helfen, einen Versuch wert sein. Vorführeffekte bewegen manchmal mehr, als stundenlange Debatten. Allerdings, sowas kann auch nach hinten losgehen. Und wei gesagt, ein störrisch pubertierender Teenager im gemeinsamen Haushalt kann wesentlich irritierendere Verhaltensweisen entwickeln, deshalb vielleicht einfach fünfe gerade sein lassen.
Biegel 19.09.2015
2.
"Seine Mutter wird Ihnen kaum verwehren, den Teenager mit dem Schmutz von Fußballschuhen und nassen Winterstiefeln zu konfrontieren." Da wäre ich mir nicht sicher. Die Frage ist, ob die Mutter ihren Sohn damit konfrontiert. Tut sie es nicht, sondern putzt sie hinter ihm her, wird sie dies auch von ihrer Mitbewohnerin erwarten. Sinnvoll wäre mE ein Gespräch mit allen Beteiligten, in dem dem Jungen klar gemacht wird, was man von ihm erwartet. Sicher ist es eine Überforderung für den Jungen, die ganze Wohnung zu putzen, aber es ist sicher nicht zu viel verlangt, seine schmutzigen Sachen nicht achtlos hinzuschmeißen. Das muss ihm aber in erster Linie die Mutter sagen, denn sie hat den Erziehungsauftrag, nicht die Mitbewohnerin.
In Vino Veritas 19.09.2015
3.
Da hat jemand bereits einen 12jährigen Sohn und wohnt noch in einer WG und andere sind bereits eine WG mit ihr zu gründen? Und einem 12jährigen, der nicht gelernt hat, dass er auch Pflichten wie Aufräumen hat, da ist der Zug eh schon abgefahren.
new_eagle 19.09.2015
4. Mutter des Kindes sollte halt zwei Wochenenden
hintereinander putzen, die Mitbewohnerin dann ein WE und dann die Mutter wieder an zwei WEs. Ähnlich dem Grundsatz "Eltern haften für ihre Kinder". Es gibt wirklich keinen Grund warum die Mitbewohnerin gleichermaßen für den Dreck eines fremden Kindes aufkommen sollte wie die Mutter dieses Kindes.
popatzki 19.09.2015
5. Es geht um Erbsenzählerei!
WG? Das ist eher ein klassisches Untermietverhältnis. Sandra wohnt bei der Mutter und derem Sohn. Gemäß Putzplan wechseln sich beide Frauen wöchentlich mit dem Putzen ab. Sandra findet, der Putzplan solle nach 3 Personen berechnet werden, womit sie nicht explizit fordert, der Junge müsse putzen, sondern nur selbst weniger putzen will. Wenn die Mutter mehr oder öfter putzt, wäre Sandra also auch zufrieden. Sandra hier vorzuschlagen, sich an der Erziehung zu beteiligen, führt in eine völlig andere Richtung! - Aber ist wahrscheinlich der beste Weg, Sandras schwelende Unzufriedenheit zu beenden...
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