Willkommen an der Massenuni Überlebenstipps für Studienanfänger

Erstes Semester, erste Panikwallungen - gerade die zehn größten deutschen Unis können neuen Studenten Furcht einflößen. Leicht geht man im Strom von Zehntausenden unter. Trotzdem sind die Mammuthochschulen beliebt. Und wer mit viel Energie startet, entflieht der Anonymität schnell.

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41.782, 41.776, 36.108 - das sind nicht die Einwohnerzahlen einiger deutscher Kleinstädte. So viele Studenten gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamts an den drei größten Unis in Deutschland: Köln, München, Hamburg. Wer dort studieren möchte, darf den Durchblick nicht verlieren, und das ist für Erstsemester kein leichtes Unterfangen.

Ein Tag an der Universität in Köln, und schon weiß man, was es heißt, einer von vielen zu sein: In der anonymen Masse lässt sich nicht erkennen, wer wirklich hier studiert und wer nur so tut. Nirgendwo scheint es so einfach wie an einer Massenuni, mit dem Strom zu schwimmen. Aber ist das der Sinn eines Studiums? Nein, sagt Walburga Wolters, Leiterin der Studienberatung der Universität in Köln. Studieren bedeute auch, selbst aktiv zu werden.

"Selbst wenn die Betreuung an einer riesigen Hochschule nicht immer optimal ist: Es gibt genügend Ansprechpartner. Man muss nur wissen, wo sie zu finden sind", so Wolters. Wer unter Orientierungslosigkeit leide, sei oft zu passiv. Die Studienberatung könne solchen Studenten nur Hilfe zur Selbsthilfe anbieten: "Wir zeigen, wo es Informationen gibt und wie das System Uni aufgebaut ist." Studienanfänger bekommen so eine Reihe von Türen gezeigt - hindurchgehen müssen sie schon selber.

Netzwerke knüpfen, damit man nicht vereinsamt

Auch Bernd Nixdorff rät Studenten an großen Unis zu einer aktiven Einstellung. Gerade was die Dozenten angeht, seien Studenten oft zu zögerlich, meint der psychologische Berater der Universität Hamburg. "Professoren sind einfach ein wichtiger Baustein für das Studium. Da muss man die Betreuung auch mal selbst einfordern. Frechheit siegt!"

Das Mittagessen mit Kommilitonen sieht der Berater als Investition ins Studium. "Durch ein großes Netzwerk bekommt der Student viele wichtige Informationen. Außerdem verliert er das Gefühl, unter 40.000 Studenten zu vereinsamen." Im schlimmsten Fall könne sich dieses Gefühl auch zu psychologischen Problemen wie Prüfungsangst auswachsen. Ein Grund mehr, der Anonymität der Masse zu entkommen.

Die hält nicht jeder aus, sagt Christoph Heine vom Hochschul-Informationssystems (HIS) in Hannover. "Bei der Wahl der Hochschule sollte man sich auf keinen Fall vom Glanz der Großstadt blenden lassen. Man sollte genau prüfen, ob eine große Uni die richtige Wahl ist." Und scheint es auch nach der Anlaufphase nicht zu klappen, müsse der Student die Uni notfalls wechseln.

Spazierengehen, in der Ruhe vor dem Sturm

Doch auch wenn's bei der Betreuung hapert: Ist der Uni-Neuling in der Lage, auf andere Menschen zuzugehen, kann die Mammuthochschule auch eine Chance sein. "Das Lehrangebot ist vielfältiger, die Lehrenden sind oft renommierter", sagt Heine. Das Leben in Köln, München oder Hamburg erscheine vielen Studenten attraktiv. Und auch in überfüllten Seminaren lässt sich studieren. Wer sich engagiert in den Vorlesungen zeigt und eventuell als Hilfskraft aktiv wird, könne schnell einen persönlichen Kontakt zum Professor aufbauen.

Gegen Startschwierigkeiten im Uni-Dschungel lässt sich schon vorher einiges tun. "Als Erstsemester ist es sicher nicht schlecht, sich die Universität im Vorfeld einmal anzuschauen: einfach vor Semesterbeginn mal über den Campus laufen und die Ruhe vor dem Sturm genießen", rät Walburga Wolters - und bei allem mitmachen, was von der Orientierungswoche bis zu Vorbereitungskursen angeboten wird. "Es gibt da eine breite Palette an Veranstaltungen. Wer viele Leute kennenlernt, fühlt sich gleich wohler."

Wer gar keine Pausen einlegt, kann sich aber verzetteln. Dann wird der "Erlebnispark Uni zur Versuchung", warnt Bernd Nixdorff, "immer mehr Aktivitäten können auch dazu führen, dass einem schwindelig wird." Der rote Faden im Studium sollte nicht verloren gehen. Gerade Zeitmanagement ist etwas, das viele Studienanfänger erst lernen müssen.

Die Massenuni ist kein Monster

Nixdorff empfiehlt außerdem, Spaß und Freizeit nicht zu vergessen. "Hochschulsport, politisches Engagement, auch das schafft neue Netzwerke." Und darüber hinaus? "Fragen, fragen, fragen. Und nicht so tun, als wisse man schon alles" - also weg vom berüchtigten Uni-Bluff, wo alle sich mit einem wissenden Gesicht maskieren und ganz gelassen tun. Im Laufe des Semesters verteile sich die Masse ohnehin, so Wolters. "Und auch die Profs sind oft freundlicher, als der Student vielleicht denkt."

Die Massenuni ist also kein Monster, vor dem Studenten Angst haben müssen. Ein Lächeln genügt oft - und schon gibt es in der Mensa jemanden, der einem zeigt, wo das Tablett hin muss oder in welcher Cafeteria der Kakao am billigsten ist. Bei der schieren Menge an Menschen sind fast sicher ein paar Gleichgesinnte dabei.

Kontakte knüpfen kann Spaß machen. Und vielleicht ist unter all den neuen Kommilitonen sogar die große Liebe dabei. Experte Nixdorff weiß: "Die Uni ist der Heiratsmarkt schlechthin."

Von Franziska Fiedler, dpa

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