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04. März 2011, 17:49 Uhr

Wissenschaftsbetrug

Chef der Freiburger Sportmedizin unter Plagiatsverdacht

Die Uniklinik Freiburg muss sich mit einem Plagiatsverdachtsfall auseinandersetzen. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Leiter der Sportmedizin, Hans-Hermann Dickhuth, Teile seiner Habilitationsschrift bei einer Doktorandin abgeschrieben.

Am Universitätsklinikum Freiburg gibt es womöglich neue Fälle von Wissenschaftsbetrug. Unter anderem steht Hans-Hermann Dickhuth, der Leiter der Abteilung für Sportmedizin, im Verdacht, für seine Habilitationsschrift von einer Kollegin abgeschrieben zu haben, berichtet der SPIEGEL.

In dieser Woche hatte die Universität interne Gremien eingeschaltet, um die Vorwürfe zu prüfen. Ausgangspunkt für die Verdächtigungen waren Untersuchungen der Kommission für die Aufarbeitung der Dopingvergangenheit in der Freiburger Sportmedizin. Dem renommierten Kölner Biochemiker Wilhelm Schänzer war dabei aufgefallen, dass eine Dissertation und eine Habilitation der Uni-Klinik einen nahezu identischen Inhalt aufwiesen.

Ganze Textpassagen, Tabellen und Abbildungen stimmten überein. In der Dopingkommission wird vermutet, dass sich Dickhuth bei der Dissertation bedient haben könnte. Dickhuth wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage hin nicht zu den Verdächtigungen äußern.

Die ehemalige Doktorandin Marzenna Orlowska, die heute als Pathologin an der Uniklinik Freiburg arbeitet, sagte dem SPIEGEL, Dickhuth sei ihr Doktorvater gewesen. Er habe immer wieder Veränderungen ihrer Arbeit gewünscht. In der Zwischenzeit habe Dickhuth seine Habilitationsschrift abgegeben. Sie habe bei Dickhuths Antrittsvorlesung zwar ihre Arbeit wiedererkannt, habe dem aber keine weitere Bedeutung zugemessen.

Die Uni Freiburg geht einem weiteren Verdacht nach. Danach soll sich auch die Ehefrau Dickhuths bei der Abfassung ihrer Doktorarbeit aus Inhalten der Promotionsarbeiten, die ihr Ehemann kannte, bedient haben.

Die Universität teilte weiter mit, die Betroffenen hätten bis zum 11. März Zeit, sich schriftlich zu erklären. Dann behalte sich die Universität Konsequenzen "bis hin zur sofortigen Suspendierung" vor, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" eine Erklärung der Universität. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) fordert eine lückenlose Aufklärung. Die Uni Freiburg müsse ein Zeichen setzen, dass sich "so ein Verhalten nicht lohnt".

cht

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