Wissenschaftssprache So klappt's mit der Hausarbeit

Floskeln, Phrasen, Ausflüchte: Viele Studenten versuchen ihre Texte künstlich aufzublähen - sehr zum Leidwesen der Dozenten. Lesen Sie hier, welche Tipps Sie beherzigen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Studentin: In der vorlesungsfreien Zeit stehen oft viele Hausarbeiten an
Corbis

Studentin: In der vorlesungsfreien Zeit stehen oft viele Hausarbeiten an

Von Anne Haeming


"Sprachstyropor macht mir schlechte Laune", sagt der Geschichtsprofessor Valentin Groebner im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Implementierung", "vielfältige Vernetzungen", "Handlungshorizonte" - solche Ausdrücke würden Texte aufschäumen, sagt er, und es sei nur noch schwer erkennbar, was dahinter stecke. Der Professor aber möchte schnell wissen, worum es geht - seine Lesezeit sei schließlich begrenzt, sagt er.

Lesen Sie im UniSPIEGEL welche Fehler Sie besser vermeiden und welche Tipps Sie beherzigen sollten - egal ob bei der nächsten Hausarbeit, Master- oder Doktorarbeit.

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Seite 1
albert schulz 13.05.2012
1. feines Thema
Über die traumhaften Zitate beim Professor konnte ich Tränen lachen, fast besser noch als bei SPAM. Es geht wohl zuvörderst darum, die benutzten Begriffe zu erklären, was Wissenschaftler sehr ungern tun. Insbesondere haben sie die fatale Angewohnheit, sie in einem Sinn zu verwenden, den allein sie definiert haben, leider weder mündlich noch schriftlich. Der zweite Punkt ist das Sortieren und Systematisieren, das man eigentlich schon auf der Schule hätte lernen müssen. Also der Aufbau eines logischen Konzepts, das alle Aspekte verständlich erfaßt und in einen Zusammenhang bringt. Hierzu ist eine brutale Reduktion der Fakten erforderlich, eine der schwierigsten Aufgaben, weil beim Schreiben allerlei neue Gedanken auftauchen. Diese lassen sich regelmäßig nicht in ein logisches Konzept einbauen, sondern können nur ausgeschlossen werden. Oder man verweist in der Fußnote auf die nicht klärbare Problematik oder wirft seine Ansätze weg, eine der elegantesten Lösungen. Ich neige zu Füllwörtern und Konjunktiven, eine stilistisch und inhaltlich miserable Lösung. Oder wie das mein Deutschlehrer formuliert hat: „Wenn Sie fünfzehn Seiten für die Darlegung benötigen, und ein anderer nur fünf, dann bekommt der die eins. Auch wenn Ihre Abschweifungen richtig und interessant waren.“ Eine ganz besondere Gräßlichkeit sondersgleichen ist das Substantivieren von jedem und allem. Es verunstaltet jeden Text und erschwert das Lesen ganz ungemein. Es wäre zwar möglich, daß hochkomplexe Sachverhalte dargestellt werden, aber sehr viel wahrscheinlicher ist, daß da eine Menge gequirlter Scheißdreck zusammengebacken wurde, um die Aussagen zu vergeheimnissen. Häufig ein Anzeichen dafür, daß der Autor seine Darlegungen selbst nicht versteht, eine Art theologisches Dilemma. MINT – Fachleute müßten präzise formulieren können, wie die Mathematiker und Physiker, aber dummerweise werden diese Fächer von Adepten studiert, die in Deutsch bestenfalls eine vier haben, und auch nicht gern lesen. Man lasse sich einfach mal erklären, wie ein Programm funktioniert. Grauenvolles Radebrechen mit Begriffen, die die Brüder vermutlich selbst nicht verstehen. Mein wichtigster Software – Lieferant hat Germanisten eingestellt für diese Aufgabe, ein anderer beschäftigt Philosophen. Ein echter Knochenjob, sich das Zeug erklären zu lassen, zu verstehen, und dann sprachlich klar zu formulieren. Für die modernen Ingenieurwissenschaftler gilt das Phänomen übrigens auch. Die Altvorderen haben sich noch durch einen überaus präzisen Sprachstil ausgezeichnet. Noch was von Talleyrand (ich meine La Rochefoucauld): „Die Sprache ist dem Menschen gegeben, seine Gedanken zu verbergen.“ Und um seine einzigartige Wissenschaft zu schüt-zen. Oder sein Handwerk. Und wer nur Spiegel liest, läuft Gefahr, sich Sprach- wie Denkfä-higkeit gnadenlos und irreparabel zu versauen. Kein Wunder, daß der Zwiebelfisch sich ge-rade hier großer Beliebtheit erfreut: „Was bin ich froh, ich bin nicht so.“
albert schulz 13.05.2012
2. konkreter Zusatz
Fetten, Kursivsetzen, Großbuchstaben, Einrücken und anderen Unfug wie Klammern sollte man tunlichst unterlassen. Das machen nur sprachlich nicht versierte Menschen, und derer gibt es gar viele. Ein guter Text spricht für sich selbst. Denken, Begrifflichkeit, Sprache sind eins. Es gab da mal den schönen Lehrsatz, daß die Form doch dem Inhalt entsprechen möge, und umgekehrt. Und gleich noch einen: es geht nicht unbedingt darum, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird. Einen Text einen Tag oder auch ein Jahr liegen zu lassen ist ebenfalls ein guter Trick. Der Text wird dadurch nie besser, aber man gewinnt Distanz. Fleischer nach Verlegetechniken für Abflußrohre zu befragen ist etwa so sinnvoll, wie wenn man Fußballspielern Fragen der Philosophie oder Politik vorlegt. Oder die arrogantesten Schnösel der Republik nach Bescheidenheit fargt. Oder die Piraten nach dem Urheberrecht.
Michael Allers 15.05.2012
3. Optimierungspotenzial ;-)
Enorm hilfreich ist auch eine schlüssige Gliederung, welche Autoren zu gedanklicher Klarheit und Lesern zu einem schnellen Überblick verhilft. Den Überschriften dieser Seite entnehme ich jedoch, dass es zu den fünf größten Fehler gehört, Ballast zu streichen, sprechende Automaten zu verbannen, Begriffsdrachen zu hinterfragen usw..
albert schulz 15.05.2012
4. reine Selbstkritik
Zitat von Michael AllersEnorm hilfreich ist auch eine schlüssige Gliederung, welche Autoren zu gedanklicher Klarheit und Lesern zu einem schnellen Überblick verhilft. Den Überschriften dieser Seite entnehme ich jedoch, dass es zu den fünf größten Fehler gehört, Ballast zu streichen, sprechende Automaten zu verbannen, Begriffsdrachen zu hinterfragen usw..
Das ist ein besonders abgefeimter und hinterhältiger Trick von SPON und dem Spiehel. Die Jungs lieben die Selbstkritik über alles, es ist fast ein Prinzip. Es ist durchaus empfehlenswert, weil es anregt.
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