Studentische Wohnungsnot "Das Zimmer war zwei Meter hinter der Fleischtheke"

Ein Holzpavillon im Garten, Schimmel und Salpeter an den Wänden - und das alles für Hunderte Euro pro Monat: Hier berichten SPIEGEL-Leser von ihren schlimmsten Erlebnissen während der Zimmersuche in Uni-Städten.

Medizinstudentin Celina Ufken in einer Frankfurter Notunterkunft
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Medizinstudentin Celina Ufken in einer Frankfurter Notunterkunft

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Den Studienbeginn hatte sich Celina Ufken ein bisschen anders vorgestellt. Die 18-Jährige startet in diesen Tagen ihr Medizinstudium in Frankfurt - und musste die ersten Nächte auf einem Feldbett im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim verbringen.

Dort hat die Studentenvertretung der Goethe-Universität eine Notschlafstelle eingerichtet für alle, die noch kein eigenes Zimmer gefunden haben. Ein paar Kilometer weiter, an der Frankfurter Hochschule für angewandte Wissenschaften, haben Studentenvertretung und Hochschulleitung gemeinsame Notschlafplätze organisiert. Die Mehrzweckhalle am Campus wurde dafür zum Feldlager - und drei Studierende können sogar in der Dienstwohnung des Hochschulkanzlers übernachten, die der Verwaltungsleiter bis Ende Oktober zur Verfügung stellt.

Bundesweit führen die Studentenwerke lange Wartelisten für ihre Wohnheimplätze. Und wenn Studierende auf dem freien Markt nach einem Zimmer suchen, erleben sie immer wieder, wie fordernd viele Vermieter auftreten. Knapp neun Quadratmeter im Souterrain mit schimmligen Wänden für 325 Euro? Ein ehemaliger Lagerraum in einer Metzgerei, keine zwei Meter hinter der Fleischtheke? Gibt es alles.

Lesen Sie hier die haarsträubendsten Geschichten der SPIEGEL-Leser und -Leserinnen zur Wohnungs- und Zimmersuche in Uni-Städten:

"Nach Wohnpreisindex kostet in Frankfurt inzwischen eine Studierendenunterkunft 500 Euro im Monat - das ist doppelt so viel wie die Bafög-Wohngeldpauschale", sagt Charleen Dresen, Asta-Vorsitzende der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Frankfurt. Auch das Deutsche Studentenwerk betonte am Montag noch einmal, dass die Sätze beim Bafög dringend erhöht werden müssen, weil 250 Euro Pauschale für ein Studentenzimmer fast nirgendwo mehr ausreichen.

SPIEGEL-Leser Julian hat einen Tipp für alle, die noch ein Zimmer oder eine Wohnung suchen: "Ich habe auf die gute, alte Zeitungsannonce in der lokalen Samstagsausgabe für zehn Euro gesetzt." Eine Woche lang habe er jeden Tag zwischen fünf und sieben Anrufe bekommen von Vermietern, die teilweise noch nichts ins Internet gestellt hatten: "Die hatten keine Lust auf 50 Anrufe in einer Stunde oder Massenbesichtigungen."

Schlimme Erlebnisse bei der Zimmersuche
  • Getty Images/Westend61
    Ihr WG-Casting war schlimmer als jedes Vorstellungsgespräch? Sie sollten eine Einzugsprämie zahlen? Oder 400 Euro für zehn Quadratmeter im Souterrain hinlegen?

    Schicken Sie uns hier Ihre absurdesten Erlebnisse bei der Wohnungssuche in Deutschlands Studentenstädten.
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meresi 16.10.2018
1. Hier wird geholfen
https://www.immobilienscout24.de/expose/107058015#/ https://www.immobilienscout24.de/expose/107233552#/ 7 Zimmer, da passen locker 10 Studenten rein. 500 € pro Kopf und Nase. In harten Zeiten muss man halt ein bisserl zusammenrücken. Obwohl, nach 5 oder 6 Wohngemeinschaften Anfang der 70ern hatte ich irgendwann die Nase voll. Die Dienstpläne für Reinigung von Küche, Bad und anderen Gemeinschaftsräumen wurden nicht immer eingehalten. Gab endlose stupide Diskussionen und Ausreden und das mit sogenannten gebildeten Leuten. Lach heute noch darüber
weltraumschrott 16.10.2018
2. Ein Student bringt es auf den Punkt:
Wer unbedingt in "schicken" Städten wie München oder Berlin studieren will, muss halt den Preis dafür bezahlen. Wer hingegen in Leipzig oder Greifswald studiert, bekommt auch bezahlbaren Wohnraum ohne Probleme.
new#head 16.10.2018
3.
Planloses Land, vom Anfang bis zum Ende. Das beginnt mit Kitaplätzen, Lehrermangel, überfüllten Unis usw. usw. Als wenn Linder Schüler und Studenten nachts von den Bäumen fielen. Erstaunte Gesichter und leere Versprechungen von den Verantwortlichen.
robsen1 16.10.2018
4. Soziale Lösung
Zitat von weltraumschrottWer unbedingt in "schicken" Städten wie München oder Berlin studieren will, muss halt den Preis dafür bezahlen. Wer hingegen in Leipzig oder Greifswald studiert, bekommt auch bezahlbaren Wohnraum ohne Probleme.
Jo... Studenten können sich bestimmte Städte nicht mehr leisten und anstatt die Politik, die Stadt oder was auch immer in die Pflicht zu nehmen ist der Student schuld. Er hat schließlich zu wenig Geld. Pech gehabt. Hammer Lösung.
ella1 16.10.2018
5.
Wohnungsnot in Unistaedten ist nichts neues. Ich habe schon vor mehr als 20 Jahren ein 10qm Zimmer, mit Dachschraege und Kochgelegenheit gemietet. Und nicht in Frankfurt, Berlin oder Muenchen, sondern in Giessen. Auch damals hat der Vermieter viel verdient mit der 5-er WG mit verschimmelten Bad. Auch damals gab es Notunterkuenfte und die Studentenwerke konnten/wollten nichts aendern.
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