Wohnungsbetrug erkennen Vertrauen Sie diesem Vermieter?

Wohnungen in bester Lage zu traumhaft niedrigen Mieten: Wer Ihnen ein solches Schnäppchen anbietet, will Sie womöglich übers Ohr hauen. So erkennen Sie Betrüger auf dem Wohnungsmarkt.

Begehrte Wohnlage in Berlin-Schöneberg
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Begehrte Wohnlage in Berlin-Schöneberg

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Viele Wohnungssuchende kennen die Situation: Auf einem Online-Portal haben sie ein gutes Angebot entdeckt und sich beworben, prompt erhalten Sie eine positive Antwort. Der Vermieter klingt seriös und stellt sich zum Beispiel als Dr. Arnoldo Eichmann vor. Er sei Arzt und habe länger in Deutschland gelebt, betreibe nun aber eine Klinik im Ausland und suche einen Mieter für seine Wohnung.

Was im Einzelfall noch recht schlüssig klingt, kam im Experiment zur Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt auffällig häufig vor. Dabei hatte ein Team aus Datenjournalisten von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk rund 20.000 Anfragen an Wohnungsanbieter gestellt und tausende Rückmeldungen ausgewertet. Allein 142 davon stammten von Dr. Arnoldo Eichmann, allesamt nahezu wortgleich, aber zu unterschiedlichen Annoncen gehörend.

  • Jörn Kaspuhl / SPIEGEL ONLINE
    Wir müssen draußen bleiben: Wie stark auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland diskriminiert wird, zeigt das Experiment von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk. Alle Ergebnisse und Hintergründe finden Sie auf www.hanna-und-ismail.de

Allerdings war Herr Eichmann nicht der einzige Absender dieser Antworten. Auch Dr. Kristian Zambrano und Dr. Robert Gallina versendeten nahezu wortgleiche Schreiben. Das Angebot war durchaus verlockend: Knapp 50 Quadratmeter Wohnfläche für etwa 500 Euro Miete pro Monat, Nebenkosten inklusive, mit Garage, voll möbliert, in sehr gutem Zustand.

Außerdem hatte Herr Eichmann nach eigenen Angaben "eine große Menge an Geld mit der Wohnung verbracht". Was das wohl bedeutet? Mahagoni-Möbel? Whirlpool-Badewanne? Erwartet den Mieter hier etwa ein luxusrenoviertes, stuckverziertes Kleinod zum Schnäppchenpreis?

Sehen Sie hier die unterschiedlichen Antworten im automatischen Durchlauf. Rot unterlegt sind die variablen Details, der Rest war nahezu identisch formuliert.

Mehr als 800 Rückmeldungen konnten in der Studie als mutmaßliche Betrugsfälle identifiziert werden. Dabei halfen wiederkehrende Muster, die in persönlichen Antwortschreiben eigentlich nicht auftauchen dürften, in einem groß angelegten Versuch aber auffallen.

Doch woran können normale Wohnungssuchende mit nur wenigen Anfragen einen Betrüger erkennen? Folgende Muster sind im Experiment zutage getreten:

  • Sprache: Viele E-Mails sind in holprigem Deutsch formuliert und bitten darum, auf Englisch zu antworten, oder sie sind direkt auf Englisch geschrieben. Das kann bedeuten, dass die mutmaßlichen Betrüger im Ausland sitzen, könnte aber genauso schlicht darauf abzielen, die Kommunikation für den Interessenten zu erschweren.
  • Abwesenheitsgrund: Es wird eine Geschichte konstruiert, warum der angebliche Vermieter dauerhaft nicht vor Ort ist. Es werden dabei sowohl berufliche als auch private Gründe angegeben.
  • Vorgegaukelte Seriosität: Bei auffallend vielen Betrugsmaschen übt der angebliche Vermieter einen angesehenen Beruf aus, ist zum Beispiel Arzt, Architekt, Manager oder Professor. Seriös soll auch der Name oder der angebliche Arbeitgeber wirken - häufig sind das große, internationale Konzerne.
  • Zu gut um wahr zu sein: Viele Angebote sind zwar nicht völlig unglaubwürdig, haben jedoch ein sehr günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Teilweise wird dies begründet mit der persönlichen Bindung an die Wohnung oder dem Kostenvorteil, alles direkt und ohne Wohnungsverwaltung zu erledigen.
  • Alles inklusive: Die Wohnungen werden häufig möbliert so wie inklusive aller Nebenkosten angeboten. Selbst Telefon und Internetanschluss sind dann darin enthalten.
  • Bilder wie aus dem Katalog: Wenn die Wohnung nicht wirklich existiert, ist bei den Inserenten Kreativität gefragt. Es werden häufig Fotos von Apartment-Anlagen oder Airbnb-Wohnungen kopiert und mehrfach wiederverwendet.

Wem auf der Wohnungssuche eine solche Annonce begegnet, sollte Vorsicht walten lassen - und in keinem Fall Geld hinterlegen, worum Bewerber häufig im nächsten Schritt gebeten werden. Wer skeptisch ist, kann mit der umgekehrten Bildersuche prüfen, ob die Bilder aus der Anzeige auch schon an anderer Stelle im Internet verwendet wurden.

Gerade bei Absendern mit angeblich prestigeträchtigen Berufen empfiehlt es sich, den Namen oder die E-Mail-Adresse des Vermieters in eine Online-Suchmaschine einzugeben. Existiert er wirklich, müsste es zu ihm viele Einträge auf offiziellen Webseiten geben. Ist er hingegen erfunden, findet sich oftmals schon eine Warnung durch andere Betroffene - oder auf Blogs wie wohnungsbetrug.blogspot.de, die derartige Fälle sammeln.

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