Zitat des Tages Merkel und Obama müssen weg, mindestens

Beim Bochumer Bildungsstreik gab es einen Clown zum Frühstück. Audimax-Besetzer verkünden sonderbare Forderungen: Sie wollen eine Hochseilbahn zwischen allen Ruhrpott-Unis, ein eigenes Gebäude nur für Besetzungen - und den Rücktritt aller Verantwortlichen weltweit.


"Das Audimax ist besetzt!

Donnerstag, 18. Juni 2009 - Seit heute Mittag um 13 Uhr ist das Audimax der Ruhr-Universität durch ca. 200 Studierende besetzt. Die Besetzer werden das Gebäude erst dann wieder freigeben, wenn ihre Forderungen erfüllt werden. Diese Forderungen lauten wie folgt:

  • Wir unterstützen die studentische Senatsfraktion in ihrem Bestreben, eine Hochseilbahn bauen zu lassen, die die Universitäten der UAMR (das Kürzel steht für Universitätsallianz Metropole Ruhr; d. Red.) in Dortmund, Essen, Duisburg und Bochum miteinander verbindet. Diese Bahn soll, nein MUSS komplett aus Studiengebühren finanziert werden - andernfalls gäbe es keinen Grund mehr, die Gebühren auf ihrer jetzigen Höhe zu belassen. Eine Senkung der Studiengebühren wäre jedoch vollkommen inakzeptabel: An dieser Universität läuft schon genug Unterschichtenpack herum, dass mit seiner Anwesenheit unsere schönen Hörsäle befleckt. Eine Senkung der Studiengebühren würde diesem Tür und Tor zu unserer Universität eröffnen.

  • Wir fordern den Senat auf, den Bau eines Gebäudes zu beschließen, das ausschließlich dazu dient, besetzt zu werden. Die linksradikalen Krawallmacher an unserer Uni hätten damit endlich einen Spielplatz, mit dem sie sich beschäftigen könnten, und würden uns brav arbeitende Studierende und Dozenten nicht länger von unserer wichtigsten Pflicht abhalten: Sinnlos Creditpoints hinterherzuhecheln und Prüfungen im Minutentakt durchzuführen.
  • Wir fordern die Universitätsverwaltung auf, sofort damit zu beginnen, die Schrift an der Universitätsbibliothek endlich richtig herum aufzuhängen - es ist den hart arbeitenden Studierenden dieser Universität nicht länger zumutbar, jeden Morgen von rückwärts geschriebenen Leuchtbuchstaben verwirrt und aus ihrem gewohnten Trott herausgerissen zu werden.

  • Nachdem all diese Forderungen erfüllt sind, fordern wir den kategorischen Rücktritt aller Verantwortlichen - sowohl jene dieser Universität, als auch aller Verantwortlichen in Landes- und Bundesregierung sowie den Vereinten Nationen. Der Senat möge den Vertretern dieser Gremien, allen voran Angela Merkel und Barrack Obama, ihren Rücktritt nahelegen, da die Ruhr-Universität andernfalls ihr Audimax niemals wiederbekommen wird.

Hochachtungsvoll, Die BesetzerInnen des Audimax"

So lautet der Forderungskatalog von Studenten, die an der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag den Eingang des Audimax verbarrikadierten - im Rahmen des bundesweiten "Bildungsstreiks 2009" und am "Tag des zivilen Ungehorsams". Diese Forderungen trugen Vertreter der Studenten auch im Senat der Hochschule vor.

jol



insgesamt 338 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
beebeekaa 16.06.2009
1.
Zitat von sysopLangsamer Start für den Bildungsstreik 2009, bislang sind die Teilnehmerzahlen der deutschlandweiten Protestaktionen eher niedrig. Was kann der Bildunsstreik bewirken?
Ich hoffe, sehr viel für eine Bildungspolitik, die wieder auf Bildung setzt und nicht auf weiteres PISA-Geschwafel.
panda 16.06.2009
2.
Zitat von beebeekaaIch hoffe, sehr viel für eine Bildungspolitik, die wieder auf Bildung setzt und nicht auf weiteres PISA-Geschwafel.
Der eine verspricht sich das allein seligmachende Heil von PISA, der andere verteufelt es und bezeichnet es als leeres Geschwafel. Das eine ist genauso schlimm wie das andere. Sie stehen ja leider nicht alleine mit solch sinniger Schwarzweißmalerei. Dies ist eine der tieferen Ursachen warum das Bildungssystem heute so ist wie es ist.
Piri 16.06.2009
3.
Zitat von beebeekaaIch hoffe, sehr viel für eine Bildungspolitik, die wieder auf Bildung setzt und nicht auf weiteres PISA-Geschwafel.
Jein. Mein Leistungskurs war heute vollzählig. Niemand streikt, obwohl einige sehr politisch interessierte und auch aktive Schüler dabei sind. Übereinstimmende Aussage: man möchte sich nicht von Gruppierungen vor den Karren spannen lassen, denen es in Wahrheit nicht um die Verbesserung unserer Bildung geht. Linke Radikalinskis, die die Einheitsschule wollen, die die noch weitere Öffnung der Unis auf ihrer Forderungsliste haben und notfalls auch gewaltbereit sind, leisteten der Sache keinen guten Dienst. Ich sehe es auch so. Die Bilder vom Frühjahr habe ich nicht vergessen. Ein Jammer, dass es so ist, denn gute Forderungen werden -fast als eine Art Köder- an solche gekoppelt, die unser Bildungssystem ebenfalls nicht stärken. Weniger Einfluss der Wirtschaft, mehr Einfluss der Einheitsschulfraktion.
beebeekaa 16.06.2009
4.
Zitat von PiriJein. Mein Leistungskurs war heute vollzählig. Niemand streikt, obwohl einige sehr politisch interessierte und auch aktive Schüler dabei sind. Übereinstimmende Aussage: man möchte sich nicht von Gruppierungen vor den Karren spannen lassen, denen es in Wahrheit nicht um die Verbesserung unserer Bildung geht. Linke Radikalinskis, die die Einheitsschule wollen, die die noch weitere Öffnung der Unis auf ihrer Forderungsliste haben und notfalls auch gewaltbereit sind, leisteten der Sache keinen guten Dienst. Ich sehe es auch so. Die Bilder vom Frühjahr habe ich nicht vergessen. Ein Jammer, dass es so ist, denn gute Forderungen werden -fast als eine Art Köder- an solche gekoppelt, die unser Bildungssystem ebenfalls nicht stärken. Weniger Einfluss der Wirtschaft, mehr Einfluss der Einheitsschulfraktion.
Tja Piri, Ihre Einlassung passt nur zu gut zu dem anderen Thema hier bezüglich der übergroßen Angepasstheit der Jugend. Wann soll man denn auch mal irren dürfen, wenn nicht in diesen Jahren? Dieses Abwägen und Lavieren und Vorschieben vermeintlich rationaler Argumente Ihrer Schüler zeigt eigentlich nur eines: Angst, die eigene Karriere zu vermasseln. Und sei's auf Kosten einer möglicherweise besseren Bildungspolitik :-(.
Anjin-san 16.06.2009
5. Streik?
Tja, auch bei uns an der Uni Karlsruhe wurde zum "Bildungsstreik" aufgerufen. Warum ich mich nicht daran beteilige, obwohl ich die Bildungspolitik in Deutschland für katastrophal halte? 1. Der Clou an einem Streik ist normalerweise, dass er dem, auf den man Druck ausüben möchte, wehtut. Ein Student, der ohnehin unter großem Leistungsdruck steht, tut sich vor allem selbst weh. Man kann es sich nicht so ohne weiteres erlauben, Lehrveranstaltungen sausen zu lassen. Das mag bei den Diplomern oder Philosophiestudenten möglich sein, aber nicht hier. 2. Die Organisatoren verfolgen unter anderem Ziele, die ich nicht unterstütze. Ich bin dagegen, dass jeder auf Staatskosten 30 Semester lang studieren darf, was ihm gefällt. Das ist ineffizient und sozial ungerecht. 3. Die in meinen Augen wichtigste Maßnahe wurde nicht einmal erwähnt: Die Abschaffung des Bildungsföderalismus. Bildung sollte zum Kompetenzbereich der Bundesregierung gehören, erst dann kann man die wirklich dringend notwendigen Reformen planen und durchführen. Das wäre allemal besser als dieses ewige Experimentieren auf Landesebene auf Kosten der Kinder. Ich bin mit Sicherheit nicht der einzige, der so denkt. In den Zeitungen wird aber nachher stehen: "Wenige Teilnehmer beim Bildungsstreik, offenbar ist es doch nicht so schlimm." Es wird Zeit dafür, dass die gesellschaftliche Debatte über Bildung ausgeweitet und bis zum letzten Argument geführt wird. Anjin-San
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.