Zitat des Tages N8schicht, ick hör' dir trapsen

Tagsüber studieren oder lieber nach Sonnenuntergang? Die Studenten dürfen selbst wählen - nachts kommt billiger. Die Bochumer Universität folgt einer schönen Ruhrpott-Tradition und startet den "Zweischichtbetrieb". Damit gibt es endlich auch ein Studium für Somnambule.

Insomnia: Viel zu viele Kommilitonen - da studier' ich doch besser nachts
Universität Bochum

Insomnia: Viel zu viele Kommilitonen - da studier' ich doch besser nachts


"Pressemitteilung
Wählen zwischen "RUB@night" und "RUB@day" - Ungewöhnliche Maßnahmen für den Doppelabiturjahrgang 2012/13 - RUB startet mit erheblichen Anstrengungen den Zweischichtbetrieb.

Damit die doppelten Abiturjahrgänge 2012/13 nicht vor verschlossenen Türen verharren, führt die Ruhr-Universität Bochum (RUB) als erste Hochschule in Deutschland einen vollen Zweischichtbetrieb ein. Mit dieser erheblichen Ausweitung des Lehrbetriebs demonstriert die RUB ihre gesellschaftliche Verantwortung für die kommende Studierendengeneration. Neueinschreiber können wählen, ob sie von 8 bis 18 Uhr oder von 20 bis 6 Uhr studieren wollen.

Damit kommt die RUB unterschiedlichen Lebensgewohnheiten von Studierenden entgegen und ermöglicht ihnen, auch zu anderen Zeiten als bisher für den Lebensunterhalt zu arbeiten. Als Startanreiz hat die RUB beschlossen, Studierenden, die sich für den Nachtbetrieb entscheiden, die Hälfte der Studienbeiträge zu erlassen. Ermutigt von positiven Signalen aus dem NRW-Wissenschaftsministerium hat das Rektorat einen Antrag in Höhe von 30 Millionen Euro auf den Weg nach Düsseldorf gebracht.

Der Probebetrieb in ausgewählten Fächern beginnt mit einer kleinen Kohorte im Sommersemester, der Vollbetrieb wird - vorbehaltlich der ministeriellen Genehmigung - zum 1.4.2012 aufgenommen.

Schichtbetrieb hat Tradition
Im Ruhrgebiet gehört es zur guten Tradition, in mehreren Schichten zu arbeiten. Was früher nur für Bergleute und Industriezweige galt, ist inzwischen an der Tagesordnung: die ständige "Verfügbarkeit" für den Arbeitgeber, Meetings am Wochenende, Exposés des nachts verfassen, mit dem Laptop von unterwegs arbeiten und Mails beantworten- und als Studierender nachts in Unibibliotheken lernen. So ist der Schritt zu einem vollzeitlichen Uni-Zweischichtbetrieb eine nur konsequente Fortentwicklung - erst recht angesichts der doppelten Abiturjahrgänge, die bald an die Hochschulen drängen.

Verbindliche Entscheidung bei der Einschreibung
So müssen sich ab sofort die Studierenden schon bei der Einschreibung beziehungsweise Rückmeldung verbindlich entscheiden, ob sie demnächst lieber tagsüber oder nachts studieren wollen. Wer sich für die Nachtschicht entscheidet, zahlt einen um die Hälfte ermäßigten Studierendenbeitrag. Für die Kontrolle des Schichtbetriebs stehen je nach Wahl Studierendenausweise in Himmelblau und Schwarzblau bereit. Wechsel während des Semesters sind ausgeschlossen.

Probebetrieb in gefragten NC-Fächern
Umfangreiche organisatorische Maßnahmen haben Verwaltung und Fakultäten inzwischen eingeleitet. Der Probetrieb beginnt ab 1. April in einigen besonders gefragten NC-Fächern. Dafür ist eine Ausweitung insbesondere des Lehrpersonals aus eigenen Haushaltsmitteln sowie Studierendenbeiträgen erfolgt. Weiteres Personal wird kurzfristig gesucht und eingestellt. Nach vorläufigen Schätzungen muss es in der Anfangsphase um circa 15 Prozent aufgestockt werden; den zweischichtigen Vollbetrieb wird die Hochschule mit circa 50 Prozent mehr Personal fahren können. Zahlreiche Professoren und Mitarbeiter sind nach Umfragen gewillt, gegen entsprechende Nachtzuschläge im Wechselschichtbetrieb zu lehren und zu forschen.

Die UB startet
Als erstes geht die Unibibliothek zu einem 24-Stundenbetrieb über; nächtliche Seminare und Übungen folgen mit dem Vorlesungsbeginn ab Mitte April. Die Schichtwechsel zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr sind für den Reinigungsdienst vorbehalten. Das Akademische Förderwerk gibt ab Anfang des Monats warme Nachtmahlzeiten im Bistro der Mensa aus. Die meisten Geschäfte im UniCenter haben ihre Bereitschaft signalisiert, nächtliche Einkaufszeiten vorzusehen, wenn sich der Zweischichtbetrieb durchsetzen sollte.

Vorteile überwiegen
Der Zweischichtbetrieb birgt vielfache Vor- und Nachteile. Zwar steigen die Kosten für Beleuchtung, Heizung und Reinigung deutlich; dagegen werden Seminarräume, Büros und Labore besser ausgelastet. Da der Campus eine erhebliche Belebung erfährt, steigt die Sicherheit von Frauen auf dem Campus, Wachpersonal kann eingespart werden. Angesichts dieser erheblichen Vorteile hat das NRW-Innovationsministerium in Düsseldorf eine kurzfristige und unbürokratische Prüfung des RUB-Antrags in Aussicht gestellt."

Die famose Zweischichtidee streute die Ruhr-Universität Bochum per Pressemitteilung unters Volk - zum 1. April. Die Hochschule foppt regelmäßig Studenten, Mitarbeiter und Journalisten. Josef König, langjähriger Pressesprecher, verschickt solche Aprilscherze aus Neigung, Überzeugung und seit vielen Jahren. 2009 zum Beispiel kündigte er an, dass die Uni ihren Absolventen künftig Kopfnoten ins Abschlusszeugnis schreiben werden - für Soft Skills wie "Teamfähigkeit" und "Leistungsbereitschaft". In früheren Jahren fabulierte er etwa begeistert von der Wiedereinführung des Karzers oder vom Verbot der Bildschirmschoner mit Aquarien.

jol



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.