Zweiter Anlauf Josef Ackermann ist jetzt doch Honorarprofessor

Es gab Querelen und Proteste, aber nun erhält der Deutsche-Bank-Chef einen neuen Ehrentitel: Am Mittwochnachmittag hat der Senat der Frankfurter Universität Josef Ackermann zum Honorarprofessor ernannt. Der erste Versuch war vor drei Jahren gescheitert.


Der Senat der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, am Mittwochnachmittag zum Honorarprofessor der Hochschule ernannt. Die Uni meldete, der Senat habe sich "mit überwältigender Mehrheit" für Ackermann ausgesprochen. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften hatte den Banker bereits zum zweiten Mal vorgeschlagen; 2005 war der erste Versuch zur Verleihung des Ehrentitels gescheitert.

Im Vorfeld der Entscheidung hatte es allerdings Bedenken gegen den Ehrentitel für Ackermann gegeben. Senatsmitglieder und der Asta der Hochschule hatten sich gegen eine Ehrung Ackermanns ausgesprochen. So hatte Jost Gippert, Literaturprofessor und Senatsmitglied, SPIEGEL ONLINE gesagt, er finde die Personalie Ackermann "problematisch". Studentenvertreter zweifelten, ob man Ackermann das Ehrenamt geben soll.

Kritisiert wurden, wie schon beim letzten Wahlversuch vor drei Jahren, das Auftreten Ackermanns im Prozess um Abfindungen im Mannesmann-Prozess sowie massive Entlassungen bei der Deutschen Bank trotz großer Gewinne. Die Universtätleitung hatte 2005 die Notbremse gezogen und den Tagesordnungspunkt "Honorarprofessor für Dr. Josef Ackermann" kurzfristig von der Tagesordnung genommen.

Ehrung für Ackermann oder für die Uni?

In der Senatssitzung, bei der Vertreter der Juso-Hochschulgruppe mit einem Transparent gegen Ackermann im Saal standen, wurde etwa eine halbe Stunde über die Personalie debattiert. Zwei Senatsmitglieder stimmten gegen den Ehrentitel für Ackermann, eines enthielt sich der Stimme. Weil nach Angaben des stellvertretenden Senatsmitglieds Peter Jung außerdem einzelne nichtwissenschaftliche Mitarbeiter nicht im Senat anwesend waren, hätten nach dem Hessischen Hochschulgesetz vier Senatsmitglieder mit Nein gestimmt, sagte Jung SPIEGEL ONLINE. Ein Professor der Wirtschaftswissenschaften habe außerdem gesagt, der Titel sei keine Ehrung für Ackermann, sondern vielmehr eine Ehrung für die Hochschule.

Hingegen sagte David Malcharczyk für den Asta, die Honorarprofessur für Ackermann schade dem Renommee der Universität, sie sei für diese "rufschädigend".

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften hatte Ackermann erneut vorgeschlagen, weil der Schweizer der "weltweit angesehenste Experte auf dem Gebiet des Bankwesens" sei und den gesamten Finanzplatz Frankfurt stärke. Man müsse im zudem verhindern, dass Ackermann durch seine Lehrtätigkeit an der London School of Economics den Finanzplatz London weiter stärke.

cht/dpa



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