500px: Apple sperrt Foto-App wegen etwas nackter Haut

500px: Apple verbietet diese Foto-App Fotos

Die Website 500px ist bei Fotografen sehr beliebt, nun geht Apple gegen die Betreiber vor. Die iOS-App der Firma wird gesperrt. Apples Begründung: Die Anwendung erlaube das Anzeigen von pornografischem Material - dabei sind sogar Aktbilder darin standardmäßig gesperrt.

Nicht nur unter Profi-Fotografen gilt die Bilderseite 500px.com als Anlaufstelle für hochwertige Motive. Ähnlich wie bei Flickr werden bestechend ästhetische Fotos gezeigt, die Motive sind wie eine Collagen angeordnet. Außerdem lassen sich die Fotobestände bequem nach Schlagworten durchsuchen. Und hier beginnt für die sittenstrengen Tugendwächter von Apples App-Store das Problem. Weil die Bildersuche der 500px-App unter anderem auch den Aufruf von Aktaufnahmen ermöglicht, wurde die Anwendung nun am frühen Morgen des 22. Januar entfernt, sagt der 500px-Geschäftsführer Evgeny Tchebotarev der Nachrichtenseite The Register..

Dabei ist es mit Apples Safari-Browser wohl wesentlich einfacher, Fotos nackter Menschen zu sehen als mit der 500px-App. Nacktaufnahmen zeigt das Programm der kanadischen Fotoseite keineswegs standardmäßig an. Registriert man ein neues Konto, ist die Anzeige von Aktfotos im Browser und in der App standardmäßig deaktiviert. Man muss erst ein Häkchen setzen und bestätigen, dass man so etwas sehen will, dann erst werden entsprechende Aufnahmen gezeigt.

Wenn man auf der 500px-Website ohne Login Fotos sucht, werden Aktaufnahmen nicht angezeigt. Man sieht lediglich graue Fenster mit dem Hinweis "Adult content", erst nach einem erneuten Klick öffnet sich das eigentliche Bild.

Apple sieht 500px als Porno-Anbieter

Apple zufolge wurde die App wegen "pornografischen Materials" entfernt, zudem hätten sich Kunden über Fotos beschwert, bei denen es "möglicherweise um Kinderpornografie" handele. Was Apple als Pornografie klassifiziert und ob darunter auch einfache Aktfotos fallen, erklärt das Unternehmen nicht.

Die Geschäftsbedingungen von 500px jedenfalls untersagen Nutzern, die Veröffentlichung von verleumderischen oder pornografischen Inhalten.

Gegenüber TechCrunch erklärte 500px-Chef Evgeny Tchebotarev, Apple habe die App nach langen Debatten über eine neue Version gelöscht. Zuvor habe der Konzern sich unzufrieden über ein Update von 500px für iOS gezeigt. Apples Prüfstelle habe moniert, die App erlaube die Suche nach "Erwachseneninhalten". Tchebotarevs Hinweise auf den standardmäßig aktivierten "Safe Search"-Modus fruchteten offensichtlich ebensowenig wie der Vergleich mit Instagram oder Tumblr, wo Aktfotos ohne derartige Sicherheitsvorkehrungen angezeigt würden.

Nutzer kritisieren Apples selektive Tugendwächter

Dennoch habe sich 500px gegenüber Apple bereiterklärt, die angesprochenen Probleme zu lösen, die erforderlichen Änderungen würden innerhalb eines Tages vorgenommen. Doch offensichtlich wollte Apple nicht mehr abwarten und warf die Anwendung hinaus. "Die App war seit 16 Monaten im App Store - seit Oktober 2011", kommentierte Tchebotarev diesen Schritt.

Die Reaktionen der Nutzer fielen mehrheitlich negativ aus. TechCrunch listet eine Reihe von Tweets auf, in denen Apple geraten wird, am besten alle anderen Foto-Apps, dazu auch Safari und gleich alle Browser aus dem App Store zu werfen. Die würden schließlich ebenfalls die Suche nach einschlägigen Motiven erlauben.

meu/lis

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ich liebe Apple.
syipisa 23.01.2013
Unter anderem deswegen.
2. Hoffentlich....
DarkTranquility 23.01.2013
...schaufelt sich Apple damit sein eigenes Grab. Genau diese Gängelungen sind für mich der Grund, mir kein iPhone zuzulegen. Ich stelle mit gerade vor wie Autofahrer reagieren würden: Ein Oberklasse-Hersteller verkauft für viel Geld seine Autos, schreibt den fahrern aber vor auf welchen Straßen sie fahren und an welchen Tankstellen sie tanken dürfen. ...
3. optional
socketuning 23.01.2013
Wahrscheinlich gab es entsprechende Beschwerden. Es ist nicht leicht einen Kompromiss bei so unterschiedlichen Vorstellungen in verschiedenen Ländern zu finden. Vielleicht gibt es da ja auch Fotos von einem Negerkönig?
4. apple ist peinlich
chinataxi 23.01.2013
kriegen selber ausser marketing nichts zustande, bauen ein ddr os und nehmen die user aus wie weihanchtskarpfen mit adapterwäldern und co. ehrlich gesagt passt der spruch da: es bekommt jeder das was er verdient. apple ist das jamba der erwachsenenwelt mit hardwaredongel. gut dass ich keinen cent in diese firma gestackt habe. ich kann seit 1994 erfahrung sammeln mit apple produkten beruflich. und das reicht um abgeschreckt zu sein.
5. amerikanische prüderie
liberalliberal 23.01.2013
was die katholische kirche vor jahrzehnten eingestellt hat, blüht bei den US-amerikanischen Plattformrn und Providern mit neuer Kraft: ZENSUR, Moraltheologie etc.. Ich will garnicht bestreiten, dass US-Amerikaner ob schlichter Denkungsart derlei Bevormundung brauchen, sich vielleicht sogar danach sehnen. Da Übel ist nur, dass Amerika bei nahezu allen Produkten und Browsern mispricht und sich einmischt, aufdrängt und nur schwer abgeschüttelt werden kann. Auch der putzige Firefox verweigert unter Berufung auf angebliche juristische Hindernisse diverse "unmoralische" Zugriffe. Andere, sicherlich sehr viel dümmere, sehen diese rechtlichen Probleme indes nicht. Explorer kommt zu eigenständigen Einschätzungen, obwohl dem gleichen Rechtsraum verhaftet. Welches sind denn NICHT-amerikanische Browser, frei von Prüderie?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Apps
RSS
alles zum Thema iOS-Apps
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 94 Kommentare
Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.