Von Ole Reißmann
Es gibt kein Entkommen. Selbst auf dem Nachtmarkt von Johor Bahru in Malaysia nicht, wo gegrillter Fisch auf Bananenblättern für umgerechnet ein paar Euro serviert wird und Straßenhändler mehr oder weniger echte Handtaschen und Portemonnaies feilbieten. An jeder Ecke findet man sie: die Protagonisten des Handy-Games "Angry Birds".
Die kugeligen Vögel und grünen Schweine hängen als Plüschfiguren an Marktständen, es gibt sie in Form von Rucksäcken und gedruckt auf T-Shirts. Ursprünglich bevölkerten sie nur eine Spiele-App: Vor drei Jahren erschien der erste Teil von "Angry Birds". Das Prinzip ist simpel. Mit einer Zwille schießt man wütende Vögel auf Schweine ab, die sich auf wackeligen Konstruktionen aufhalten.
Daraus wurde ein Welthit, die finnische Firma Rovio brachte Fortsetzungen und Sondereditionen heraus. Insgesamt mehr als eine Milliarde Downloads zählt Rovio, jeden Tag verbringen Menschen fünf Millionen Stunden mit "Angry Birds". In Finnland gibt es mittlerweile einen Freizeitpark, und eine Firma verkauft süße Brause im Namen der Spielfiguren. Für das US-Magazin "Newsweek" ist es schlicht "The Piggest Game Ever".
Laserschwerter und Raumschiffe
Nun ist der sechste Teil erschienen: "Angry Birds Star Wars". Die Vögel schwingen darin Lichtschwerter wie Luke Skywalker, die Schweine sehen aus wie Stormtrooper, das Oberschwein trägt eine Darth-Vader-Maske. Neben den liebevoll-detaillierten Zeichnungen sorgen Originalsounds aus der Serie für Weltraum-Feeling: das Kreischen der Tie-Fighter, das Brummen der Lichtklingen, das Gepiepse des Roboters R2D2.
Die Stormtrooper-Schweine schießen nun schon Mal mit Laserkanonen auf die heranfliegenden Rebellenvögel. Die müssen diese Attacken abwehren, um ihren Kamikaze-Anflug erfolgreich fortsetzen zu können. Aus den wackeligen Konstruktionen des Originalspiels werden hier träge im All herumdriftende Weltraumstationen mit angedockten Raumschiffen und Aufbauten des imperialen Todessterns.
Zauberformel mit Zwille
Gut möglich, dass Rovio eine Zauberformel gefunden hat. Als das Unternehmen im vergangenen Jahr zusammen mit Fox ein "Angry Birds" zum Kinofilm "Rio" veröffentlichte, konnten schon zwei Wochen später zehn Millionen Downloads gemeldet werden. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Fans wünschen sich zum Beispiel ein "Angry Birds Simpsons" - und Hollywood hat noch mehr starke Marken. Wie wäre es mit "Angry Jones"? Oder "James Bird"?
Vor den erfolgreichen Vögeln hat Rovio nicht weniger als 51 Spiele veröffentlicht. Keines davon konnte auch nur annähernd so abheben wie "Angry Birds". Rovio hat ein Spiel entwickelt und eine globale Medienmarke geschaffen. Die seitdem gestarteten Titel "Bad Piggies" und "Amazing Alex" haben nicht an den riesigen Erfolg anknüpfen können, auch wenn "Bad Piggies" für seine höhere Komplexität von Kritikern zum Teil gelobt wurden.
Dafür läuft das Geschäft mit "Angry Birds" blendend. Zweitwichtigster Markt ist China, wo die Verbreitung von Smartphones gerade rasant zulegt. Mehr als 150 Millionen Mal wurde das Spiel dort heruntergeladenen. Für das Land hat Rovio extra chinesische Kulturelemente in die App eingebaut. Dort sollen die Produkte rund um "Angry Birds" im kommenden Jahr in Hunderten Läden verkauft werden. Auch in Shanghai gibt es mittlerweile einen Vergnügungspark. Im kommenden Jahr könnte Rovio an die Börse gehen.
Als nächstes soll eine Zeichentrickserie starten.
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